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Pflicht vor WM-Kür Die Pflicht vor der WM-Kür: Dominic Bösel will in Halle EM-Titel gegen Italiener Orial Kolaj verteidigen

Von Petra Szag 10.04.2019, 05:00
Duell vorab mit den Augen: Dominic Bösel (l.) und Orial Kolaj
Duell vorab mit den Augen: Dominic Bösel (l.) und Orial Kolaj Holger John

Halle (Saale) - Die Verabredung für den nächsten Tag passte ins Bild. Das öffentliche Training für den SES-Profikampfabend nämlich ist dahin verlegt worden, wo man den Zug besteigen und in die große, weite Welt fahren kann. „Der Bahnhof“, so philosophiert Boxpromoter Ulf Steinforth am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Halle, „ist so etwas wie die Vorstufe zum Flughafen“.

Und mit seinen Sportlern wolle er schließlich auf große Reise gehen. Etwa mit Tom Schwarz, seine Schwergewichtshoffnung, die am 15. Juni im Las Vegas gegen den skandalumwitterten Briten Tyson Fury in den Ring klettert.

Am Samstag wird es nicht die glitzernde Spielermetropole sein, in der schon so viele spektakuläre Kämpfe ausgetragen worden sind. Dominic Bösel boxt gegen Orial Kolaj in Halle in der Erdgas-Arena. Für den SES-Halbschwergewichtler, den Steinforth als Lokomotive seines Boxstalls bezeichnet, ist die Titelverteidigung gegen den Italiener mit albanischen Wurzeln praktisch ein Heimspiel. Der Freyburger ist in der Chemiepokalstadt zur Sportschule gegangen, trainiert heute noch drei, viermal wöchentlich in der alten sportlichen Heimat. Deshalb also auch die öffentliche Übungseinheit an dem wohl öffentlichsten Ort in Halle.

Sieben Kämpfe stehen am Samstag in der halleschen Erdgas Arena auf dem Programm.

Neben Dominic Bösel, der im Halbschwergewicht gegen Orial Kolaj (Italien) seinen EM-Titel verteidigen will, bestreitet Nina Meinke gegen Helene Lascombe (Frankreich ) einen weiteren EM-Kampf.

Für SES boxen beispielsweise noch Tom Dzemski (Halbschwer/gegen Josef Jurko) und Peter Kadiru (Schwer/gegen Vincenzo Febbo).

Es gibt noch wenige Restkarten. Der MDR überträgt am Samstag ab 22.35 Uhr live aus der Erdgas Sportarena.

Gegner besitzt EU-Titel

Bösel freut sich auf seinen Arbeitseinsatz am Samstag in vertrauter Umgebung. „Ich boxe gerne da, wo ich zu Hause bin, mit den vielen Fans im Rücken ist das ein gutes Gefühl“, versichert der 29-Jährige. Unterfordert fühlt sich der Europameister nicht, obgleich sein Gegner dieser freiwilligen Titelverteidigung keinen großen Namen in der Szene hat. Immerhin besitzt Kolaj den EU-Titel. Der 35-Jährige gilt als Ehrgeizling, der niemals aufgibt. „Das wird schon eine Aufgabe, die mich fordert, das ist der nächste Schritt“, sagt Bösel.

In Richtung WM-Kampf? Natürlich träumt auch er davon. Am liebsten in einer der Hochburgen, in der immer wieder Boxgeschichte geschrieben wird. „Las Vegas, die MGM Grand Garden Arena - das ist der geilste Ort für einen Boxer“, sagt Bösel. „Ich freue mich für Tom, werde mit rüberfliegen, ihn dort unterstützen.“ Und schon mal das ganz besondere Flair aufnehmen.

Die Vorfreude auf das Erlebnis mit seinen Stallgefährten wirkt ungetrübt. Ebenso wie das Vertrauen in seinen Arbeitgeber. Auch er, davon ist Bösel überzeugt, wird seine Chance bekommen. Alles zu seiner Zeit.

Schmeling hatte einst EM-Titel

Darüber will Steinforth vor dem Kolaj-Kampf nicht reden. Man darf das Unglück schließlich nicht heraufbeschwören. Aber natürlich gibt es Pläne. „Fakt ist, wir sind als Europameister prädestiniert für eine WM-Chance, die wird kommen. Dominic ist in den Weltranglisten aller Verbände ganz weit vorne“, sagt der Promoter. „Der Sieg in dem Kampf jetzt ist das Entscheidende, daraus ergeben sich alle anderen Möglichkeiten.“ Steinforth verschweigt aber auch nicht, dass er einen WM-Titel am liebsten zu Hause feiern würde. Schon der EM-Titel ist für ihn etwas ganz Besonderes. Der Blick in die Historie verrät: Als erster Deutscher im Halbschwergewicht hatte sich kein Geringerer als Max Schmeling diesen Gürtel 1927 gesichert.

Auch Dirk Dzemski sieht seinen alten und neuen Schützling aktuell vor der richtigen Aufgabe: „Im Moment ist das okay, schließlich gab es ja zwischenzeitlich den Trainerwechsel.“ Einige Monate hatte Rainer Rauchfuß Bösel betreut. Vor sechs Wochen ist dieser zu Dzemski zurückgekehrt. „Die Kommunikation jetzt ist gut, alles verlief reibungslos“, sieht sich Bösel in guten Händen.

Beste Voraussetzungen also, um den Kolaj-Kampf zu gewinnen. Danach, so glaubt Dzemski, wird sich auch für Bösel eine neue, größere Aufgabe ergeben. Ein Vergleich mit Schwarz und seinem Sensationskampf verbietet sich für ihn aber. „Tom ist glücklich zu seiner Chance gekommen, die er natürlich auch nutzen muss.“ Bösel gehe einen ganz anderen Weg. „Er muss sich seine Chance hart erarbeiten.“ Der Samstag soll dazu beitragen. (mz)