1. MZ.de
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Urlaubsregion Spreewald: Lübben schließt Tourist-Info - Unsicherheit vor Saisonstart?

Urlaubsregion Spreewald Lübben schließt Tourist-Info - Unsicherheit vor Saisonstart?

Die Spreewald-Stadt Lübben muss sparen und hat ihre Touristen-Information geschlossen. Es läuft ein Insolvenzverfahren. Was heißt das für das touristische Angebot?

Von dpa 20.01.2026, 12:24
Die Stadt Lübben liegt mitten in der Urlaubsregion des Spreewalds mit vielen Wasserwegen und kleinen Häfen. (Archivbild)
Die Stadt Lübben liegt mitten in der Urlaubsregion des Spreewalds mit vielen Wasserwegen und kleinen Häfen. (Archivbild) Patrick Pleul/dpa

Lübben - In wenigen Monaten, wenn der Frühling da ist, startet die Tourismussaison. Die Stadt Lübben im Spreewald, der für Kahn- und Paddeltouren bekannt ist, dürfte auch mit Ernüchterung auf die bevorstehende Ausflugs- und Urlaubszeit schauen. Die Touristen-Information in dem Erholungsort mit rund 14.000 Einwohnern bleibt zu. 

Wie die Stadtverwaltung vor einigen Tagen mitteilte, stellte die Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH (TKS) wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt im Dezember einen Insolvenzantrag. Bis Ende 2026 sei für die Kommune ein Defizit von rund 4,5 Millionen Euro zu erwarten. 

Der Spreewald ist in Brandenburg eine beliebte Reiseregion mit mehr als zwei Millionen Übernachtungen (Stand 2024).

Haushaltssperre für Lübben

„Um die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Stadt sicherzustellen und die Erfüllung der Pflichtaufgaben zu gewährleisten, war die Stadt gezwungen, im Rahmen einer Haushaltssperre Zuschüsse für freiwillige Aufgaben, darunter die TKS GmbH, einzustellen“, erklärte Bürgermeister Jens Richter (CDU) auf Anfrage. Die städtische Gesellschaft beschäftigte ihm zufolge Ende 2025 vier Mitarbeitende, eine Prokuristin und eine Geschäftsführerin.

Das Wirtschaftsministerium hat Kontakt zur Stadt aufgenommen, wie es aus dem Ministerium in Potsdam hieß. Die Kommune habe versichert, nach einer Lösung zu suchen.

Wer soll die Aufgaben übernehmen?

Die Gewerkschaft Verdi im Bezirk Cottbus ist skeptisch, dass die touristischen Angebote dennoch genauso weiterlaufen. Die Stadt erwecke den Eindruck, andere städtische Einrichtungen könnten deren Aufgaben übernehmen. Diese Darstellung werde der fachlichen Arbeit der Beschäftigten nicht gerecht, so Verdi. 

„Tatsächlich wurden die qualifizierte und zertifizierte Tourist Information, das Tourismus- und Veranstaltungsmanagement sowie die Marketing- und Produktabteilung abgewickelt. Ein gleichwertiger Ersatz besteht nicht“, beklagte die Gewerkschaft. „Beschäftigte dürfen nicht die Leidtragenden
kommunaler Entscheidungen sein.“

Stadt will touristisches Angebot aufrechterhalten

Die Stadt teilte vergangene Woche mit: „Trotz der Schließung bleibt das touristische Grundangebot gesichert: Übernachtungsbuchungen sind über den Tourismusverband Spreewald möglich.“ Für Fragen der Gäste vor Ort stünden die Mitarbeitenden im Museum Schloss Lübben zur Verfügung. 

Unterschiedliches Echo von Kahnfährleuten

Auf die Schließung des Tourismus-Büros reagieren Anbieter der Spreewald-typischen Kahnfahrten unterschiedlich. Das Aus der Tourismus GmbH werde bei Händlern, Gastwirten und Hotelbetreibern zu Einbußen führen, sagte Kahnfährfrau Antje Krischok der „Lausitzer Rundschau“. „Es wirft kein gutes Licht auf Lübben und verunsichert die Gäste. Die lesen „Insolvenz“ und denken sich: Da stimmt irgendetwas nicht, da brauchst du nicht hin.“

Gelassen reagierte Kahnfährmann Bernd Deutschmann: „Ich bin gut aufgestellt, und die Leute werden sich weiterhin in meine Richtung bewegen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch einer seiner Kollegen macht sich keine Sorgen um ausbleibende Werbung um Touristen: „Das läuft über Mundpropaganda.“