DDR-Idol hat auch Schattenseiten

Als Trainer war Heinz Krügel ein Denkmal

Heinz Krügel (l.) und Stürmer Jürgen Sparwasser nach dem Europapokalsieg 1974. Foto: IMago/Horstmüller

Magdeburg - Er war der Vater des größten Triumphes eines DDR-Klubs. Als Trainer des 1. FC Magdeburg holte Heinz Krügel mit seinem Team im „Kuip“ von Rotterdam den Europapokal der Pokalsieger durch ein 2:0 gegen den AC Mailand mit dem damaligen Coach Giovanni Trapattoni - kein anderer DDR-Fußballver-ein schaffte Vergleichbares. Am Samstag würde der 2008 verstorbene Krügel seinen 100. Geburtstag begehen.

Wolfgang Seguin, einer der Torschützen im Finale, sagte: „Für mich war er der größte Clubtrainer der DDR. Wie er uns heiß gemacht hat, vergesse ich nicht“, berichtete der damalige Mittelfeldantreiber „Paule“ Seguin: „Er hat uns vorbereitet, als ob wir Weltklasse wären.“ Einer der Gründe für die Erfolge des 1. FCM in den 70-er Jahren unter Krügel mit drei Meistertiteln und zwei Pokalerfolgen - und dem Europacup-Triumph im Pokalsieger-Cup am 8. Mai 1974.

„Die Fußballwoche“ (Fuwo) zeigte danach auf ihrem Titelfoto einen lachenden Krügel, der von Jürgen Sparwasser umarmt wird. Jenen Mittelstürmer, der nur sechs Wochen später bei der WM 1974 in Hamburg zum Torschützen und zum lebenslangen Symbol des 1:0-Sieges der DDR über den späteren Weltmeister, die Bundesrepublik Deutschland, wurde.

Heinz Krügel stammt aus einem Ortsteil von Zwickau

Krügel stammt aus dem sächsischen Planitz, einem Ortsteil von Zwickau. Dort begann er mit dem Fußball - wie auch der spätere Dynamo-Dresden-Trainer Walter Fritzsch, der im November des Vorjahres 100 Jahre alt geworden wäre. 1948 gehörte Krügel zum Team der SG Planitz, die erster Ostzonenmeister wurde. Seine Karriere war schon mit 29 Jahren wegen einer Verletzung beendet.

Doch schon ein Jahr später kam er als jüngster Trainer bei Volkspolizei Vorwärts Leipzig in die DDR-Oberliga. Es folgten als Stationen Einheit Ost/Rotation Leipzig, Empor Rostock und der SC Chemie Halle, mit dem er 1962 FDGB-Pokalsieger wurde.

1966 zog er weiter zum 1. FCM, damals in der DDR-Liga. Ein Jahr später führte er die Blau-Weißen in die Erstklassigkeit zurück. Aus einer blutjungen Magdeburger Bezirksauswahl - seine Spieler kamen aus naheliegenden Orten wie Halberstadt (Sparwasser), Gommern (Martin Hoffmann) und Wegeleben (Jürgen Pommerenke) - formte Krügel ein Spitzenteam. Die Fans des aktuellen Drittligisten verehren den Titel-Trainer noch heute. Der Platz vor dem Stadion heißt Heinz-Krügel-Platz, eine Statue erinnert an ihn. In der Historie des Vereins hat Krügel eine Sonderstellung.

Heinz Krügel soll der Waffen-SS angehört haben

Doch es gibt in seiner Vergangenheit ein düsteres Kapitel aus der Nazizeit. Aus den Tagebüchern seines Freundes und späteren Trainer-Kollegen Fritzsch sowie einer 2014 veröffentlichten Dokumentation gibt es Hinweise, dass Krügel der berüchtigten Waffen-SS angehört hat. Beim FCM beschäftigt sich seit Jahresbeginn eine Arbeitsgruppe mit Recherchen zu Krügels Biografie. „Wir haben bei Behörden und Institutionen Einsichtnahme angemeldet. Derzeit gibt es noch keine konkreten Ergebnisse“, sagte Bernd Tiedge, der Leiter des Arbeitskreises Tradition.

Nach einem Bericht der Freien Presse hatte auch das DDR-Ministerium für Staatssicherheit 1960 Hinweise auf Krügels NS-Vergangenheit geprüft. Zu der Zeit war er Trainer der DDR-Nationalmannschaft, die er aber überraschend nur acht Spiele betreute.

Auch zu seinem Abschied vom 1. FCM 1976 gibt es Fragen. Genosse Krügel wollte sich nicht bedingungslos den Vorgaben der SED-Bezirksleitung unterwerfen. „Ich hatte gedacht, dass man das vorträgt, was verbessert werden musste“, sagte Krügel als Rentner. „Das Gegenteil war der Fall: Man nannte mich damals Ost-West-Versöhner. Ich würde Methoden von drüben einführen.“ Krügel durfte nicht mehr als Trainer arbeiten, wurde bei der BSG Motor Mitte Magdeburg Objektwart. Ein Idol blieb er allerdings damals und ist es bis heute. (dpa)