Kommentar zu Ralf Rangnick bei RB Leipzig

Kommentar zu Ralf Rangnick bei RB Leipzig: 100 Tage als Trainer: Beweisen, dass er es besser kann

Leipzig - Als Ralf Rangnick am 22. Juni vor genau 100 Tagen zum ersten Mal in Trainingsanzug und Fußballschuhen auf dem Trainingsplatz am Leipziger Cottaweg stand, war das für seine Spieler, die Beobachter und auch ihn selbst ziemlich ungewohnt. Rangnick verglich sich mit einem Skifahrer, der nach vier, fünf Jahren Pause das erste Mal wieder auf dem Hang ...

Ralf Rangnick ist beim Zweitligisten RB Leipzig Sportdirektor und Trainer in einer Person.

Als Ralf Rangnick am 22. Juni vor genau 100 Tagen zum ersten Mal in Trainingsanzug und Fußballschuhen auf dem Trainingsplatz am Leipziger Cottaweg stand, war das für seine Spieler, die Beobachter und auch ihn selbst ziemlich ungewohnt. Rangnick verglich sich mit einem Skifahrer, der nach vier, fünf Jahren Pause das erste Mal wieder auf dem Hang steht.

Um im Bild zu bleiben: Schon nach wenigen Tagen wedelte Rangnick die Piste wieder so souverän, ehrgeizig und rasant herunter, wie eh und je. Dabei präsentierte sich der 57-Jährige auch in der Öffentlichkeit lockerer als bei einigen seiner früheren Trainerstationen. Mit einem Ausflug ins Unterhaltungsfach schoss der Schwabe dabei sogar etwas über das Ziel hinaus. Eine Karaoke-Party mit Verkleidung in der Leipziger Arena zum Saisonauftakt würde er wohl nicht noch einmal veranstalten. Auch, weil seine Schüler die Lockerheit der Vorbereitung nicht mit in die Saison nehmen konnten.

Dass RB Leipzig bislang nicht so überzeugend und effektiv spielt, wie es die Qualität der Einzelspieler verspricht, macht Rangnicks Doppelrolle als Trainer und Sportdirektor nicht einfacher. Immer wieder überrascht das Team seinen Trainer mit neuen Herausforderungen. Zuletzt bei 1860 München verschenkten die „Roten Bullen” einen sicher geglaubten Erfolg durch naive Abwehrfehler. So wandelt Rangnick ständig zwischen verschiedenen Perspektiven: Als Trainer muss er seine Mannschaft antreiben und motivieren; die Medien erwarten von ihm griffige Erklärungen der ausbaufähigen Leistungen; und als Sportdirektor müsste Rangnick in der aktuell wenig zufriedenstellenden Situation die bisherige Arbeit seines Cheftrainers gleichen Namens kritisch bewerten.

Zwar hat Rangnick bei seinem Amtsantritt als Chefcoach im Umfeld seines Klubs vieles verändert, zahlreiche neue Spieler und neues Personal verpflichtet. Doch nach den richtigen Koordinaten, um seiner Mannschaft für den Aufstiegskurs Konstanz und Selbstverständnis zu verleihen, sucht der Spielerentwickler weiterhin. Rangnick verweist dann gern darauf, dass er auch mit der TSG Hoffenheim schwach in die Saison gestartet und am Ende aufgestiegen sei. Doch er hat den Vergleich jüngst selbst relativiert, da einst in Hoffenheim längst nicht diese Erwartungshaltung auf dem Team lastete wie aktuell bei Ligafavorit RB. „Was auf dem Feld passiert, spielt sich zu einem Großteil zwischen den Ohren ab”, sagte Rangnick neulich.

So muss es aktuell Rangnicks vordringlichste Aufgabe sein, seiner Mannschaft im Training so viel Sicherheit und Zutrauen zu seinem anspruchsvollen Spielsystem zu verleihen, dass sie sich diese Konstanz auch in den Ligaspielen erarbeiten kann. Noch, schwingt bislang bei der Bewertung von Rangnicks 13. Trainerstation mit, hat er es nicht besser gemacht als seine Vorgänger Alexander Zorniger und Achim Beierlorzer. Rangnicks Engagement als Trainer bleibt weiterhin ein Wagnis für das es im Falle des Scheiterns keinen Plan B gibt. (mz)