Dauerfrost Trotz Eiseskälte und Lebensgefahr: Kevin schläft im Freien
Es sind die Nächte, die für Obdachlose am gefährlichsten sind: Das eiskalte Wetter mit Dauerfrost bedeutet für sie Lebensgefahr. Dennoch schläft manch einer lieber im Freien als in Notunterkünften.

Hannover - Wieder rutschen Temperaturen im Norden ins Minus und werden zur Gefahr für Menschen ohne feste Unterkunft. In Hannover sitzt der Obdachlose Kevin am frühen Morgen um kurz nach sechs dick eingepackt in der Innenstadt. Der 37-Jährige hat die Nacht bei Eiseskälte im Freien verbracht, wie er einem dpa-Reporter erzählt.
„Diese kalten Nächte sind das Härteste“
Trotzdem lächelt er und fragt freundlich nach einer Spende. „Diese kalten Nächte sind das Härteste“, sagt er mit ruhiger Stimme eingehüllt in Jacken, Decken und inmitten von Schlafsäcken und Isomatten. Kevin wirkt gelassen, er sagt, er kenne das Leben auf der Straße seit 15 Jahren. Für die Kälte sei er daher gut ausgerüstet.
Im ganzen Land war es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in den vergangenen Nächten frostig kalt. In Hannover soll die Temperatur auch in der kommenden Nacht auf bis zu minus vier Grad sinken, wie ein Meteorologe ankündigt. Mildere Temperaturen seien bislang nicht abzusehen. Vor allem nachts sei weiterhin mit leichtem Frost zu rechnen, sagt der Wetterexperte.
Einige Obdachlose nicht gut gerüstet
An diesem Morgen sind in der Innenstadt mehrere Obdachlose zu sehen, die die Nacht im Freien verbringen. Nicht alle sind so gut ausgerüstet wie Kevin. Manch einer hat sogar nur eine dünne Decke. Dabei gibt es Angebote für Betroffene. Die Stadt bittet wohnungslose Menschen, die Notschlafstellen und die Anlaufstellen der sozialen Träger in Hannover aufzusuchen, um Schutz vor der Kälte zu suchen. Bei diesen niedrigen Temperaturen seien mehrere Notschlafstellen durchgehend geöffnet, sagt eine Sprecherin auf Anfrage.
In solchen Notunterkünften oder anderen Orten, wo sich Obdachlose aufhalten, befürchtet Kevin aber Gewalt und Diebstahl, wie er sagt. Eine Wohnung zu finden, sei für ihn „zu schwierig“. Also schläft er draußen.
Obdachloser möchte wieder mehr gesehen werden
Der 37-Jährige wünscht sich, mehr gesehen zu werden und wieder mehr Spenden zu bekommen. „Viele haben kein Bargeld mehr dabei, zahlen nur noch mit Karte. So bleibt für uns oft nichts mehr übrig“, sagt Kevin. Es passt irgendwie zu seinen Schilderungen, dass der vor einer geschlossenen Sparkassen-Filiale sitzt.
Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi (SPD) hatte erst vor wenigen Tagen dazu aufgerufen, Obdachlose nicht zu übersehen. „Die letzten Wintertage waren eine große Herausforderung, insbesondere für obdachlose und ältere Menschen“, sagte der SPD-Politiker Anfang Januar.
Vor allem bei winterlichen Temperaturen wie in diesen Tagen appellierte Philippi: „Sprechen Sie also Menschen, die in der Kälte sitzen oder liegen, an – gehen Sie nicht einfach vorbei“. Dies könne im Zweifel Leben retten.