Niedersachsen Linke peilt 7 Prozent bei Landtagswahl an
Mit Unterstützung von Tiktok-Star Heidi Reichinnek geht die Linke in die Wahlen in diesem und im kommenden Jahr. Landeschef Peters spricht über die Ziele – und eine mögliche Regierungsbeteiligung.

Hannover - Die Linke in Niedersachsen rechnet sich bei den nächsten Kommunal- und Landtagswahlen deutlich bessere Chancen aus als zuletzt. „Wenn wir bei den Kommunalwahlen im Durchschnitt bei mehr als 5 Prozent landen, wäre das eine hervorragende Basis“, sagte der Linken-Landesvorsitzende Thorben Peters der Deutschen Presse-Agentur. „Ich glaube, dass wir bei der Landtagswahl das Zeug haben für 7 Prozent als Zielmarke.“
Die Kommunalwahlen finden im September statt, die nächste Landtagswahl voraussichtlich im Herbst 2027.
Rot-Grün-Rot? Linke würde Gesprächsangebot annehmen
Bei den Kommunalwahlen 2021 war die Linke lediglich auf 2,8 Prozent gekommen, bei der Landtagswahl im Jahr darauf waren es 2,7 Prozent. Erst einmal – von 2008 bis 2013 – stellte sie eine Fraktion im niedersächsischen Landtag. Doch der Aufschwung im Bundestrend und ein starkes Mitgliederwachstum in Niedersachsen lassen die Partei nun hoffen.
Selbst ein Regierungsbündnis mit SPD und Grünen ist nach den jüngsten Umfragen nicht völlig außer Reichweite. „Dass wir das anstreben, kann man so nicht sagen“, sagte Peters. Aber: „Wenn es Gesprächsangebote gibt, würden wir die annehmen. Dann werden wir uns aber über einige Inhalte sehr lange unterhalten müssen.“
Peters: Nicht mit sozialen Verschlechterungen abfinden
In den anstehenden Wahlkämpfen will die Linke dafür kämpfen, dass soziale Themen im Mittelpunkt stehen. „Dass es eben keine Stadtbilddebatte gibt, die von sozialen Problemen ablenkt, sondern die Themen, die die Menschen am meisten belasten, auch die Aufmerksamkeit bekommen, die sie
verdienen“, sagte Peters. „Da geht es um Wohnen, Gesundheit, Bildung, Nahverkehr.“
Der Landeschef sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal seiner Partei: „Wenn ich mir die Vermögensverteilung angucke oder wie viel Geld für das Militär da ist, dann sind wir die einzige Partei, die sagt: Wir müssen uns nicht mit sozialen Verschlechterungen abfinden“, sagte Peters. „Im Gegenteil, jetzt besteht die Möglichkeit für soziale Verbesserungen, weil die Aufrüstung zeigt, dass
Geld da ist.“ Zudem ziehe die Linke als einzige Partei ohne Unternehmensspenden in die Kommunalwahlen und auch in die Landtagswahl.
„Heidi wird mitmischen“
Für Rückenwind im Wahlkampf soll die frühere Landesvorsitzende und heutige Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Heidi Reichinnek, sorgen. „Heidi wird mitmischen und da freuen wir uns drauf“, sagte Peters. „Es ist ihr ein Herzensanliegen, dass wir hier stark in die Kommunalwahl kommen.“
Reichinnek steht auch für eine große Social-Media-Präsenz und gilt als eine der erfolgreichsten Politikerinnen auf Tiktok. Mit 637.000 Followern hat sie dort fast so viele Anhänger wie der Account von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).