RB Leipzig gewinnt gegen Braunschweig

RB Leipzig gewinnt gegen Braunschweig: "Rote Bullen" mit begeisterndem Spektakel

Leipzig - Dominik Kaiser war schon ein wenig heiser, und obwohl er in eine dicke Decke eingepackt war, zitterte der Kapitän von RB Leipzig sichtlich. Doch die Kälte in den zugigen Stadionkatakomben war Kaiser in diesem Moment egal. Lächelnd beantwortete der 27-Jährige ausführlich alle Reporterfragen. Kein Wunder, schließlich hatten Kaiser & Co. nach dem 2:0 (2:0)-Erfolg der „Roten Bullen” gegen Eintracht Braunschweig allen Grund, erleichtert zu sein. Bei dem begeisternden Offensivspektakel in der ersten Hälfte hatte sich das Red-Bull-Team Chancen im Minutentakt herausgespielt und in dieser Phase eine der besten Leistungen dieser Saison gezeigt. „Wir sind sehr glücklich, dass wir die gute Phase vor Weihnachten ins neue Jahr übertragen haben”, sagte Kaiser. „Unser Spiel hat sich in der ersten Hälfte sehr gut angefühlt. Wir waren brandgefährlich, haben extrem gut ...

Von Ullrich Kroemer

Dominik Kaiser war schon ein wenig heiser, und obwohl er in eine dicke Decke eingepackt war, zitterte der Kapitän von RB Leipzig sichtlich. Doch die Kälte in den zugigen Stadionkatakomben war Kaiser in diesem Moment egal. Lächelnd beantwortete der 27-Jährige ausführlich alle Reporterfragen. Kein Wunder, schließlich hatten Kaiser & Co. nach dem 2:0 (2:0)-Erfolg der „Roten Bullen” gegen Eintracht Braunschweig allen Grund, erleichtert zu sein. Bei dem begeisternden Offensivspektakel in der ersten Hälfte hatte sich das Red-Bull-Team Chancen im Minutentakt herausgespielt und in dieser Phase eine der besten Leistungen dieser Saison gezeigt. „Wir sind sehr glücklich, dass wir die gute Phase vor Weihnachten ins neue Jahr übertragen haben”, sagte Kaiser. „Unser Spiel hat sich in der ersten Hälfte sehr gut angefühlt. Wir waren brandgefährlich, haben extrem gut umgeschaltet.”

Neun große Gelegenheiten bot RB den 28.112 Zuschauern gegen harmlose Braunschweiger allein in Hälfte eins. Wenn die Offensive um die starken Yussuf Poulsen, Emil Forsberg und Kaiser noch besser gestochen hätte, hätte es zur Pause bereits 4:0 stehen können. Doch da bei den rasanten Gegenstößen noch die letzte Feinabstimmung fehlt, waren es paradoxerweise zwei Standards, die RB den Sieg bescherte. Entscheidend bei der ersten Torszene war Leipzigs Standardspezialist Kaiser, der einen Eckball flach an den Sechzehn-Meter-Raum schlug. Der dort wartende Yussuf Poulsen ließ gekonnt für Forsberg durch, der zum 1:0 traf (24.). Noch am Samstag, berichtete Kaiser, habe er mit den Kollegen genau diese Variante zwei Mal trainiert. „Der Ablauf hat gestimmt, Braunschweig war überrascht. Wir sind glücklich, dass wir mit so einer Situation in Führung gegangen sind, obwohl wir natürlich auch genügend Chancen aus dem Spiel heraus hatten.”

Kurz darauf bescherte ein Patzer von Braunschweigs Keeper Rafal Gikiewicz den Gastgebern das 2:0, als Anthony Jung einen Freistoß diagonal ausführte und sich der Gäste-Torhüter verschätzte. Der etwas überraschend von Beginn an aufgebotene Marvin Compper stand goldrichtig und staubte zum 2:0 ab (30.). In Hälfte zwei ließ RB dann in der Offensive zwar spürbar nach, was den starken Eindruck aus der ersten Hälfte aber nur minimal minderte. Braunschweig hatte im gesamten Spiel nur zwei Gelegenheiten durch Jan Hochscheidt (42.) und Domi Kumbela (48.).

„Das war in der ersten Halbzeit ein richtig gutes Spiel von uns”, sagte RBL-Cheftrainer Ralf Rangnick. „Da habe ich kaum etwas auszusetzen.” Ein Umstand, der nicht allzu oft vorkommt. Rangnick lobte das Spiel gegen den Ball „mit großer Wucht”; später seien dann auch noch „Finesse und gutes Kombinationsspiel” dazugekommen. Dass sein Team in der zweiten Hälfte nicht mehr an den Offensivdrang der ersten 45 Minuten anknüpfte und nicht die letzten Energiereserven opferte, „sei ihr zugestanden”, sagte Rangnick angesichts der defensiven Stabilität. Alles in allem sei die Partie eine „Benchmark” für das Spiel gegen den FC St. Pauli am Freitag gewesen.

Und noch einen Anglizismus prägte der studierte Englischlehrer Rangnick an diesem Nachmittag, als der 57-Jährige den sogenannten „Long-Face-Day” bei einigen seiner Ersatzspieler ausmachte. „Es gab einige, die ,not amused’ waren, als sie die Aufstellung gesehen habe”, sagte der Cheftrainer. Der formschwache Starstürmer Davie Selke etwa, der nicht einmal eingewechselt wurde. Oder der lange Verteidiger Atinc Nukan, dem Rangnick nach einer Bauchentscheidung am Samstagabend Compper vorzog. Doch Rangnick wertete die langen Gesichter der Enttäuschten nicht negativ, sondern als Beleg für seinen so ausgeglichen besetzten Kader, in dem eben auch die zusammen 13 Millionen Euro teuren Stars Selke und Nukan bisweilen auf der Bank Platz nehmen müssen.

Ein anderer Bankdrücker der vergangenen Monate dagegen durfte endlich sein erstes Spiel für RBL absolvieren. Weil sich Stammtorhüter Fabio Coltorti nach einer halben Stunde bei einem Zusammenprall mit seinem Schweizer Landsmann Saulo Decarli an der Schulter verletzte – Diagnose noch offen –, gab der Ungar Peter Gulacsi sein Zweitligadebüt. „Ich hatte wenig Arbeit, weil wir gut und hoch verteidigt haben und die Null gehalten haben”, freute sich der frühere Salzburger. „Das war auch für mich ein super Tag heute.” (mz)