Boxer vor WM-Kampf Dominic Bösel vor WM-Kampf: Das sind die mögliche Gegner

Halle (Saale) - Ein Russe ist es - natürlich. Als Dominic Bösel seine Sparringsphase für den nächsten Kampf einläutete, da übernahm Sergej Grosdov aus St. Petersburg den Part des Gegners.
„Noch steht nicht zu 100 Prozent fest, gegen wen genau es im nächsten Kampf geht. Es gibt zwar einen heißen Kandidaten und die Gespräche sind auch schon fortgeschritten, aber perfekt ist eben noch nichts“, erklärte der Vater des Profibox-Europameisters, Bernd Bösel, die Zurückhaltung im gesamten Bösel-Lager.
Dominic Bösel vor WM-Fight: Gegner noch offen
Der Freyburger hat sich in der Vergangenheit als Trainer einen Namen gemacht, ist also vom Fach und deshalb dabei, als SES-Coach Dirk Dzemski mit seinem Sohn mal wieder in dem halleschen Gym für den nächsten Einsatz im bezahlten Sport trainiert. Dass es dann endlich um einen WM-Gürtel gehen wird, das scheint aber sicher.
Bevor sich der Halbschwergewichtler auf die speziellen Eigenheiten des Gegners wie Größe, Reichweite, Auslage oder besondere Stärken einstellen kann, liegt er mit der russischen Boxschule im Allgemeinen goldrichtig. Aus einer solchen nämlich wird sein nächster Prüfstein auf jeden Fall kommen.
Bei den vier größten Boxverbänden weltweit dominieren in der Klasse bis 79,378 Kilogramm tatsächlich Fighter aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. „Egal, welcher es am Ende wird, das sind alles Hochkaräter“, weiß Trainer Dzemski. „Die sind alle durch eine harte Mühle gegangen. Die Selektion bei denen ist extrem, das spricht schon allein für eine außergewöhnlich hohe Qualität.“ Der Beleg dafür:
WBC (World Boxing Council)
Hier heißt der Champion Olexandr Gvozdyk. Der Ukrainer hatte im Dezember 2018 Dauerweltmeister Adonis Stevenson aus Kanada auf die Intensivstation geschickt und im März dann bei seiner ersten Titelverteidigung den Franzosen Douduo Ngumbu geschlagen. In der WBC wird Bösel letzten Monat an dritter Stelle geführt. Gut möglich, dass er nach seinem jüngsten, noch nicht eingearbeiteten Sieg noch weiter nach oben klettert. „Gvozdyk ist kein Monster“, findet Dzemski. Also zu schlagen?
WBO (Word Boxing Organization)
In diesem Verband herrscht Sergej Kovalev. Der in Florida lebende Russe hatte sich im Rematch gegen den Kolumbianer Eleider Alvarez den Titel zurückgeholt. Allerdings verkündete der 36 Jahre Ex-Soldat anschließend, an einer Titelvereinigung interessiert zu sein. „Ein Klasseboxer ist das, keine Frage, aber er ist auch in die Jahre gekommen“, sagt Dzemski. Auch hier ist Bösel in den Top drei der Verfolger-Rangliste. Und mit der WBO kann sein Promoter Ulf Steinforth spätestens seit den erfolgreichen Robert-Stieglitz-Zeiten bekanntlich besonders gut.
WBA (World Boxing Assoziation)
Hier steht Bösel Ende April auf Position elf. Einige große Namen sind noch vor ihm. Allerdings gibt es Gerüchte, dass der russische Champion Dimitri Bivol seinen Titel niederlegen und ins Supermittelgewicht gehen will. Rückt Marcus Browne (USA) als erster Verfolger nun nach oder ist der Titel damit vakant? Dzemski: „Hier gibt es mehrere Optionen.“
IBF (International Boxing Federation)
Auch IBF-Champion Artur Beterbiev denkt über einen Gewichtsklassenwechsel nach. Den knallharten Puncher reizt das Cruisergewicht. Selbst wenn der Russe mit tschetschenischen Wurzeln bleibt, ist ein Duell mit Bösel unwahrscheinlich. Denn sein Stallgefährte Adam Deines gilt hier als aussichtsreicher Kandidat. Übrigens hat sich mit Enrico Kölling, den Bösel letztes Jahr schlug, schon einmal ein Deutscher an Beterbiev die Zähne ausgebissen.
Und, hat Dominic Bösel einen Wunschgegner? „Mir ist egal, gegen wen ich boxe“, sagt der 29-Jährige, der schon so lange auf seine WM-Chance lauert. „Die Hauptsache ist, ich kriege den Titelkampf.“
Nach seinem letzten Fight nahtlos weiterzutrainieren, sei ihm nicht schwergefallen. Durch Verletzungspausen und dem Trainerwechsel gäbe es viel zu tun. Bösel sagt aber auch: „Ich habe richtig Bock.“ Im Spätsommer soll sich das alles auszahlen. (mz)