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Fußball  Fußball : Boom im Burgenland

Von Thomas Schaarschmidt 01.08.2018, 08:22
Mit viel Freude am Sport und natürlich dem entsprechenden Ehrgeiz gehen Tausende Nachwuchsfußballer in der Region auf Torejagd.
Mit viel Freude am Sport und natürlich dem entsprechenden Ehrgeiz gehen Tausende Nachwuchsfußballer in der Region auf Torejagd. Archiv (Biel)

Naumburg/Halle - Weniger Mannschaften? Weniger Spieler? Auch Tobias Czäczine hat in den vergangenen Monaten die Nachrichten über den Mitglieder-Rückgang im organisierten Fußball gelesen. Allein, der Jugendausschuss-Vorsitzende des Kreisfachverbandes Fußball Burgenland (KFV) kann andere Zahlen präsentieren: Genau 131 Mannschaften werden in der Saison 2018/19 im südlichsten Kreisverband Sachsen-Anhalts an den Start gehen - neun mehr als im Vorjahr. Die Nachwuchsszene im Burgenland boomt.

Aus einem Team werden zwei

„Wir entwickeln uns gut und nachhaltig“, sagt Czäczine, „das ist eine Basis, auf der in den kommenden Jahren einiges entstehen kann.“ Die meisten Zuwächse gab es dabei vor allem im D- und F-Jugendbereich. Während in der D-Jugend in der kommenden Saison mit einer Kreisoberliga (die eine Doppelrunde absolviert) und zwei Kreisligen gespielt werden kann, werden die Fairplay-Spiele in der F-Jugend in gleich vier Staffeln absolviert.

Die Gründe hierfür hat man beim KFV Burgenland genau analysiert. „Bei den D-Jugendlichen hat es perspektivisch in einigen Mannschaften zu viele Kinder gegeben, so dass dort aus einem Team zwei geworden sind“, sagt Tobias Czäczine. In der F-Jugend wiederum sehe man nun den Effekt einer besonderen Regel der Fairplay-Ligen. „Durch die geringe Mannschaftsstärke von einem Torhüter und fünf Feldspielern sind auch kleinere Vereine in der Lage, ein Team zu stellen, einen Anfang hinzubekommen.“ So hätten diesmal Vereine gemeldet, die über Jahre keinen Nachwuchs zur Verfügung hatten. Die Annahme, damit das Problem nur auf einen späteren Jahrgang zu verschieben, in dem dann bei erhöhter Spieleranzahl Kinder und Jugendliche fehlen würden, sieht man beim KFV ganz anders. „Wenn man erst einmal eine Basis hat, kann man auf dieser in den Jahren danach Spieler hinzugewinnen oder einen Spielgemeinschaftspartner finden“, sagt Tobias Czäczine, „wenn du aber gar nichts hast, wird auch später daraus nichts entstehen.“

„Spielmoderator wichtig“

Doch die neuen Regeln der Fairplay-Liga, deren Akzeptanz allgemein gestiegen ist, beinhalten nach Ansicht des KFV Burgenland auch Elemente, über die es noch einmal nachzudenken gelte. „Insgesamt ist der Ansatz richtig, vor allem auch das kleine Spielfeld, das zu deutlich mehr Ballkontakten der Kinder führt. Zudem schafft die räumliche Trennung auf dem Platz von den Eltern für die Kinder mehr Raum für ihre persönliche Entwicklung“, sagt Tobias Czäczine.

Ein Kritikpunkt aber sei das den Kindern auferlegte eigene Entscheidungsverhalten, das Spielen ohne Schiedsrichter. „Wir spüren, dass man die Kinder nicht ganz allein lassen darf.“ Auch deshalb gebe es den „Spielmoderator“, der die jüngsten Kicker auf dem Feld unterstütze und dabei eher Partner als Schiedsrichter sei.

Überhaupt die Referees: Der Schiedsrichter-Ausschuss hat sich bemüht, der steigenden Spielanzahl mit einer vergrößerten Ausbildungsquote vor allem an jungen Schiedsrichtern nachzukommen. „Es freut mich, dass dadurch vor allem im C- und B-Jugend-Bereich viele neue Jung-Schiedsrichter angesetzt werden, welche hier wichtige Erfahrungen sammeln und sich für höhere Aufgaben empfehlen können“, sagt der Jugendausschuss-Vorsitzende.

Der ist im übrigen etwas traurig, dass man im Bereich der E-Jugend keine eigenständige Kreisoberliga, sondern nur drei Kreisliga-Staffeln etablieren konnte: Es gab einfach zu wenig Meldungen für eine übergeordnete Kreisoberliga. „Vielleicht aber kann man hier zukünftig über eine Modifikation des Spielsystems nachdenken, in dem am Anfang alle territorial spielen und dann in der zweiten Saisonhälfte die Teams noch einmal neu geordnet werden nach ihren bisherigen Ergebnissen.“

Dringenden Handlungsbedarf gibt es jedoch im Bereich der B-Jugend, wo es nur fünf Meldungen gab. „Für die B-Jugend befinden wir uns noch in Gesprächen mit dem KFV Saalekreis/SFV Halle für eine mögliche Kooperation“, sagt Tobias Czäczine. Es ist der einzige kleine Schönheitsfleck auf einer ansonsten positiven Entwicklung.