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Antisemitismus-Zahlen Politiker fordern entschlossenes Vorgehen gegen Judenhass

Antisemitische Straftaten sind in Brandenburg kein Randphänomen, mahnen Politiker. Nach wie vor liegt die Zahl der Straftaten weit über dem Niveau von 2022 - der Zeit vor dem Gaza-Krieg.

Von dpa 02.03.2026, 17:14
Straftaten gegen Jüdinnen und Juden dürfen aus Sicht des Beauftragten gegen Antisemitismus nicht als Randphänomen gesehen werden. (Symbolbild)
Straftaten gegen Jüdinnen und Juden dürfen aus Sicht des Beauftragten gegen Antisemitismus nicht als Randphänomen gesehen werden. (Symbolbild) Daniel Reinhardt/dpa

Potsdam - Neue Zahlen zu antisemitischen Straftaten in Brandenburg zeigen aus Sicht des Antisemitismus-Beauftragten eine besorgniserregende Entwicklung. 2025 erfasste die Polizei 243 Straftaten gegen Juden sowie 19 politisch motivierte Straftaten gegen jüdische Einrichtungen. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Noack hervor. 

Büttner: Kein Randphänomen 

Der Beauftragte gegen Antisemitismus, Andreas Büttner, sagte: „Antisemitismus ist kein Randphänomen und kein Relikt der Vergangenheit. Er zeigt sich heute offen, aggressiv und zunehmend enthemmt.“ Auf dem Grundstück des Beauftragten selbst war im Januar in Templin (Uckermark) ein Brandanschlag verübt und ein Symbol der palästinensische Terrororganisation Hamas angebracht worden. 

Deutlicher Anstieg der Zahlen 2023 zu beobachten 

Zur Einordnung der Zahlen: Die Straftaten gegen Jüdinnen und Juden und gegen jüdische Einrichtungen nahmen etwa von 2022 auf 2023 deutlich zu. Im Oktober 2023 hatten islamistische Terroristen und die Hamas Israel überfallen, es kam zum Gaza-Krieg. 

2024 verzeichnete die Kriminalstatistik insgesamt 276 Straftaten gegen Juden sowie jüdische Einrichtungen in Brandenburg - also etwas mehr als 2025, wie aus Zahlen hervorgeht, die das Innenministerium im März 2025 veröffentlichte. Die Zahl teilt sich demnach auf in 20 Straftaten gegen jüdische Einrichtungen und 256 weitere antisemitische Vorfälle. Das sind etwa Delikte wie Beleidigung und Bedrohung, Propagandadelikte und Körperverletzung. 

Die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg hatte im vergangenen Jahr insgesamt 484 antisemitische Vorfälle dokumentiert - ein Zuwachs von 28,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das umfasst etwa auch Vorfälle unterhalb der strafrechtlichen Relevanz. 

Verstärkte Präventionsarbeit in Schulen gefordert 

Noack und Büttner fordern ein entschlossenes Handeln gegen Antisemitismus. „Straftaten in diesem Phänomenbereich bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Dies bedeutet eine konsequente Strafverfolgung, eine klare Benennung antisemitischer Tatmotive, eine ausreichende personelle Ausstattung der Sicherheitsbehörden sowie eine enge Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Initiativen“, schrieben sie. Zudem sei eine verstärkte Präventionsarbeit an Schulen und in der politischen Bildung nötig. 

Antisemitismus verbreite sich zunehmend über soziale Netzwerke. „Antisemitismus beginnt nicht erst mit der Straftat. Er beginnt mit Worten, mit Ressentiments, mit Ausgrenzung. Deshalb muss auch dort entschieden widersprochen werden“, hieß es.