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Anschlag auf eine Klinik Prozess um Pläne für Terroranschlag - „Wie eine Fantasie“

Ein Onkel und sein Neffe sollen eine Bluttat in Bremerhaven geplant haben. Vor Gericht schildert ein Angeklagte, wie die Idee entstand – und warum der Versuch scheiterte.

Von dpa Aktualisiert: 23.02.2026, 13:52
Einer der Angeklagten legte ein Geständnis ab.
Einer der Angeklagten legte ein Geständnis ab. Focke Strangmann/dpa

Bremen/Bremerhaven - Ein junger Mann hat gestanden, mit seinem Onkel einen Anschlag mit einer Sprengstoffweste vorbereitet zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, einen islamistischen Anschlag auf ein Bremerhavener Krankenhaus geplant zu haben. „Ich bereue zutiefst, mich auf diese Pläne eingelassen zu haben“, hieß es in einer Erklärung des 20-Jährigen zu Prozessbeginn am Landgericht Bremen. Der 35 Jahre alte Onkel schwieg zu den Vorwürfen. 

Anschlag mit Sprengstoffweste?

Laut Anklage konkretisierten die beiden Deutschen ihre Pläne im vergangenen Sommer. Der 20-Jährige sollte demnach mit einer selbst gebastelten Sprengstoffweste und weiteren schusssicheren Westen eine Klinik betreten, um eine große Zahl argloser Menschen und sich selbst zu töten.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Männer die Sprengstoffweste bei der Mutter des 35-jährigen Angeklagten bauen wollten. Die Anleitung dazu sollen sie beim Al-Saqri-Institut für Militär gefunden haben, das der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeordnet wird. 

Nach Angaben der Ermittler soll die Frau Anfang August drei Stoffe bestellt haben: Magnesiumsulfat, Calciumnitrat und Salzsäure. Gegen sie läuft ein eigenes Verfahren. Für weitere Materialien soll das Geld gefehlt haben. Dann durchkreuzten Beamte die Pläne: Sie stießen im Rahmen anderer Ermittlungen auf verdächtige Chats zwischen den beiden Männern und nahmen sie fest. Beide sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Angeklagter: 

Vor Gericht räumte der jüngere Angeklagte ein, in Chats und in Gesprächen mit seinem Onkel den Anschlag geplant zu haben. „Das war für mich wie ein Spiel, wie eine Fantasie“, hieß es in der Erklärung des 20-Jährigen. „Ich habe persönlich nur meine Meinung gesagt, was ich mit solchen Menschen tun würde.“ Wen er damit meinte, sagte der Angeklagte nicht.

Seit der Grundschule leide er unter Selbstmord-Gedanken, sagte der junge Mann, der nach eigenen Angaben Autist ist und einen Schwerbehindertenausweis hat. Als er im Alter von 13 oder 14 Jahren zum ersten Mal Enthauptungsvideos des IS sah, seien Zwangsgedanken dazugekommen. „Ich wollte immer wissen, wie es sich anfühlt, einen Menschen umzubringen.“

Welche Rolle spielte der Onkel?

Seine Mutter und Therapeuten hätten ihn nicht verstanden, sagte der Bremerhavener. Nur gegenüber seinem Onkel habe er sich öffnen können, gemeinsam lasen sie den Koran. Der 35-Jährige habe ihm dabei die Idee eines Anschlags unterbreitet - auf ein Krankenhaus oder bei einer öffentlichen Veranstaltung. „Auch von einer Synagoge war die Rede“, hieß es in der Einlassung weiter.

Der Onkel habe eine Anleitung für eine Sprengstoffweste organisiert und mit Materialien experimentiert, sagte sein Neffe. Er selbst habe dabei assistiert, doch ein erster Test in einer Feuertonne sei missglückt. 

Über die Folgen eines Anschlags habe er sich keine Gedanken gemacht. „Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht“, sagte der 20-Jährige. „Ich kann mich bei allen nur entschuldigen.“ 

Wie es in dem Verfahren weitergeht

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem Verabredung zum Mord und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Bei einer Verurteilung drohen den Männern bis zu 15 Jahre Haft. Bei dem jüngeren Angeklagten wäre auch eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht denkbar, dann müsste er höchstens zehn Jahre ins Gefängnis.

Das Gericht setzte 15 Verhandlungstage an, ein Urteil könnte Anfang Juni verkündet werden.