Winterwetter Glatte Straßen im Nordwesten: Viele Unfälle, keine Schule
Blitzeis legt vielerorts den Schulbetrieb lahm, Autos geraten ins Rutschen, Busse kommen zu spät – wie sich der Alltag im Nordwesten durch die Glätte ändert.

Hannover/Bremen - Glätte sorgt in Niedersachsen und Bremen für zahlreiche Unfälle, geschlossene Schulen und Probleme im öffentlichen Nah- und Regionalverkehr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt noch bis 10 Uhr vor Glatteis - das betrifft unter anderem die nördliche Region Hannover, Stadt und Landkreis Oldenburg, Bremen sowie die Nordseeküste.
In Niedersachsen kündigten mehrere Landkreise und kreisfreie Städte an, dass die Schülerinnen und Schüler heute zu Hause bleiben sollen. So fällt etwa in Region und Stadt Hannover, im Raum Oldenburg und Osnabrück sowie in Wilhelmshaven der Präsenzunterricht aus. In Bremen und Bremerhaven stellen die Schulen auf Distanzunterricht um, wie die Bildungsbehörde mitteilte.
Vorsicht auf den Straßen: Mehrere Unfälle wegen Glätte
Das Blitzeis wurde schon mehreren Auto- und Lastwagenfahrern im Berufsverkehr zum Verhängnis. Die Autobahnpolizei Leer berichtete am Morgen von mindestens sieben Unfällen wegen Glätte. Ein 63-jähriger Autofahrer schwebt nach einem Zusammenstoß auf der Autobahn 31 im Landkreis Leer in Lebensgefahr.
Nach Angaben der Polizei fuhr ein 21-jähriger Fahrer zwischen Jemgum und Weener auf ein deutlich langsameres Auto vor ihm auf. Inwiefern Glätte dabei eine Rolle spielte, ist noch unklar. Durch die Kollision schleuderten beide Fahrzeuge in einen Graben neben der Fahrbahn. Eines der Autos überschlug sich dabei und blieb auf dem Dach liegen. Während der 63-Jährige um sein Leben kämpft, wurde der andere Fahrer nur leicht verletzt.
Auf der A1 zwischen Osnabrück und Bremen kam es seit dem frühen Morgen zu mindestens zehn größeren Unfällen wegen Eisregen, wie die Autobahnpolizei mitteilte. Sattelzüge und Gliederzüge gerieten auf der eisglatten Fahrbahn ins Schleudern, drehten sich oder kamen von der Straße ab und kollidierten mit Schutzplanken. Glücklicherweise sei dabei niemand schwer verletzt worden.
Welche Autobahnen gesperrt sind
An zwei Stellen ist die A1 weiter gesperrt, wie die Verkehrsmanagement-Zentrale Niedersachsen mitteilte. Bei Engelmannsbäke in Fahrtrichtung Osnabrück liegt ein Anhänger mit drei Gliederzügen quer auf der Fahrbahn. Die Fahrbahn ist in diesem Abschnitt ab der Anschlussstelle Wildeshausen-West voll gesperrt. Eine weitere Vollsperrung besteht kurz vor der Anschlussstelle Vechta, wo bei einem Zusammenstoß mit der Mittelschutzplanke der Tank eines Sattelzugs aufgerissen wurde. Die Fahrbahn muss dort aufwendig gereinigt werden.
Auch die Autobahn 7 ist auf Höhe Hann. Münden (Landkreis Göttingen) nach einem Unfall zunächst nur eingeschränkt befahrbar. Nach ersten Erkenntnissen der Autobahnpolizei überholte ein Lastwagen einen weiteren Lastwagen, als ein Autofahrer nach links ausscherte, um auf dem schneebedeckten dritten Fahrstreifen beide zu überholen. Dabei geriet der Wagen ins Schleudern, drehte sich und prallte gegen die Mittelschutzplanke. In der Folge verlor auch einer der beteiligten Lastwagen die Kontrolle und stieß ebenfalls gegen die Schutzplanke. Der Autofahrer kam laut Polizei leicht verletzt in ein Krankenhaus.
Straßen wegen Warnstreik schlecht geräumt
In einigen Städten mehrten sich ebenfalls Unfälle wegen Glätte. Die Polizei Osnabrück registrierte in der Nacht und am frühen Morgen 45 Unfälle. In zwei Fällen wurden Menschen leicht verletzt, ansonsten blieb es bei Sachschäden. Die Müllabfuhr in Osnabrück stellte am Mittwoch ihren Betrieb komplett ein.
Die Polizei appelliert, langsam zu fahren und großen Abstand zu anderen Fahrzeugen zu halten - zumal viele Straßen wegen eines Warnstreiks bei den Straßenmeistereien nur schlecht geräumt sind. Autofahrer sollten sich auf Umwege einstellen. Nach Angaben von Verdi ist etwa die Jann-Berghaus-Brücke im ostfriesischen Leer komplett sowie der Wesertunnel im Landkreis Wesermarsch teilweise gesperrt.
Winterwetter bremst Busse und Bahnen aus
Im Fernverkehr der Deutschen Bahn fallen wegen einer wetterbedingten Weichenstörung vereinzelt Züge aus. Betroffen sind einige ICE-Verbindungen zwischen Berlin und Hannover. Manche Züge werden über Stendal umgeleitet, dadurch kommt es laut Bahn zu Verspätungen. Auch die Verbindung zwischen Berlin und Braunschweig sowie zwischen Berlin und Wolfsburg ist von der Störung betroffen.
Wer mit Bus oder Regionalbahn innerhalb Niedersachsens unterwegs ist, braucht wegen des Winterwetters ebenfalls Geduld. So müssen etwa Fahrgäste im Raum Hannover, Osnabrück, Göttingen und Wilhelmshaven mit Verzögerungen oder Ausfällen im Linienverkehr rechnen, wie die Busunternehmen mitteilten. Die Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg (VLN) stellte den Busverkehr wegen akuter Straßenglätte am Morgen komplett ein.
Mehrere Regionalzüge betroffen
Das Bahnunternehmen Erixx berichtet von Ausfällen. Die RB32 zwischen Lüneburg und Dannenberg-Ost fährt am Vormittag nicht, stattdessen fahren Busse. Auf der Strecke zwischen Hannover und Bad Harzburg ging zeitweise nichts mehr, inzwischen fahren die ersten Bahnen der Linie RE10 wieder. „Es kommt aber zu mittleren bis hohen Verspätungen“, teilte das Unternehmen mit. Zwischen Braunschweig und Vienenburg fahren die Züge nur im Zweistundentakt.
Auch das Bahnunternehmen Metronom warnt vor Einschränkungen. Die Bahnen zwischen Bremen und Hamburg sowie zwischen Hamburg und Uelzen haben bis zu 90 Minuten Verspätung, wie das Unternehmen mitteilte. „Einzelne Züge müssen entfallen oder fahren nur auf verkürzten Streckenabschnitten, um die hohen Verspätungen abzubauen.“ Vor der Fahrt sollten sich Pendlerinnen und Pendler online über mögliche Einschränkungen oder Ausfälle informieren.
Was Experten bei der Glätte raten
Der Wetterdienst rät, möglichst zu Hause zu bleiben. Wer heute trotzdem mit dem Auto unterwegs sein muss, sollte besonders vorsichtig fahren, möglichst volltanken sowie Decken und warme Getränke mitnehmen.
Fußgänger können sich ein Beispiel an Pinguinen nehmen und kleine, langsame Schritte machen, wie die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie empfiehlt. Gut sei, den Fuß dabei möglichst flach aufzusetzen statt ihn abzurollen.