Spekulationsobjekt RB Leipzig

Spekulationsobjekt RB Leipzig: Rasenballsport „Hypezig”

Leipzig - Als der Blogger, Autor und Poetry-Slammer André Herrmann 2012 den Begriff „Hypezig” schuf, hatte er dabei vermutlich nicht Rasenballsport Leipzig im Sinn. Vielmehr beschrieb Herrmann mit seiner Wortschöpfung die mediale Überhöhung Leipzigs als den Place-to-be für hippe, junge Menschen. In den vergangenen Jahren hat die Dichte der Texte, die den Hype um Leipzig beschwören, glücklicherweise wieder abgenommen. Nun ist das „Hypezig”-Phänomen in anderer Gestalt zurück: in der täglichen Berichterstattung über Zweitliga-Primus RBL. Dass bei dem Red-Bull-Klub vieles möglich scheint, beflügelt scheinbar die Kreativität der überregionalen (Online-)Berichterstatter; dass RB schon in wenigen Wochen in der Bundesliga angekommen sein könnte, deren Aktivität. Alles, was das Image der Leipziger als Klub der unbegrenzten Möglichkeiten bedient oder absurd genug scheint, wird ins Netz ...

Von Ullrich Kroemer 11.02.2016, 20:26

Als der Blogger, Autor und Poetry-Slammer André Herrmann 2012 den Begriff „Hypezig” schuf, hatte er dabei vermutlich nicht Rasenballsport Leipzig im Sinn. Vielmehr beschrieb Herrmann mit seiner Wortschöpfung die mediale Überhöhung Leipzigs als den Place-to-be für hippe, junge Menschen. In den vergangenen Jahren hat die Dichte der Texte, die den Hype um Leipzig beschwören, glücklicherweise wieder abgenommen. Nun ist das „Hypezig”-Phänomen in anderer Gestalt zurück: in der täglichen Berichterstattung über Zweitliga-Primus RBL. Dass bei dem Red-Bull-Klub vieles möglich scheint, beflügelt scheinbar die Kreativität der überregionalen (Online-)Berichterstatter; dass RB schon in wenigen Wochen in der Bundesliga angekommen sein könnte, deren Aktivität. Alles, was das Image der Leipziger als Klub der unbegrenzten Möglichkeiten bedient oder absurd genug scheint, wird ins Netz gejagt. 

Nach immergleichem Schema werden Halbsätze interpretiert oder Mutmaßungen gleich komplett ohne Grundlage verbreitet und später plump von anderen abgeschrieben. So wurde dem designierten Bundesligisten in den vergangenen Tagen etwa angedichtet, im Falle des Aufstiegs 200 Millionen Euro zu investieren und das zweitgrößte Stadion Deutschlands für 80.000 Zuschauer zu bauen; Talent Leroy Sané, hieß es, entscheide sich derzeit nur noch zwischen dem FC Barcelona und RB Leipzig. Trainer Ralf Rangnick wurde in den Mund gelegt, dass er gegen den FC Bayern „ätzt”. Und jüngste „Neuigkeit” ohne belastbare Grundlage oder neue Faktenlage: RB lockt Augsburgs Trainer Markus Weinzierl. 

Nun darf man zwar davon ausgehen, dass der bis 2019 beim FC Augsburg unter Vertrag stehende Weinzierl – aktuell dienstältester Chefcoach der Bundesliga – auf der wohl drei Kandidaten umfassenden Kandidaten-Shortlist von RBL steht. Doch seitdem diese Liste im Trainingslager in Belek Mitte Januar festgezurrt wurde, gibt es keinen neuen Stand was die Trainersuche angeht, heißt es aus dem Verein. „Wir haben unsere Kandidaten-Shortlist erstellt und arbeiten diese in Ruhe ab”, beruhigte Vorstandsboss Oliver Mintzlaff an diesem Donnerstag. Man darf getrost davon ausgehen, dass sich die Trainersuche noch bis mindestens Anfang April hinzieht. Inklusive wöchentliche Spekulation. 

Zwar wäre RB dem Vernehmen nach durchaus bereit, eine Ablöse für den neuen Trainer zu zahlen. Doch dass der auf Spar-Kurs befindliche Red-Bull-Klub die von der BILD-Zeitung in den Raum geworfenen fünf bis zehn Millionen Ablöse für Weinzierl investieren würde, ist ebenso unwahrscheinlich wie ein 40-Millionen-Euro-Transfer von Leroy Sané zu RBL. Doch medial ist das egal. Der Hype um RB Leipzig verkauft sich einfach zu gut. (mz/sid)