Bemerkenswerter TV-Auftritt

Bemerkenswerter TV-Auftritt: Wie Rummenigge sich und den Fußball verteidigt

Mainz - Karl-Heinz Rummenigge guckte ein bisschen säuerlich. Kein einziger Treffer an der legendären Torwand im ZDF-Sportstudio, das war eine kleine Blamage für den früheren Weltklasse-Stürmer. Und auch in seiner Rolle als Funktionär und eine der größten Reizfiguren im deutschen Fußball lag der Bayern-Boss am Samstagabend ein ums andere Mal ...

Karl-Heinz Rummenigge guckte ein bisschen säuerlich. Kein einziger Treffer an der legendären Torwand im ZDF-Sportstudio, das war eine kleine Blamage für den früheren Weltklasse-Stürmer. Und auch in seiner Rolle als Funktionär und eine der größten Reizfiguren im deutschen Fußball lag der Bayern-Boss am Samstagabend ein ums andere Mal daneben.

Ob Katar-Reise, mögliche Impfprivilegien für Profis, oder die Sonderrolle für den Fußball - Rummenigge hatte zuletzt immer wieder für Gesprächsstoff gesorgt. Und so war er nun bemüht, seine Sicht der Dinge zu verteidigen. Fehler räumte Rummenigge nicht ein, stattdessen betonte er die angeblich anhaltende Demut im Profizirkus: „Wir sind überhaupt nicht arrogant, wir verlangen überhaupt keine Sonderbehandlung.“

Diese habe er auch beim Thema Impfen nicht eingefordert, betonte Rummenigge. Seine Aussage sei vielmehr „von einigen missverstanden worden“, sagte er, räumte aber ein: „Vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt.“ Also, was meinte er genau? Fußballer könnten für die Bundesbürger Vorbilder sein, wiederholte er, fügte aber diesmal an: „Wenn es irgendwann mal ausreichend Impfstoff gibt.“

Karl-Heinz Rummenigge: Corona „zehrt an den Nerven des Fußballs“

Denn: „Wir wollen uns da in keinster Weise vordrängeln.“ Sondern brav in die Reihe stellen. Es gehe ihm nicht darum, eigene Probleme zu lösen. Aber, und das war auch eine Erklärung für den inzwischen ausgeräumten Zwist zwischen Bayern-Trainer Hansi Flick und SPD-Politiker Karl Lauterbach, Corona zehre an den Nerven aller, „auch an den Nerven des Fußballs“.

Wie sehr, das führte der 65-Jährige gerne aus. „Wir sind alle kaputt, wir sind alle angespannt“, sagte Rummenigge und warb um Verständnis: „Man darf nicht den Fehler machen, alles auf die Goldwaage zu legen.“ Aber, nochmal, fehlt es nicht an Demut? „Die Bodenhaftung haben wir nicht verloren“, sagte Rummenigge: „Wir haben glücklicherweise sechs Titel gewonnen in Zeiten von Corona.“ Hm.

Beim Thema Europapokal-Reisen räumte er immerhin ein: „Dadurch entsteht leider der Eindruck, als habe der Fußball eine Sonderrolle.“ Schuld daran sei aber die UEFA, sagte Rummenigge und warnte vor einer „Neiddebatte. Mir wird das ein bisschen zu sehr in die Richtung interpretiert: Die sind privilegiert, die dürfen spielen.“

Beim Thema Katar kassiert Rummenigge einen Wirkungstreffer

DFB-Präsident Fritz Keller verwies in diesem Zusammenhang abermals darauf, dass die Spieler ja nur ihren Beruf ausübten. „Wir haben in diesem Land derzeit schon genügend Berufsverbote“, sagte er der Welt am Sonntag. Der Fußball sei „kein Superspreader“. Also: Weiter so!

Auch in Katar? Rummenigge erzählte zum wiederholten Mal, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel den FC Bayern und andere Unternehmen 2018 ermuntert habe, über Handelsbeziehungen in einen Dialog mit dem Wüstenstaat zu treten. Damit, sagte er, könne man viel mehr erreichen „als mit einer permanent kritischen Haltung“.

Und es habe sich ja auch schon so vieles zum Guten gewendet. Und wenn es hier und da mal etwas länger dauere, so liege das an der anderen Kultur. „Menschenrechtsverletzungen“, unterbrach ihn Moderator Jochen Breyer da, „sind keine Kultur.“ Ein Wirkungstreffer.

Rummenigge aber erholte sich schnell. Der Fußball, meinte er, würde zu sehr in eine Rolle gedrängt, der er gar nicht gerecht werden könne: „Der Fußball kann die Welt ein Stück verbessern - aber wir können nicht die ganze Welt verbessern.“ (sid)