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Konjunktur Umfrage: Die fünf größten Bremsen für Sachsens Wirtschaft

Steigende Löhne, teure Energie, lähmende Bürokratie: Sachsens Firmen schlagen Alarm. Welche Dinge die Konjunktur im Freistaat nach Ansicht der Wirtschaft besonders bremsen.

Von dpa 04.02.2026, 16:36
Hohe Arbeitskosten und schwache Nachfrage belasten laut einer Umfrage von Sachsens Industrie- und Handelskammern die Wirtschaft. (Symbolbild)
Hohe Arbeitskosten und schwache Nachfrage belasten laut einer Umfrage von Sachsens Industrie- und Handelskammern die Wirtschaft. (Symbolbild) Jan Woitas/dpa

Dresden - Es herrscht Krisenstimmung in Sachsens Wirtschaft. Die Unternehmen klagen über eine schwache Konjunktur, schwierige Standortbedingungen und zu wenig Impulse aus der Politik. Die gemeinsame Konjunkturumfrage der sächsischen Industrie- und Handelskammern zeigt: Nur 14 Prozent der Firmen erwarten bessere Geschäfte, 26 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Der IHK-Geschäftsklimaindex steigt nur leicht auf 99 Punkte, ist aber aus Sicht der Kammern aber „kein Signal des Aufbruchs“. Beteiligt an der Umfrage haben sich 1.760 Betriebe aus Industrie, Bau, Handel, Dienstleistungen, Verkehr sowie Gast- und Tourismusgewerbe mit rund 82.000 Beschäftigten. 

Das sind der Befragung zufolge die fünf größten Bremsklötze für Sachsens Wirtschaft: 

1. Steigende Arbeitskosten sind meistgenannter Risikofaktor: 

Die Entwicklung der Arbeitskosten ist laut Befragung der aktuell meistgenannte Risikofaktor - besonders in Branchen wie dem Gast- und Tourismusgewerbe und dem Verkehrssektor. Der Leipziger IHK-Hauptgeschäftsführer Fabian Magerl sprach von Lohnnebenkosten, die sich zunehmend zum Standortnachteil entwickelten, und mahnte: „Jeder Cent Gehalt muss erwirtschaftet werden durch die Erträge. Und wenn die Erträge runtergehen und gleichzeitig aber die Löhne weiter steigen, hat das natürlich volkswirtschaftliche Auswirkungen.“ Die Mindestlohnerhöhungen verschärften den Kostendruck weiter. Nach Einschätzung der Kammern trifft das vor allem mittelständische Betriebe, die nach Jahren der Krise nur noch geringe Reserven haben.

2. Schlechtes Konsumklima und schwache Nachfrage drückt Erträge:

Die schwache Nachfrage im Inland stufen 58 Prozent der Unternehmen als eines der größten Risiken ein. Laut Umfrage melden 38 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge, nur 29 Prozent berichten von Zuwächsen; 45 Prozent sehen ihre Ertragslage verschlechtert. Magerl machte deutlich, wie eng die Sektoren zusammenhängen: Das Gastgewerbe könne nur dann gut laufen, „wenn es auch genügend Menschen gibt, die nicht jeden Cent zusammenhalten, weil sie Angst haben, dass ihr Arbeitgeber möglicherweise Arbeitsplätze abbauen muss“. Die Kammern sehen deshalb nicht nur Industriebetriebe, sondern auch Handel und Tourismus und Einzelhandel von einem verunsicherten Konsumklima ausgebremst. 

3. Bürokratie und komplizierte Verfahren bremsen Investitionen: 


Fast ebenso schwer wiegen aus Sicht der Firmen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: 57 Prozent nennen Bürokratie, Überregulierung sowie Steuer- und Energiepolitik als Risiko. Magerl kritisierte lange Genehmigungszeiten, hohe Prüfquoten und Dokumentationspflichten, bei denen „meistens die weißen Schafe dafür bestraft“ würden, dass es auch schwarze gebe. Der IHK-Chef fordert ein „Ende der Misstrauenskultur“: „Wenn wir weiterhin wirklich jede Stecknadel kontrollieren wollen, die auf der Ausgabenseite ist, dann wird das nicht funktionieren. Wir haben dafür schlichtweg nicht die Ressourcen.“ Der Dresdner IHK-Präsident Andreas Sperl fordert mit klaren Zuständigkeiten, durchgängigen Digitalprozessen und Genehmigungen „aus einer Hand“ - etwa bei Bauanträgen - eine Vereinfachung von Verfahren. So könnten Investitionen schneller umgesetzt werden.

4. Hohe Energiepreise und teure Transformation:

Die Energiepreise bleiben für viele Betriebe ein ernstes Problem. Die IHK spricht von „sehr hohem Level“, auf dem sich die Kosten eingependelt hätten. Laut Umfrage sehen 55 Prozent der sächsischen Unternehmen die Energiepreise als Risikofaktor. Das sind zwar weniger als in den Vorjahren. Doch besonders für energieintensive Branchen bleibe das eine Herausforderung, zumal sie gleichzeitig in klimafreundliche Technik investieren sollen. Der Chemnitzer IHK-Präsident Max Jankowsky schildert das Beispiel seiner eigenen Gießerei in Lößnitz (Erzgebirgskreis). Die Elektrifizierung des Betriebs, der aktuell mit Kohle arbeitet, beziffert er auf rund zwölf Millionen Euro. Das sei „verdammt viel Geld“, dass das Unternehmen angesichts sinkender Erträge und steigender Kosten nicht allein aufbringen könne. 

Auch Banken seien bei solchen Summen aktuell zurückhaltend. Eine Förderung scheitere wegen strenger Vorgaben, die aus Sicht des Gießerei-Chefs an der Praxis vorbeigingen – etwa beim Nachweis von 100 Prozent Grünstrom oder unrealistischen Fristen für den Bau eigener Windräder. Gleiches gilt nach Jankowskys Ansicht für den vom Bund in Aussicht gestellten Industriestrompreis: Die gerade in Sachsen zahlreich vertretenen kleinen Mittelständler würden kaum davon profitieren.

5. Unsicheres Investitionsklima bremst Zukunftsprojekte:

Die Investitionsbereitschaft bleibt laut Umfrage auf der Bremse: Nur 17 Prozent der Firmen planen höhere Budgets, 28 Prozent wollen kürzen. Dresdens IHK-Präsident Sperl zeigte sich besorgt über die Kombination aus verhaltener Investitionsbereitschaft und Personalplanungen, in denen eher Rückgänge als Aufwüchse erwartet werden. Fast jedes vierte Unternehmen erwartet der Befragung zufolge Stellenabbau. Jankowsky warb dafür, Investitionen steuerlich stärker zu begünstigen, etwa durch erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten, und warnte, ein Unternehmen, „das nicht investiert, hat eigentlich schon aufgegeben“. Ohne Reformen bei Steuern und Förderlogik, so die Kammern, drohten wichtige Zukunftsprojekte zu scheitern.