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Tarifverhandlungen Warnstreiks an Schulen: „Die Kolleginnen sind kaputt“

Lehrkräfte aus Sachsen und andere Beschäftigte beim Land haben am Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt. Bald drohen bundesweit Warnstreiks.

Von dpa 21.01.2026, 12:56
Die Polizei geht von 1.000 Teilnehmenden aus.
Die Polizei geht von 1.000 Teilnehmenden aus. Jennifer Brückner/dpa

Leipzig - Im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst der Länder sind in Leipzig rund 1.000 Demonstrierende zusammenzukommen, um für mehr Lohn zu streiken. Das teilte die Polizei mit. Die Bildungsgewerkschaft GEW, der sächsische Lehrerverband sowie der Beamtenbund haben zu dem Warnstreik aufgerufen. Die GEW ging von rund 1.200 Teilnehmern aus. 

Neben den Lehrkräften versammelte sich auch die Gewerkschaft der Polizei sowie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Auch sie sind von den Verhandlungen betroffen. 

Mehr Druck für Verhandlungen im Februar 

Durch die Warnstreiks erhofft sich die GEW, mehr Druck auf die Verhandlungsrunde Mitte Februar aufzubauen, erklärte der Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen, Burkhard Naumann. „Am Freitag rollt die Streikwelle weiter nach Dresden, Anfang nächster Woche nach Südwestsachsen und Ostsachsen“, so Naumann.  

„Insgesamt sehen wir, dass die Aufgabendichte an Schulen und Hochschulen immer mehr zunimmt. Der Stress ist unglaublich hoch“, erklärt Naumann. Die Arbeitsbedingungen an den Schulen seien miserabel, Wertschätzung für die Arbeit fehle völlig. 

Auch Claudia Behrendt, Grundschullehrerin in Leipzig, teilt diese Bedenken. „Es wird immer schlechter von den Bedingungen“, erklärte Behrendt. Längst müssten Lehrer mehr leisten als das reine Unterrichten. Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf forderten immer mehr Aufmerksamkeit. Im Grunde habe sich vieles verschlechtert. „Die Kollegen sind alle kaputt“, erklärte Behrendt. Sie staune, dass viele ihre Kollegen die Arbeit weiterhin „super machen“. 

Weitere Unterrichtsausfälle erwartet

Mit der bundesweiten Streikankündigung droht in der nächsten Woche weiterer Unterrichtsausfall. „Streiks an Schulen bedeutet natürlich auch Unterrichtsausfall“, sagte Naumann. Eine Notbetreuung werde jedoch in jedem Fall eingerichtet. Insgesamt werde keine Schule schließen müssen. Verbeamtete Lehrer führen den Unterricht demnach regulär weiter. 

Warum streiken die Lehrkräfte?

Die Gewerkschaften fordern für die mehr als 920.000 Tarifbeschäftigten der Länder sieben Prozent mehr Einkommen - mindestens aber 300 Euro mehr. Der Tarifvertrag gilt nicht nur für Lehrer, sondern noch für viele andere Berufe. Bundesweit sind rund 2,2 Millionen Menschen betroffen. Auf rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte soll der Abschluss übertragen werden. Die abschließende Runde der Tarifverhandlungen ist vom 11. bis 13. Februar geplant. 

Arbeitgeberseite bereit, zentrale Forderungen zu erfüllen

Von Arbeitgeberseite wird die Streikausweitung kritisiert. Die Länder hätten Eckpunkte eines Einigungskorridors vorgelegt, sagte der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Andreas Dressel. Man sei bereit, zentrale Forderungen der Gewerkschaften zu erfüllen. Der Korridor umfasse unter anderem „eine mögliche Entgelterhöhung etwas über der Inflation in drei Schritten und drei Haushaltsjahren“.