Brauchtum Wette um Grünkohl – Ist die Weser zugefroren?
Vor fast 200 Jahren schlossen Bremer Kaufleute eine Wette ab. Bis heute wird die Tradition gepflegt – trotz klaren Ausgangs.

Bremen - Es ist eine ungewöhnliche Wette: Ein als Schneider verkleideter Schauspieler prüft mit einem heißen Bügeleisen, ob die Weser in Bremen zugefroren ist. „De Werser geiht!“, stellte das Präsidium auch dieses Jahr wieder fest und die Wette gilt als verloren. „Es war einmal wieder viel Lärm um nichts.“
Hunderte verfolgen Wette
Die Weser ist schon lange nicht mehr zugefroren. „Seit 1947 ist sie es nicht mehr und wird es wohl auch nie wieder sein“, räumen die Veranstalter ein. Obwohl es nicht so richtig spannend ist, verfolgten wieder Hunderte Schaulustige bei Sonne und Temperaturen rund um den Gefrierpunkt das traditionelle Spektakel.
Nur kurz sorgte ein Rettungseinsatz für Unterbrechung: Ein Feuerwehrwagen bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmassen am Deich, ein Boot der Seenotretter drehte spontan ab. Die Einsatzkräfte retteten eine unbekleidete Frau aus dem Wasser. Sie brachten die stark unterkühlte 45-Jährige schließlich in ein Krankenhaus. Das Publikum applaudierte den Helferinnen und Helfern.
Skurrile Bremer Tradition
Das Präsidium der Eiswette, die Novizen und die Heiligen Drei Könige erwarteten den Schneider pünktlich um 12.00 Uhr am Osterdeich. Wie immer kam er zu spät und wird nach einem Schlagabtausch vor aller Augen gewogen. Wiegt der Schneider 99 Pfund - also nicht einmal 45 Kilo - ist er der richtige Mann.
Laut Statuten muss der Schneider die Weser trockenen Fußes und mit einem heißen Bügeleisen in der Hand überqueren. Schafft er es aus eigener Kraft, wäre die Wette gewonnen. Seit Jahrzehnten muss er dazu die Hilfe der Seenotretter in Anspruch nehmen und mit einem Boot den Fluss überwinden.
Wette um Grünkohl-Essen
Die Tradition geht auf das Jahr 1829 zurück. Damals schlossen 18 Bremer eine Wette ab: Friert die Weser Anfang Januar zu oder nicht? Der Wetteinsatz war ein gemeinsames Kohlessen. Seitdem wird die Wette bis auf wenige Ausnahmen jährlich zelebriert.
Der Wetteinsatz wird traditionell am 3. Samstag im Januar verspeist. Rund 800 Gäste sind zum Eiswettfest mit Kohl und Pinkel im Congress Centrum eingeladen. Dabei werden Spenden für die Seenotretter gesammelt.