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Bewegung Rope Skipping: Diese Sprünge bringen Kinder an ihre Grenzen

Die Seile wirbeln im Sekundentakt: Rope Skipping ist mehr als simples Seilspringen. Trainer Gerd Mörl begeistert im Spreewald seit über 30 Jahren Kinder dafür.

Von Anja Sokolow, dpa 02.01.2026, 05:00
Gerd Mörl hat den Sport vor mehr als 30 Jahren in den Spreewald geholt.
Gerd Mörl hat den Sport vor mehr als 30 Jahren in den Spreewald geholt. Patrick Pleul/dpa

Straupitz - Ein Sprung, mehrere Durchschläge: Die Seile fliegen so schnell, dass man kaum mitzählen kann. In der Sporthalle der Grundschule Straupitz im Spreewald herrscht Hochbetrieb. Etwa 30 Kinder und Jugendliche trainieren Rope Skipping – Seilspringen auf einem hohen Level. Die Sportler üben Tricks, komplexe Schrittfolgen, akrobatische Elemente und Mehrfachdurchschläge. Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit sind gefragt.

„Was man mit einem Seil machen kann, ist sagenhaft. Es gibt nie ein Ende. Unser bester Junge geht viermal durch das Seil, bevor er wieder landet“, schwärmt Trainer Gerd Mörl und hilft dann einem Mädchen-Trio, sich und die Seile zu koordinieren. Ein anderer Junge hingegen, ein Erstklässler, übt noch ganz geduldig einen ganz einfachen Grundsprung. Er ist erst seit Kurzem dabei.

Wochen, bis ein Sprung sitzt

Der Sport erfordert viel Übung, manchmal dauert es Wochen, bis ein neuer Sprung sitzt. Mörl weiß das aus Erfahrung: Der 78-Jährige brachte Rope Skipping vor mehr als 30 Jahren nach Straupitz. „Wir waren die erste Gruppe in den neuen Bundesländern“, erzählt er. Alles begann 1990 beim ersten gesamtdeutschen Turnfest in Dortmund und Bochum, wo ihn Rope Skipper aus den USA begeisterten.

Auch heute gibt Mörl seine Leidenschaft weiter. Die 11-jährige Emma und ihr Bruder Fritz (7) gehören zu den Kindern, die an diesem Nachmittag mittrainieren. „Es macht einfach viel Spaß, es gibt so unendlich viele Übungen“, erzählt Emma am Rande des Trainings. „Fritz wurde gerade Schulmeister beim Adventsspringen und ist ganz stolz darauf“, berichtet seine Mutter Caroline Hebler. Es sei toll zu beobachten, wie die Kinder an diesem Sport über sich hinauswachsen. Emily (11) mag besonders die Auftritte: „Dann ist man mal der Star“, sagt die Schülerin. 

In Brandenburg trainieren Rope-Skipper auch in Beelitz (Potsdam-Mittelmak) und Brandenburg/Havel - und dort auf Wettkampfniveau. „Wir haben uns aber aus dem Wettkampfsport zurückgezogen, wir sind nur eine kleine Grundschule“, sagt Mörl. Die Gruppe bestehe aus rund 60 Kindern, von denen einige schon erwachsen sind. „Viele, die die Grundschule verlassen, machen bei uns weiter. Der Älteste ist 33, die anderen älteren sind 24, 25 Jahre alt. Sie nehmen auch immer noch an Auftritten teil“, so der Rentner, der noch immer auch als Vertretungslehrer Sport an der Schule unterrichtet. 

Die Auftritte führen die Rope Skipper durch ganz Deutschland und darüber hinaus. „Wir waren auch schon in Österreich, da sind wir bei einer Weiterbildung von einigen Hundert Sportlehrern aufgetreten“, so Mörl. Über 500 Auftritte haben die Seilspringer aus Straupitz bereits absolviert, auch in Dänemark und Polen. Zu den schönsten Erlebnissen zählt Mörl einen Auftritt im Stadion des 1. FC Energie Cottbus vor 15.000 Fans. 

Ehemaliger Zehnkämpfer ist lieber bei Kindern als auf Rentnertreffen

Rope Skipping ist mehr als Sprünge: „Die Kinder müssen auch Handstand, Rad und Überschläge können, um das mit dem Seil zu kombinieren“, erklärt er. Schuldirektorin Susanne Pommer lobt den Sport: „Er fördert Koordination, Ausdauer, kognitive Fähigkeiten und Sozialkompetenz. Oft springen die Kinder zu zweit oder zu dritt – da ist Teamarbeit gefragt.“

Mörl selbst war in der DDR Leichtathlet. „Ich habe Zehnkampf und Stabhochsprung gemacht“, erinnert er sich. Seit zwölf Jahren könnte er sich eigentlich ganz auf sein Rentnerdasein konzentrieren. „Meine Frau geht zu Rentnerfeiern. Ich gehe da nie hin, da wird nur über Krankheiten gesprochen“, erzählt er schmunzelnd. „Ich bin lieber bei den Kindern“, so der Trainer. 

Für Pommer ist er eine „wichtige Institution“. „Er hat ganz, ganz viele Kinder sportlich begleitet. Viele zehren heute noch davon. Sport - das ist einfach sein Leben“, sagt die Schuldirektorin. Sein Engagement wurde im Sommer gewürdigt: Als einer von 15 engagierten Bürgern wurde Gerd Mörl im Juni mit der Medaille des Landtages Brandenburg für seine Verdienste um das Gemeinwesen ausgezeichnet. 

Rope Skipping ist in ganz Deutschland verbreitet. Auf den Seiten des Deutschen Turner-Bundes sind rund 120 Vereine aufgelistet. Die meisten befinden sich in den alten Bundesländern.