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Schafzucht Frühe Lammzeit bei Heidschnucken in Döhle

Im Januar beginnt die stressigste Zeit des Jahres für Schäfer in der Lüneburger Heide - die dreimonatige Lammzeit fordert sie rund um die Uhr. In Döhle ist man besonders früh dran.

Von dpa 23.01.2026, 12:47
Für Schäfer und Schäferinnen wie Clemens Lippschuss und Josefine Schön ist die derzeitige Lammzeit eine extrem intensive und arbeitsreiche Zeit.
Für Schäfer und Schäferinnen wie Clemens Lippschuss und Josefine Schön ist die derzeitige Lammzeit eine extrem intensive und arbeitsreiche Zeit. Philipp Schulze/dpa

Egestorf - 7 bis 15 kleine Heidschnuckenlämmer purzeln derzeit täglich ins Heu des großen Stalls in Döhle bei Egestorf in der Lüneburger Heide. Josefine Schön und ihr Partner Clemens Lippschuss haben schon die Hälfte der jährlichen Lammzeit hinter sich gebracht. „Schlafmangel hat man schon. Wir arbeiten in Schichten rund um die Uhr, weil wir bei allen Geburten dabei sein wollen“, berichtet die Schäferin - im Hintergrund blöken die Jungtiere in den Buchten. 

170 Lämmer von 130 Mutterschafen haben sie seit Anfang des Monats schon auf die Welt gebracht, weitere 130 sind trächtig. „Wir sind sehr zufrieden, mussten wenig Geburtshilfe leisten. Alle haben sich gut entwickelt“, sagt Schön. Neben einigen Zwillingsgeburten habe es kürzlich sogar Drillinge gegeben. „Das ist eine absolute Ausnahme“, sagt sie und unterstützt das Muttertier vier- bis fünfmal am Tag mit der Flaschenfütterung. 

Die Herde mit 404 Tieren gehört zu den ersten, die im Jahr lammen. So kann der Betrieb die besten eineinhalbjährigen Böcke zur Auktion im Juli schicken. „Die müssen sich dann gut entwickelt haben, damit sie das Interesse von Züchtern wecken“, erzählt die 30-Jährige. Die Nachfrage sei hoch, Züchter kämen sogar aus der Schweiz und dem Schwarzwald in die Heide. Aus Döhle nehmen in der Regel fünf bis zehn Tiere an dem jährlichen Event in Müden/Örtze teil. 

Luxus Stall - gegen Kälte und den Wolf 

Der kalte Jahresanfang mit viel Schnee hat den Betrieb nicht sonderlich durcheinandergebracht. Bei geschlossener Schneedecke bleiben die Tiere im Stall, weil sie draußen zu wenig Futter finden. Die Nahrung bekommen sie im Freien, danach geht es wieder ins Warme. „Unsere wissen ganz genau, dass sie den Luxus eines Stalls haben“, erzählt Schön lächelnd. Erst im März beginnt die Eingewöhnung an das Leben in dem Naturschutzgebiet, die Kleinen werden stundenweise herangeführt. „Sie müssen lernen, Anschluss zu halten.“ 

Herausforderung Wolf 

Wegen der Bedrohung durch herumstreunende Wölfe wird die Herde auch im Sommer in den Stall getrieben. „Sie sehen die Spuren, die streichen nachts um den Stall herum“, erzählt Schön. In anderen Betrieben der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide habe es Vorfälle sogar tagsüber gegeben. „Das ist nach wie vor ein brisantes Thema“, sagt sie. Wegen möglicher Übergriffe auf Touristen könne man keine aggressiven Herdenschutzhunde halten, lediglich Hütehunde, die die Schafe zusammenhalten. 

Wölfe sorgen seit langem für Unruhe - in Niedersachsen haben sie im vergangenen Jahr nachweislich fast 700 Nutztiere gerissen. Die Bundesregierung will die Hürden für Abschüsse senken, dazu beschloss das Bundeskabinett die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Damit sollen sogenannte Problemwölfe leichter getötet werden können. Die EU-Staaten hatten den Schutzstatus des Wolfes im Sommer von „streng geschützt“ auf „geschützt“ gesenkt und damit die Voraussetzung für Änderungen im Jagdrecht geschaffen.