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Chemieindustrie Keine finanziellen Mittel mehr - Domo stellt Produktion ein

Während der Weihnachtstage hatten drei Tochtergesellschaften des Chemieunternehmens Insolvenz angemeldet. Nun ist klar: In Leuna und Premnitz kann es vorerst nicht weitergehen.

Von dpa Aktualisiert: 08.01.2026, 22:54
Domo Chemicals muss in Deutschland die Produktion einstellen. (Archivbild)
Domo Chemicals muss in Deutschland die Produktion einstellen. (Archivbild) Jan Woitas/dpa

Leuna/Premnitz - Das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals stellt an seinen drei deutschen Standorten den Betrieb ein. Die Produktion in Sachsen-Anhalt und Brandenburg werde ab sofort gestoppt und in einen Notbetrieb versetzt, teilte ein Sprecher der Insolvenzverwaltung Flöther & Wissing mit. Grund für diese Entscheidung sei, dass die Verhandlungen mit den Gläubigern um ein kurzfristiges sogenanntes Massedarlehen gescheitert sind, hieß es. 

Es sei nicht völlig ausgeschlossen, dass der Betrieb irgendwann wieder hochgefahren werden kann, sagte der Sprecher. Die drei Tochtergesellschaften des Konzerns hatten Ende des vergangenen Jahres Insolvenz angemeldet. Die Aussicht auf „eine dringend benötigte Zwischenfinanzierung hat sich heute zerschlagen“, sagte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstagabend. Die über 500 Beschäftigen sowie die zuständigen Behörden seien über die gescheiterten Finanzierungsgespräche informiert worden, erklärte er. 

Insolvenz könnte weitreichende Auswirkung haben 

Andere Unternehmen der Domo-Gruppe sind nicht betroffen. Die meisten Domo-Mitarbeitenden sind in Leuna beschäftigt, bei der Domo Chemicals GmbH sind es rund 35, bei der Domo Caproleuna GmbH etwa 480. In Premnitz hat die Domo Engineering Plastics GmbH rund 70 Mitarbeiter. 

Die drei Unternehmen gehören zu Domo Chemicals, einer Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Gent (Belgien). Die Insolvenz der drei Tochtergesellschaften könnte auch Auswirkungen auf andere Firmen in der Region haben, etwa solche, die Stoffe an Domo liefern. In Leuna und Premnitz wurde vor allem Kunststoff produziert, der unter anderem in der Automobilindustrie sowie in der Elektro- und Elektronikbranche weiterverarbeitet wird. 

Die Anlagen an den zwei Standorten sollen nun sicher heruntergefahren werden, sagte Flöther. Ob sie ohne Schäden wieder angefahren und weiter genutzt werden können, „ist die große Frage“. „Für die Anlagen und den Chemiestandort, aber auch für die Gläubiger wäre das jedenfalls eine Katastrophe“, so der Insolvenzverwalter. 

Chemiekrise spitzt sich zu 

Die chemische Industrie steht seit Monaten unter erheblichem Druck. „Die Lage der deutschen chemischen Industrie erfüllt uns alle mit großer Sorge“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kurz vor Weihnachten im Bundestag. Unter anderem hatte der US-Konzern Dow Chemical vor einigen Monaten bekanntgegeben, dass ein Teil seiner Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) Ende 2027 geschlossen werden soll. 

Laut der Gewerkschaft IG BCE arbeiten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland rund 63.000 Menschen.