Fußball-Bundesliga Unerwartetes Topspiel mit prickelndem Torwart-Duell
Bei der erstaunlichen Renaissance eines Spitzenspiels stehen Ex-Weltmeister Neuer und Nationaltorhüter Baumann im Blickpunkt. Nach zwei Frust-Erlebnissen gibt der Bayern-Kapitän ein Ziel vor.

München - Manuel Neuer schaltete vor dem persönlichen Rekordduell mit dem aktuellen Fußball-Nationaltorhüter Oliver Baumann und nach dem jüngsten Bayern-Frust in den Attacke-Modus. „Wir greifen wieder an, damit wir eine neue Siegesserie starten können“, sagte der 39 Jahre alte Münchner Kapitän.
Nach zwei sieglosen Bundesliga-Partien möchte der Rekordmeister zum Start in einen im Titelkampf vielleicht entscheidenden Monat unbedingt die erstaunliche Renaissance eines Spitzenspiels am Sonntag (17.30 Uhr/DAZN) gegen die TSG Hoffenheim gewinnen - zumal im eigenen Stadion.
Hoffenheim zum Start - und am Ende geht's zum BVB
Nach dem dicht gedrängten Januar mit sieben Spielen in 21 Tagen stehen im Februar nur fünf Partien für das Ensemble an. Doch wenn der Start in den Monat nach den jüngsten Enttäuschungen gegen Augsburg (1:2) und den HSV (2:2) missglückt, könnte der Februar doch ungemütlich werden.
Zum Abschluss steht nämlich am 28. Februar der deutsche Clásico bei Borussia Dortmund an. Nach dem jüngsten Bayern-Straucheln hat der BVB schon einmal vorsichtig seine Ambitionen anklingen lassen. Sechs Punkte beträgt der für die Münchner noch beruhigende Vorsprung.
Was passiert nach Goretzka und Gnabry?
„Wir haben immer gesagt, das ist ein verdammt komplizierter Wettbewerb“, sagte Sportvorstand Max Eberl. Die sportliche Leitung um ihn hat im Februar mit nur einer Englischen Woche durch das Pokal-Viertelfinale gegen Leipzig (11.2.) mehr Zeit für Personalentscheidungen als im eng getakteten Vormonat.
Der ablösefreie Abgang von Leon Goretzka im Sommer steht bereits fest, so wie die Vertragsverlängerung mit Nationalstürmer Gnabry bis zum 30. Juni 2028. Das Warten auf eine Entscheidung bei Abwehrspieler Dayot Upamecano geht weiter - und vielen im Verein und drumherum auf die Nerven. Weitere Verträge wie die von Neuer oder Raphaël Guerreiro laufen ebenfalls im WM-Sommer aus.
Keine Signale von Nagelsmann und Neuer
Neuers Zukunft ist gerade mit Blick auf die spektakuläre Variante einer Rückkehr ins DFB-Tor besonders spannend. Das direkte Duell des vor anderthalb Jahren aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Neuer mit Baumann könnte die Debatte über den besten WM-Torhüter weiter befeuern.
Die beiden Routiniers treffen übrigens zum 27. Mal in der Bundesliga aufeinander. Das ist eingestellter Rekord. Nur der Dortmunder Kultkeeper Eike Immel und HSV-Legende Uli Stein trafen sich ebenso oft.
Noch gab es weder von Bundestrainer Julian Nagelsmann noch von Neuer Signale für ein mögliches DFB-Comeback des bald 40 Jahre alten Weltmeisters von 2014. Doch durch die Operation von Marc-André ter Stegen und dessen monatelangen Ausfall stellt sich die Situation neu dar. Das Aufeinandertreffen von Schatten-Nummer-1 Neuer mit dem zur echten Nummer 1 aufgestiegenen Baumann ist ein Hingucker im Spitzenspiel.
Fünf Spiele, fünf Siege
Wie beim ersten Treffen im Dezember 2008, als das späte Münchner Siegtor von Luca Toni zum 2:1 die folgende Herbstmeisterschaft des Dorfclubs auch nicht verhindern konnte, oder in der Saison 2016/17 zählen die Kontrahenten wieder beide zu den Topteams der Liga. „Jedes Spiel für sich ist kompliziert“, sagte Bayern-Vorstand Eberl. Erst recht gegen das von Trainer Christian Ilzer und Geschäftsführer Andreas Schicker geformte TSG-Team, das sich im Januar mit fünf Siegen in fünf Spielen bemerkenswert in Schwung brachte.
Offensivkraft Andrej Kramarić, der mit acht Treffern so viele Bundesliga-Tore gegen den FC Bayern erzielte wie kein anderer aktueller Spieler, rief schon vor Wochen die Champions-League-Qualifikation als Ziel aus. Ob dabei der kolportierte Machtkampf in der Club-Führung stört? Mäzen Dietmar Hopp wehrte sich zuletzt gegen Berichte, wonach auch Schicker vor dem Absprung stehe. Innerhalb weniger Monate gingen vier Führungskräfte bei den Hoffenheimern.
Ist Kane einsatzbereit?
Sportlich weckt das Duell der besten Offensivreihen Hoffnungen auf ein Fußball-Spektakel. „Wir müssen weitermachen“, sagte Torjäger Harry Kane, der in dieser Woche krank aussetzen musste. „Die Saison ist noch lang, es gibt keinen Grund, nervös zu werden. Wir müssen uns einfach gut vorbereiten.“
Sollte Kane gegen Hoffenheim tatsächlich passen müssen, könnte Trainer Vincent Kompany dem senegalesischen Afrika-Cup-Gewinner Nicolas Jackson mal wieder eine Chance geben. Oder Gnabry läuft im Angriffszentrum auf.
„Wir werden genau das machen, was wir immer machen, wir werden auf dem Platz reagieren“, kündigte Kompany energisch an. Sein Team will eine immer noch komfortable Ausgangslage nach zwei schwierigeren Bundesliga-Spielen behaupten. „Grundsätzlich sind wir total im Soll“, bemerkte Neuer.