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Informationstechnologien Thüringer IT-Firmen wollen mehr öffentliche Aufträge

Die Digitalisierung von Verwaltungen, Unternehmen, aber auch des Alltags vieler Menschen nimmt zu. Davon profitieren auch IT-Firmen im Freistaat, die eine klare Erwartung an die Politik haben.

Von dpa Aktualisiert: 15.01.2026, 16:58
Viele Thüringer IT-Firmen sehen ihre Geschäftslage positiv. (Symbolbild)
Viele Thüringer IT-Firmen sehen ihre Geschäftslage positiv. (Symbolbild) Sebastian Gollnow/dpa

Erfurt - Mehr als die Hälfte der Informationstechnik-Firmen im Freistaat bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut. 30 Prozent der Firmen sehen sich in einer eher schwierigen wirtschaftlichen Situation, geht aus einer Umfrage der Interessengemeinschaft ITnet Thüringen hervor. „Die Ergebnisse zeigen überwiegend Zuversicht“, erklärte die Vereinigung. ITnet-Chef Heiko Kahl sprach von einer stabilen Branche trotz vieler Unsicherheiten. 

IT-Firmen sind in der Regel auf Software sowie Dienstleistungen und Lösungen rund um digitale Technik spezialisiert. Viele profitieren damit vom Trend zur Digitalisierung von Verwaltungen, Unternehmen und Alltag. Zur Thüringer IT-Wirtschaft gehören nach den Angaben etwa 1.000 Firmen mit etwa 21.000 Beschäftigen. Im ITnet seien etwa 80 Unternehmen zusammengeschlossen. 

Verband will mehr Regionalität 

Kahl forderte, bei öffentlichen Ausschreibungs- und Vergabeverfahren mehr Regionalität zu ermöglichen und nutzerfreundliche Verwaltungsportale auszubauen. Eine Möglichkeit, Thüringer Unternehmen stärker von öffentlichen Ausschreibungen durch Behörden in Thüringen profitieren zu lassen, könnte sein, die Grenzwerte für freihändige Vergaben zu verändern. 

Während etwa in Baden-Württemberg Aufträge bis zu einem Volumen von 220.000 Euro auch ohne Ausschreibungen an regionale Unternehmen vergeben werden könnten, sei das in Thüringen nur bis zu einer Höhe von wenigen zehntausend Euro erlaubt. Bisher spielten öffentliche Auftraggeber für viele Thüringer IT-Unternehmen zwar eine Rolle, für viele aber keine große. Ein Drittel der Befragten arbeite nicht oder nur in geringem Umfang mit öffentlichen Auftraggebern, teilte ITnet mit. 

Etwa 14 Prozent der befragten Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit einem leichten Rückgang bei ihren Geschäften, etwa 5 Prozent von ihnen mit deutlichen Einbußen. Wie andere Branchen leide der IT-Bereich unter Bürokratie. Fast 60 Prozent der Antwortenden nannten Bürokratie und Regulierung als derzeit größte Herausforderung. Der Fachkräftemangel sowie schwierige Wettbewerbsbedingungen wurden von jeweils knapp 40 Prozent als Problem genannt. Energie- und Standortkosten spielten eine geringere Rolle. 

Nur noch spezialisierte Entwickler gefragt 

„Die Mehrheit der Unternehmen sieht derzeit keinen deutlichen Einfluss der neuen Thüringer Landesregierung auf die Rahmenbedingungen für ihren Unternehmensalltag“, erklärte die Interessenvertretung. 

Kahl sagte, der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) führe dazu, dass sich die Anforderungen an Menschen änderten, die in der IT-Branche arbeiten wollten. Noch vor einigen Jahren hätten die in dem Verband zusammengeschlossenen Unternehmen händeringend Entwickler gesucht. „Das hat sich geändert.“ Der Arbeitsmarkt verändere sich - es würden keine einfachen Entwickler mehr gesucht. Gebraucht würden spezialisierte Fachkräfte, die mit Hilfe von KI Software entwickeln könnten.