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Verpackungsregelung Verpackungsregelung bei Stollen sorgt für Unmut in Sachsen

Die sächsischen Bäcker sind sauer. Ausgerechnet ihre bekannteste Süßigkeit soll unter die Verpackungsregel für Einweg-Waren fallen. Für Wirtschaftsminister Panter ist das wie ein Schildbürgerstreich.

Von dpa 30.08.2025, 13:22
Eine neue Verpackungsregelung für Christstollen sorgt in Sachsen für Unmut (Archivbild).
Eine neue Verpackungsregelung für Christstollen sorgt in Sachsen für Unmut (Archivbild). Kristin Schmidt/dpa

Dresden - Ist Christstollen ein To-Go-Produkt? Die neue Verpackungsregel für Stollen sorgt in Sachsen für Unmut. Das Umweltbundesamt hatte entschieden, dass der 750-Gramm-Stollen, der üblicherweise in einer Folie verpackt ist, unter das Einwegkunststoffgesetz fällt. Deshalb ist eine Abgabe fällig. Am Samstag reihte sich auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) in die Schar der Kritiker ein.

Regelung wirkt „wie ein moderner Schildbürgerstreich“

„Solche Regelungen versteht kein Mensch. Wer soll ernsthaft glauben, dass jemand einen 750-Gramm-Stollen im Winter direkt unterwegs verzehrt? Schon der Staubzucker macht das unmöglich“, erklärte Panter. Stollen als To-Go-Produkt einzustufen, wirke „wie ein moderner Schildbürgerstreich“ und sei genau die Art von unnötiger Bürokratie, die die Leute zu Recht aufrege.

Die sächsischen Stollenbäcker nun mit einer Abgabe für vermeintliche To-Go-Produkte zu belasten, ist laut Panter „praxisfern“. Es gebe schon genug Ärgernisse im Alltag der Betriebe, man dürfe ihnen nicht noch realitätsferne Hürden aufbürden. Natürlich sei es wichtig, die Umwelt zu schützen. „Aber dabei sollten wir den gesunden Menschenverstand im Blick behalten und keine Regeln schaffen, die an der Realität vorbeigehen.“

FDP: Kein Mensch isst Stollen unterwegs aus der Hand

Die FDP hatte die Regelung als „Bürokratie-Wahnsinn“ und als „Angriff“ auf das sächsische Handwerk bezeichnet. „Kein Mensch isst einen Dresdner Christstollen unterwegs aus der Hand. Diese Einstufung ist absurd und zeigt, wie weit sich die Bürokratie inzwischen von der Lebenswirklichkeit entfernt hat,“, erklärte FDP-Chef Matthias Schniebel. „Wer Stollen wie Fastfood behandelt, hat nichts verstanden – weder vom Handwerk noch von Kultur und Tradition in Sachsen.“

Nach den Worten der SPD-Landtagsabgeordneten Simone Lang sind Bäcker in den vergangenen Jahren ohnehin schon mit Preissteigerungen bei den Zutaten konfrontiert worden. Sie forderte das Umweltbundesamt auf, die Allgemeinverfügung zu überdenken und eine praxistaugliche Lösung zu finden.