Jens Härtel

FCM-Trainer Jens Härtel kündigt Entscheidung im Vertragspoker an

Magdeburg - Vor dem Spiel gegen die Reserve von Mainz 05 will der Trainer die eigene Personalie ausklammern. Eine Entscheidung in Sachen Vertragsverlängerung kündigt sich an.

Von Daniel George 03.03.2017, 14:45
Gehen sie künftig getrennte Wege? Jens Härtel und Mario Kallnik.
Gehen sie künftig getrennte Wege? Jens Härtel und Mario Kallnik. imago sportfotodienst

Die Maßnahme war ungewöhnlich. Aber aus Sicht des 1. FC Magdeburg notwendig. Fragen zur Zukunft von Trainer Jens Härtel wurden in der Pressekonferenz vor dem Heimspiel am Sonnabend gegen den FSV Mainz 05 II (14 Uhr) untersagt. „Wir bitten um Verständnis“, wandte sich Geschäftsstellenleiter Matthias Kahl an die Journalisten. Unruhe sollte vermieden werden.

Und Härtel? Der konzentrierte sich auf das Kerngeschäft gegen Mainz: „Wir müssen unser eigenes Spiel aufziehen und unsere Prinzipien auf den Platz bringen.“ Dabei hatte der FCM seine Prinzipien in der vergangenen Woche außerhalb des Grüns über Bord geworfen.

Geht das Erfolgsduo Härtel und Kallnik bald getrennte Wege?

Zumindest mutete es höchst ungewöhnlich an, dass sich die Verhandlungspartner öffentlich unter Druck setzen wollten. Was den FCM in den vergangenen Jahren – mit Härtel als Erfolgstrainer und Mario Kallnik als Erfolgsmanager – so stark gemacht hatte, war seine Seriosität. Die geht nun ein bisschen verloren im Hick-Hack um die mögliche Vertragsverlängerung des 47 Jahre alten Fußballlehrers.

Härtles Arbeitspapier beim Zweiten des Drittliga-Klassements läuft am Saisonende aus. Bis Ende Februar wollten sich die Parteien geeinigt haben. Das klappte nicht. „Der eine sieht es als finales Angebot, der andere als Gesprächsgrundlage, das ist ein bisschen das Problem“, sagte Härtel dem MDR und fordert damit indirekt Nachverhandlungen – was Kallnik (42) gegenüber der MZ ausschloss: „Wir sind an unsere Grenze gegangen, noch weiter zu gehen wäre jedoch unvernünftig.“ Heißt übersetzt: Es geht ums Geld. Oder um andere Inhalte wie die Vertragslaufzeit. „Kleinigkeiten“, meinte Härtel. Details wurden nicht bekannt.

Härtel: "Der FCM ist mehr als Jens Härtel"

Jens Härtel hat schon des Öfteren gesagt: „Der FCM ist mehr als einzelne Personen. Der FCM ist mehr als Jens Härtel.“ Nur Jens Härtel und der FCM, das passte in den vergangenen zweieinhalb Jahren so gut. Erst das Aufstiegsteam geformt, dann in Liga drei für Furore gesorgt – der gebürtige Sachse hat gute Argumente für eine Erhöhung seiner Bezüge. Schließlich winkt für den Klub aus der Landeshauptstadt sogar die zweite Liga.

Über Zahlen redet beim FCM niemand. Verständlich. Doch so könnte sich – das ist die Kehrseite – gerade das Bild von Härtel als Geldgeier prägen. Wer den Familienvater kennt, der weiß, dass es ihm um mehr geht als sein Portemonnaie. Es geht ihm um Entwicklungen - seine persönliche, die seiner Spieler, die seines Klubs. Den großen Ruhm, die Bundesliga als Bühne zur Selbstdarstellung braucht dieser Mann nicht, um glücklich zu sein.

Selbst der weltbeste Privatdetektiv hätte Probleme, Bilder von Härtel im feinen Zwirn zu ermitteln. Der Mann trägt Jeansjacke oder Trainingsanzug und keine Designeranzüge. Dem Mann ist seine Familie, die südlich von Potsdam lebt, wichtiger als alles andere. Deshalb glaubt man ihm auch, wenn er sagt, es gäbe keine dritte Partei, keinen anderen Verein, der für die Verzögerung bei den Verhandlungen mit dem FCM sorgt.

Härtel kündigt Entscheidung für nächste Woche an

Auf der anderen Seite steht Mario Kallnik. Der Manager befindet sich laut eigener Aussage im permanenten Austausch mit seinem Trainer. Von einem möglichen Zwist zwischen beiden möchte er nichts hören. Doch Kallnik ist auch ein geschickter Verhandlungspartner. Sein Credo gleicht dem von Härtel: Das Wohl des FCM darf nicht an dem Einzelner hängen. Verrückte Finanz-Aktionen um Angestellte zu halten, schließt Kallnik aus.

„Ich bin Trainer hier, das ist sicherlich keine ganz unwichtige Personalie, trotzdem sollten wir da ein paar Emotionen rausnehmen“, sagte Härtel nach der Pressekonferenz vor dem Mainz-Spiel gegenüber dem MDR. Alle weiteren Gespräche würden im Hintergrund geführt werden. „Ich verstehe nicht ganz, dass da so viel Hektik gemacht wird. Wir werden da schon eine Lösung finden.“

Da war sie wieder, die gewohnte Sachlichkeit, die Seriosität. Vielleicht bleiben die vergangenen Tage der öffentlichen Trainerdiskussion also nur eine kurze Episode unglücklicher Außendarstellung. Vielleicht aber auch nicht. In der nächsten Woche soll eine Entscheidung fallen.