RB Leipzig startet in die Rückrunde

RB Leipzig startet in die Rückrunde: Die "Roten Bullen" wollen auf Abschiedstournee gehen

Leipzig - Noch 14 Wochen, 15 Spiele, 45 zu vergebende Punkte, 98 Tage. Dann könnten die Leipziger Fußballfans nach 1993 den zweiten Aufstieg eines Klubs aus der Messestadt in die Bundesliga feiern. RB Leipzigs Sprung ins Oberhaus nur sieben Jahre nach der Vereinsgründung 2009 – im Jahr, als mit Energie Cottbus der bislang letzte ostdeutsche Erstligist abstieg – wäre ein Novum hierzulande. Doch wenn der umstrittene Zweitliga-Spitzenreiter an diesem Sonntag gegen Eintracht Braunschweig (13.30 Uhr) in die Rückserie startet, wollen sie bei RB die Dimension ihres Unterfangens möglichst ...

Von Ullrich Kroemer 05.02.2016, 08:23

Noch 14 Wochen, 15 Spiele, 45 zu vergebende Punkte, 98 Tage. Dann könnten die Leipziger Fußballfans nach 1993 den zweiten Aufstieg eines Klubs aus der Messestadt in die Bundesliga feiern. RB Leipzigs Sprung ins Oberhaus nur sieben Jahre nach der Vereinsgründung 2009 – im Jahr, als mit Energie Cottbus der bislang letzte ostdeutsche Erstligist abstieg – wäre ein Novum hierzulande. Doch wenn der umstrittene Zweitliga-Spitzenreiter an diesem Sonntag gegen Eintracht Braunschweig (13.30 Uhr) in die Rückserie startet, wollen sie bei RB die Dimension ihres Unterfangens möglichst ausblenden.

Der nach einer Magen-Darm-Infektion zur Wochenmitte wiedergenesene Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick schwört seine Mannschaft weniger auf das große Ziel am Saisonende ein, sondern vielmehr auf jede einzelne Aktion, jede Balleroberung, jeden Angriff, jeden Torschuss. Routinier Marvin Compper, der einzige im Kader, der schon einmal in die 1. Liga aufgestiegen ist, sagt: „Es ist entscheidend, dass jeder weiter an sich arbeitet. Keiner darf denken: Jetzt läuft es von allein. Dann gibt man unterbewusst ein paar Prozent weniger. Es geht darum, sich nicht etwa auf dem Erreichtem auszuruhen, sondern noch mehr zu wollen. Compper & Co. rechnen mit maximaler Gegenwehr der Konkurrenten: „Wir werden von den Mannschaften gejagt, die hinter uns stehen. Die Aufgabe wird für uns nach der Winterpause eher noch einen Tick schwerer als in der Hinrunde.”

Bessere Abstimmung im Angriff

So arbeitete RBL im Trainingslager in Belek auch hochkonzentriert und nüchtern an noch besserer Abstimmung vor allem im Angriffsspiel. Während etwa Konkurrent 1. FC Nürnberg abwechslungsreiche Wettkämpfe am Strand veranstaltete, ließ Rangnick launige Teambuilding-Einheiten komplett außen vor. Stattdessen ließ der aufstiegserfahrene Übungsleiter unter anderem die 4-1-3-2-Grundordnung als offensive Variante im Spiel einüben. „Wir hatten eine ordentliche Vorbereitung, ein gutes Trainingslager, keine verletzungsbedingten Ausfälle – das sind alles Dinge, die mich positiv stimmen”, sagt Rangnick. Bei seinen Spielern forderte er noch bessere „Synchronisierung” ein. Rangnicks Fußball entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn im sensiblen Gefüge wie bei einer Maschine ein Rädchen ins andere greift. In den fünf, allesamt gewonnenen Testspielen im Winter war jedoch noch zu sehen, dass sich die Mannschaft vor allem in den ersten 45 Minuten schwertat, in den richtigen Rhythmus zu kommen. RB wird gegen auch in der Rückrunde in vielen Spielen Geduld brauchen, bis die kompakten Gegner mürbe gespielt sind.

Am Teamgefüge wollte RB in dieser Transferperiode im Winter bewusst nichts verändern. Als einziger Klub der Liga haben die Leipziger in der abgelaufenen Transferphase keinen neuen Spieler verpflichtet – auch ein Novum in der jungen Vereinshistorie. Die Abgänge Tim Sebastian (SC Paderborn) und Zsolt Kalmár (Leihe zum FSV Frankfurt) werden aus dem Team heraus kompensiert – ein konsequenter Kurs, dem aktuellen Kader das volle Vertrauen zu schenken. Da bis auf den leicht angeschlagenen Linksverteidiger Marcel Halstenberg und den langzeitverletzten Stürmer Terrence Boyd alle Spieler fit sind, hat Rangnick auch so die Qual der Wahl. Compper könnte ebenfalls aus der Startformation rutschen wie Starstürmer Davie Selke. „Das wird spannend”, sagte Rangnick zur Startaufstellung gegen die Eintracht. „Wir haben auf so vielen Positionen viele Möglichkeiten. Aber das ist auch gut so.”

Potential noch längst nicht ausgeschöpft

Auch angesichts des Potenzials im Kader, das noch längst nicht ausgeschöpft ist, gehört schon eine Portion Fantasie dazu, dass RBL den Aufstieg noch verspielen könnte. Für die Konkurrenten ist eh klar, dass der neue Konkurrent künftig eine Liga höher für Furore sorgen wird. „Leipzig wird aufsteigen und auch in der 1. Liga eine nachhaltige Rolle spielen”, sagte René Weiler, Trainer des Tabellendritten 1. FC Nürnberg auf MZ-Anfrage. Und auch Christian Streich, Chefcoach von Leipzigs erstem Verfolger SC Freiburg sagt: „Leipzig wird sich durchsetzen. Sie haben einen erfahrenen Trainer, der sich mit solchen Projekten auskennt und eine hervorragende Qualität im Kader. Mit seinen Möglichkeiten ist Leipzig das Maß aller Dinge – nicht nur in dieser Liga.”

Für den wahrscheinlichen Aufstiegsfall stellt RBL-Boss Oliver Mintzlaff gerade wie ein Unternehmensberater die Weichen, forciert die Suche nach neuen Einnahmequellen und organisiert Struktur und Personal in der Geschäftsstelle neu. „Wenn ich tippen müsste”, sagte Mintzlaff bei einem Talk der Leipziger Volkszeitung, „würde ich sagen, dass Qualität und Teamgeist in unserer Mannschaft ausreichen, um den Aufstieg zu schaffen.” Aber es seien eben auch noch einige Partien zu absolvieren, in denen viele Unwägbarkeiten auftreten könnten. Noch 14 Wochen, 15 Spiele, 45 zu vergebende Punkte, 98 Tage. (mz)