Pokal-Drama in Halle

Pokal-Drama in Halle: HFC verliert spektakuläre „Achterbahnfahrt“ gegen Wolfsburg

Halle (Saale) - Es waren typische Bilder der Enttäuschung. Nach dem letzten Pfiff sanken die Spieler des Halleschen FC zu Boden, sie stützten sich auf die Knie, schauten ins Leere. Von den Rängen kam aber, ganz untypisch für eine Niederlage, aufmunternder Applaus und lautstarke ...

Von Fabian Wölfling 12.08.2019, 21:09
Am Ende jubelt Wolfsburg im Erdgas Sportpark: Nach 120 Minuten Pokal-Fight muss sich der HFC mit 3:5 geschlagen geben.
Am Ende jubelt Wolfsburg im Erdgas Sportpark: Nach 120 Minuten Pokal-Fight muss sich der HFC mit 3:5 geschlagen geben. www.imago-images.de

Es waren typische Bilder der Enttäuschung. Nach dem letzten Pfiff sanken die Spieler des Halleschen FC zu Boden, sie stützten sich auf die Knie, schauten ins Leere. Von den Rängen kam aber, ganz untypisch für eine Niederlage, aufmunternder Applaus und lautstarke Gesängen.

Es war der Dank der Anhänger für eine mitreißende Leistung des HFC in der ersten Runde des DFB-Pokals. Die gegen den klaren Favoriten VfL Wolfsburg am Montagabend am Ende ohne Lohn blieb. Der Bundesligist setzt sich im mit 13500 Zuschauern ausverkauften Erdgas Sportpark mit 5:3 nach Verlängerung durch.

HFC - Wolfsburg: Magischer Pokalabend in Halle

Die HFC-Anhänger hatten von Anfang an alles gegeben für einen magischen Pokalabend. Das ganze Stadion, der Auswärtsblock ausgenommen, tauchten sie in ein Meer aus Rot, stimmten schon in der vierten Minute ein mächtiges „Chemie – Halle“ an. Eine akustische Wucht, die es im Erdgas Sportpark lange nicht zu hören gab.  Aber Wolfsburg, der Europapokalteilnehmer, zeigte sich unbeeindruckt, übernahm sofort die Spielkontrolle und jubelte früh. Das Kopfballtor von Sturmriese Wout Weghorst pfiff Schiedsrichter Markus Schmidt in der 14. Minute wegen Abseits aber zurück.

Der HFC hatte mit dem Tempo und der Zweikampfstärke der Wölfe große Probleme, kam selbst lange kaum geordnet in die gegnerische Hälfte. Umso begeisternder, umso wahnwitziger dann aber der Schuss von Felix Drinkuth in der 43. Minute. Eine abgewehrte Flanke nahm der Leihoffensive aus Paderborn mit vollem Risiko und hämmerte ihn von der Strafraumgrenze in den rechten Winkel. Das riss sämtliche Fans aus den Sitzen.

Die Emotionen hatten sich noch nicht wirklich beruhigt, da schlug Wolfsburg im Stile eines Spitzenteams zurück. Joao Victor bediente in der 44. Minute den am Fünfmeterraum wartenden Weghorst, der sich eine solche Chance nur selten entgehen lässt. Das 1:1 zur Pause war für den HFC trotz des Rückschlags ein Achtungserfolg.  

Halle kommt zwei Mal nach Rückstand zurück

Der aber nicht lange Bestand hatte. Wolfsburg kam wie in der ersten Halbzeit energisch aus der Kabine, drückte sofort auf ein Tor und belohnte sich diesmal praktisch sofort. Nachdem Eisele einen ersten Schussversuch noch parieren konnte, traf Yannick Gerhardt in der 49. Minute im zweiten Anlauf mit einem platzierten 18-Meter-Fernschuss zum 2:1 in die linke untere Ecke.

Von einer Entscheidung war die Partie damit aber noch lange entfernt. Der HFC antwortete sofort mit mutigen Angriffen, hatte nun sogar seine aktivste Phase des Spiels und glich in der 57. Minute aus. Nach einem Freistoß von Jopek traf Mai im ersten Versuch den Pfosten, den zweiten Ball brachte Drinkuth wieder in den Strafraum, diesmal köpfte der Allzweckhüne des HFC ins Tor.

Stolz und Enttäuschung: Die Stimmen zum Spiel

Euphorisiert durch den Ausgleich und das nun endgültig ekstatische Publikum blieb der HFC mutig, war nun voll auf Augenhöhe. Wieder zeigte sich der Bundesligist aber eiskalt. In der 70. Minute wehrte Eisele eine flache Hereingabe genau vor die Füße von William, der mühelos zum 3:2 ins leere Tor einschießen konnte.

Trotz Überzahl: HFC lässt sich in der Verlängerung überrumpeln

Der HFC kämpfte, rannte und spielte auch danach weiter, schloss nahtlos an den starken Start in der dritten Liga an. Und nach Gelb-Rot für Wolfsburg Kapitän Joshua Guilavogui kam der HFC in der Nachspielzeit tatsächlich zum erneuten Ausgleich. Bentley Baxter Bahn zirkelte den Ball an den langen Pfosten, wo Mathias Fetsch, der als Einwechsler sein Comeback gab, einköpfte. War es vorher schon laut, brach nun der absolute Wahnsinn im Stadion aus.

In die Verlängerung ging der HFC nun in Überzahl und mit Momentum. Aber das Tor machte wieder Wolfsburg. Eine Flanke veredelte Verteidiger Robin Knoche per Kopf in der 92. Minute. Und nur zwei Minuten später schlug der Favorit erneut zu, diesmal traf Josip Brekalo mit einem platzierten Schuss.

Von diesem Doppelschlag konnte sich der HFC nicht mehr erholen. Zu viel Kraft hatte der Pokalkampf gekostet. So blieb der leidenschaftliche Auftritt ohne Krönung. Dem Publikum war es egal.

Statistik: Hallescher FC - VfL Wolfsburg 3:5 n.V. (1:1,3:3)

HFC: Eisele - Kastenhofer (99. Hansch), Mai, Landgraf - Göbel (79. Fetsch), Bahn, Jopek, Drinkuth - Nietfeld (75. Papadopoulos) - Sohm (86. Galle), Boyd
VfL: Casteels - Knoche, Guilavogui, Brooks - William (115. Mbabu), Gerhardt, Arnold, Roussillon (85. Steffen) - Klaus (65. Brekalo), Victor (90.+1 Uduokhai) - Weghorst
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
Zuschauer: 13.500 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Drinkuth (43.), 1:1 Weghorst (44.), 1:2 Gerhardt (49.), 2:2 Mai (57.), 2:3 William (70.), 3:3 Fetsch (90.+1), 3:4 Knoche (92.), 3:5 Brekalo (94.)
Gelbe Karten: Kastenhofer (1), Landgraf (1), Mai (1) / Brooks (1), William (1)
Gelb-Rote Karte: Guilavogui (89./Foulspiel)

(mz)