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Extremismus Mehr Extremisten steigen aus – Zahl der Fälle verdoppelt

Ohne enge Begleitung gelingt der Ausstieg aus einer radikalen Szene meist nicht. In Sachsen sieht sich ein entsprechendes Aussteigerprogramm mit einer wachsenden Zahl von Anfragen konfrontiert.

Von dpa 23.02.2026, 12:03
Das sächsische Aussteigerprogramm für Extremisten hat 2025 auch 15 Rechtsextreme aufgenommen (Symbolbild).
Das sächsische Aussteigerprogramm für Extremisten hat 2025 auch 15 Rechtsextreme aufgenommen (Symbolbild). picture alliance / dpa

Dresden - Das sächsische Aussteigerprogramm für Extremisten hat im vergangenen Jahr 18 Betroffene begleitet. 15 davon waren Rechtsextreme, in zwei Fällen ging es um einen Ausstieg aus der linksextremen Szene und in einem Fall um Islamismus. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Juliane Nagel (Linke) im Landtag hervor. „Der Bedarf hat sich gegenüber den Vorjahren verdoppelt, 2023 und 2024 waren jeweils neun neue Ausstiegsfälle in das Programm aufgenommen worden.“

Auch Angehörige und Freunde Betroffener bitte um Hilfe 

Seit 2021 habe das Programm insgesamt 52 Personen beraten, die ihrer Szene den Rücken kehren wollten, davon 40 aus dem rechtsextremen Umfeld, sagte Nagel. Dazu kamen 87 Fälle, in denen Angehörige und das Umfeld um Hilfe baten. Unterstützung leistete das Programm außerdem in 78 Fällen für Fachkräfte und Institutionen - etwa für Vereine, Schulen und Unternehmen.

Einzelberatung für junge Menschen aus der Neonazi-Szene 

Für junge Menschen aus der Neonazi-Szene gibt es neuerdings eine Einzelberatung. „Ziel des Angebots ist es, Radikalisierungsprozesse zu unterbrechen oder zu verhindern, den jungen Menschen eine Distanzierung von neonazistischen Haltungen, Verhaltensweisen und Szenen zu ermöglichen sowie gewalt- und straffreie Verhaltensweisen, Impulskontrolle und Diskursfähigkeit zu erarbeiten. Dabei sollen Perspektiven und soziale Kontakte außerhalb der Szene gefördert werden“, teilte das Innenministerium mit.

„Auch wenn mich persönlich nicht jede der gelegentlich öffentlich dargestellten Aussteiger-Geschichten überzeugt: Man sollte froh sein über jeden, der raus ist“, erklärte Nagel. Jeder, der die extreme Rechte wirklich hinter sich lasse, schwäche diese Szene. Das Aussteigerprogramm funktioniere.