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Forst Vergrämung von Wölfen in Südthüringen vorerst beendet

Im Herbst hatten sich die Wölfe einem Förster und einem Spaziergänger ungewöhnlich stark genähert. Luftgewehre mit Gummikugeln mussten allerdings nicht zum Einsatz kommen.

Von dpa 08.01.2026, 05:00
Der Vergrämungsversuch gegenüber Wölfen bei Neustadt am Rennsteig war der erste in der jüngeren Geschichte Thüringens.
Der Vergrämungsversuch gegenüber Wölfen bei Neustadt am Rennsteig war der erste in der jüngeren Geschichte Thüringens. Alexander Heinl/dpa

Erfurt - Der Versuch, Wölfe eines Rudels in der Region um Neustadt am Rennsteig, zu vergrämen, wird vorerst auf Eis gelegt. Die dafür nötige Ausnahmegenehmigung sei nicht verlängert worden und damit zum 31. Dezember ausgelaufen, sagte eine Sprecherin des Forstministeriums der Deutschen Presse-Agentur. „Eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung wurde bisher nicht beantragt, da aktuell kein Anlass mehr für Vergrämungsmaßnahmen gegeben ist.“ Sollte es nötig sein, könne eine neue Ausnahmegenehmigung beim dafür zuständigen Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz beantragt werden. 

Dieser sogenannte Vergrämungsversuch war der erste in der jüngeren Geschichte Thüringens. Im September hatten sich Wölfe in der Region in Südthüringen zunächst einem Förster und wenig später einem Spaziergänger bis auf eine ungewöhnlich kurze Distanz genähert. Daraufhin hatte der Thüringer Forst im Oktober eine Ausnahmegenehmigung bekommen, um eine Vergrämung der Tiere zu versuchen. Dabei sollte ihnen beigebracht werden, Distanz zu Menschen zu wahren. 

Luftdruckgewehre als Vorsichtsmaßnahme

Dafür hatte der Forst frei verkäufliche Luftdruckgewehre angeschafft, die Gummikugeln verschießen. Speziell geschulte Mitarbeiter des Forsts hätten demnach im Bereich der Forstämter Frauenwald und Neuhaus mit diesen Waffen auf die Tiere schießen sollen - wenn sie sich ihnen in einer für Wölfe untypischen Art nähern sollten. Eine gezielte Begegnung mit den Tieren sollte allerdings nicht provoziert werden, hieß es. Wölfe sind streng geschützt und dürfen bislang grundsätzlich nicht gejagt werden.

Eine solche Situation ist nach Angaben der Sprecherin des Ministeriums aber nie eingetreten, sodass im Zuge des Vergrämungsversuchs kein einziger Schuss auf die Tiere abgegeben worden sei. 

Vorerst keine weiteren Versuche geplant

Thüringens Forst- und Umweltminister Tilo Kummer (BSW) bewertete den Versuch dennoch positiv. „Die Vergrämungsmaßnahme war ein notwendiger Schritt, um Konflikte zwischen Menschen und Wölfen zu vermeiden und die Sicherheit in den betroffenen Gebieten zu gewährleisten“, sagte er. Dass dabei keine Gummikugeln auf die Tiere geschossen worden seien, zeige, dass die Situation in der Region nie eskaliert sei. „Sollte das Rudel wieder auffällig werden, haben wir nun ein Reaktionsmittel, das schnell eingesetzt werden kann, bis möglicherweise Änderungen im Bundesjagdgesetz bestehen.“ Vergrämungsversuche gegenüber anderen Wolfsrudeln in Thüringen sind nach Angaben des Forstministeriums derzeit nicht geplant.

Die Bundesregierung hatte im Dezember einen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit dem der Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen werden soll, sodass die Tiere unter bestimmten Bedingungen auch in Deutschland wieder gejagt werden könnten. Dieser Gesetzesentwurf muss allerdings erst noch im Bundestag beraten und dann dort verabschiedet werden.

In Thüringen wurde jüngst ein neues Revier ausgewiesen - damit gibt es nun sechs offizielle Wolfsterritorien. Das Kompetenzzentrum geht Schätzungen zufolge von 25 fest dort lebenden Wölfen aus.