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Arbeitsmarkt Wirtschaftsflaute bremst Beschäftigung in Thüringen

Mehr Arbeitslose, weniger Jobs: Thüringens Arbeitsmarkt steht unter Druck. Welche Rolle spielen Zuwanderung und fehlende Qualifikation?

Von dpa 20.01.2026, 13:07
In Thüringen wird in diesem Jahr mit annähernd 70.700 Arbeitslosen gerechnet - einem Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zu 2025. (Archivbild)
In Thüringen wird in diesem Jahr mit annähernd 70.700 Arbeitslosen gerechnet - einem Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zu 2025. (Archivbild) Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Erfurt - Die Lage auf dem Thüringer Arbeitsmarkt bleibt auch in diesem Jahr angespannt. Aufgrund der lang anhaltenden Wirtschaftsflaute wird mit einer rückläufigen Beschäftigung und einer geringfügig steigenden Arbeitslosigkeit gerechnet, prognostizierte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens, in Erfurt. 

Gründe dafür seien neben der demografischen Entwicklung die schwache Konjunktur. Mit einem Anspringen der Wirtschaft werde spätestens im zweiten Halbjahr gerechnet. In diesem Jahr werden laut Behrens im Freistaat knapp 70.700 Arbeitslose sowie rund 776.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erwartet. Das sei bei den Erwerbslosen ein Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zu 2025 sowie bei der Beschäftigung ein Minus von 0,9 Prozent.

Jobberater bei Zalando in Erfurt

In der Prognose sei aber die überraschende Schließung des Erfurter Zalando-Logistikzentrums Ende September noch nicht berücksichtigt, so Behrens. Davon sind rund 3.000 Arbeitsplätze betroffen. Laut Behrens ist die Arbeitsagentur jetzt mit einem Büro und Beratern bei Zalando in Erfurt vor Ort. 

Es gehe zunächst darum, die Daten derer aufzunehmen, deren befristete Verträge vorher auslaufen, um ihnen entsprechende Angebote unterbreiten zu können, sagte Behrens. Die Vermittlung in neue Jobs werde aufgrund des niedrigen Qualifikationsniveaus und des hohen Anteils ausländischer Arbeitnehmer wahrscheinlich einige Zeit in Anspruch nehmen.

Fachkräfte bleiben der Schlüssel

Als Kernaufgabe sieht Behrens auch weiterhin die Qualifikation von Arbeitskräften. Derzeit suchten 84 Prozent der Stellenangebote qualifizierte Arbeitskräfte, aber nur 41 Prozent der Arbeitslosen suchten in Thüringen qualifizierte Jobs. Im vergangenen Jahr seien mehr als 8.000 Menschen im Freistaat weniger in Beschäftigung gewesen als 2024. 

Auf die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften könne künftig nicht verzichtet werden, betonte Behrens. Zudem würden die Unternehmen unter anderem aufgrund der hohen Lohnnebenkosten im internationalen Wettbewerb an Boden verlieren.