Fußballlehrer-Lizenz

Fußballlehrer-Lizenz: 9000 Euro und jede Menge Arbeit

Köln/sid - Die Meistertrainer von morgen werden im beschaulichen Hennef gemacht: Wenn die Absolventen des 59. Jahrgangs der Hennes-Weisweiler-Akademie am Mittwoch ihre Urkunden entgegennehmen, dürfen sie sich nicht nur Fußballlehrer nennen, sondern auch von der großen Karriere im Profifußball träumen. „Irgendwann landen sie wohl alle mal in der ersten, zweiten oder dritten Liga. Wenn die alten Trainer weggehen, ist es doch ganz logisch, dass unsere Absolventen nachrücken“, sagt Ausbildungsleiter Frank Wormuth. Jüngstes Paradebeispiel ist Frank Kramer, der zwar auch erst am Mittwoch offiziell die höchste Trainerlizenz erhält, seinen Job als Cheftrainer bei Bundesliga-Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth aber bereits vor gut zwei Wochen angetreten ...

Die Meistertrainer von morgen werden im beschaulichen Hennef gemacht: Wenn die Absolventen des 59. Jahrgangs der Hennes-Weisweiler-Akademie am Mittwoch ihre Urkunden entgegennehmen, dürfen sie sich nicht nur Fußballlehrer nennen, sondern auch von der großen Karriere im Profifußball träumen. „Irgendwann landen sie wohl alle mal in der ersten, zweiten oder dritten Liga. Wenn die alten Trainer weggehen, ist es doch ganz logisch, dass unsere Absolventen nachrücken“, sagt Ausbildungsleiter Frank Wormuth. Jüngstes Paradebeispiel ist Frank Kramer, der zwar auch erst am Mittwoch offiziell die höchste Trainerlizenz erhält, seinen Job als Cheftrainer bei Bundesliga-Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth aber bereits vor gut zwei Wochen angetreten hat.

Die Lizenz ist mittlerweile ohne wenn und aber Bedingung für ein Engagement im deutschen Profifußball. Ausnahmen sind nach jahrelangen Diskussionen nur noch 15 Werktage lang möglich. „Damit helfen wir den Vereinen und Managern ein bisschen, mehr Garantie auf Können zu erhalten“, sagt Wormuth. Motto: Nur wer einen echten Fußballlehrer engagiert, erhält Qualität. Der Weg zum Traumjob aber ist lang und kostet 9000 Euro Lehrgangsgebühren plus Nebenkosten wie Anreise und Unterkunft. Und nur wer die A-Lizenz hat, allerlei weitere Bedingungen erfüllt und diverse Nachweise vorlegen kann, darf überhaupt zur Zulassungsprüfung an die Akademie in Hennef kommen.

Drei Tage lang prüfen Wormuth sowie zwei weitere Fußballlehrer und zwei Psychologen die Bewerber auf Herz und Nieren. Schriftliche Prüfung, Lehrprobe und eine 20-minütge Fragerunde inklusive. „Da polarisieren wir auch schon mal und setzen die Bewerber unter Druck, um zu sehen, wie sie damit umgehen“, sagt Wormuth. 64 von 80 Bewerbern sind für die 24 Plätze des Ende Mai beginnenden Ausbildungsjahres 2013/2014 übrig geblieben. Reichlich Erfahrung als Profi ist übrigens kein Freifahrtschein für einen Platz an der Akademie.

Auch ein Mann mit über 400 Bundesligaspielen wird schon mal für ein weiteres Lehrjahr im Amateurbereich wieder nach Hause geschickt, wenn die Trainererfahrung fehlt. Wormuth will am Ende der zehnmonatigen Ausbildung keine 24 Freunde, sondern 24 gut ausgebildete Trainer. Dass der Weg dorthin nicht einfach ist, hat im vergangenen Jahr auch der ehemalige Nationalspieler Christian Wörns erlebt. „Wenn ein Ex-Spieler denkt, er wüsste schon alles, ist er auf dem Holzweg“, sagt er. Tausende Folien gebe es zu verstehen und lernen, die Ausbildung sei extrem breit gefächert und gebe erst den Feinschliff für angehende Toptrainer. Wörns ist mittlerweile Coach der U15 beim VfL Bochum und damit in einem der drei Einsatzbereiche für Fußballlehrer tätig: Profifußball, Leistungsfußball Jugend oder Verbandsbereich.

Auch der Umgang mit Instrumenten wie Videoanalyse oder Power-Point-Präsentationen ist heute selbstverständlich teil der Ausbildung - fällt aber vielen angehenden Trainern schwer. Zudem werden neben den Basisbereichen Fußballehre, Sportpsychologie, und Trainingswissenschaft immer wieder die äußeren Gegebenheiten des Trainerjobs berücksichtigt. Auf dem berüchtigten „heißen Stuhl“ etwa müssen die Kandidaten ihre Arbeit immer wieder selbst reflektieren oder sich von anderen analysieren lassen. Zudem hält Chefausbilder Wormuth seinen Absolventen bei der Arbeit ständig den Spiegel vor: „Das tut manchmal auch weh.“ Und gerade der hohe Praxisanteil der Ausbildung steht immer wieder auftauchende Forderungen nach Kurzlehrgängen oder Fernstudium entgegen. Aber wenn am Ende ein Job im Profifußball dabei rausspringt, hat sich die Mühe auch gelohnt.