Falscher Alarm

Eisenhüttenstadt: Keine Hinweise auf islamistischen Anschlag

Eisenhüttenstadt - In Eisenhüttenstadt ist möglicherweise ein islamistischer Anschlag verhindert worden. Die Polizei nimmt einen 27-Jährigen fest. In seiner Wohnung wurden Sprengmittel vermutet.

Ein Spezialeinsatzkommando der Brandenburger Polizei hat in Eisenhüttenstadt einen 27-jährigen Mann festgenommen. dpa-Zentralbild

Falscher Terroralarm in Brandenburg: Bei der Durchsuchung der Wohnung eines 27-Jährigen in Eisenhüttenstadt wurden nach Polizeiangaben keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag gefunden.

In seiner Wohnung sei auch nichts zu einem möglichen islamistischen Hintergrund entdeckt worden, hieß es am Mittwoch aus Sicherheitskreisen.

In der Wohnung des 27-jährigen seien lediglich zwei Böller gefunden worden. Der Mann gelte als „psychisch nicht gefestigt“.

Nach der Durchsuchung übernahm der Staatsschutz die weiteren Ermittlungen. Zwar wurden nach Angaben des Innenministeriums „lediglich geringe Mengen pyrotechnischer Erzeugnisse“ gefunden. Gleichzeitig hieß es in einer Mitteilung: „Es gibt aber auch Hinweise auf eine mögliche Nähe zum Islamischen Staat.“

Die von einer internationalen Allianz im Irak und Syrien bekämpfte IS-Terrormiliz hat sich zu zahlreichen Anschlägen in der Vergangenheit bekannt.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte am Mittwoch gesagt, der Zugriff sei wegen des Verdachts eines „geplanten terroristischen Akts“ mit einem möglichen islamistischen Hintergrund erfolgt. Dies müssten aber die laufenden Ermittlungen klären, hatte Woidke betont.

Seit den Attacken vom 11. September 2001 in den USA wurden viele Anschläge in Deutschland vereitelt. Einige aufsehenerregende Fälle:

April 2002: Die Polizei nimmt Anhänger der zum Al-Kaida-Netzwerk zählenden Terrorgruppe Al-Tawhid fest. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie erhalten mehrjährige Gefängnisstrafen.

Dezember 2004: Mitglieder der Islamistengruppe Ansar al-Islam planen, Iraks Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Besuchs in Deutschland zu ermorden. Drei Iraker erhalten langjährige Haftstrafen. Der verurteilte Chefplaner des vereitelten Anschlags wird im September 2015 in Berlin von einem Polizisten erschossen, nachdem er dessen Kollegin mit einem Messer schwer verletzt hatte.

September 2007: Die islamistische Sauerland-Gruppe wird gefasst. Die vier Mitglieder erhalten wegen geplanter Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland mehrjährige Haftstrafen.

April 2011: Ermittler nehmen in Düsseldorf drei mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder fest, die einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant hatten. Im Dezember 2011 wird in Bochum ein viertes mutmaßliches Mitglied der Düsseldorfer Zelle gefasst. Die vier Männer müssen mehrere Jahre ins Gefängnis.

März 2013: Die Polizei fasst vier Verdächtige aus der Bonner Islamisten-Szene, die einen Anschlag auf den Chef der rechtsextremen Splitterpartei „Pro NRW“ geplant haben sollen. Einer soll die Bombe in Bonn deponiert haben. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Terroristen in Düsseldorf dauert an.

Februar 2016: Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und schlägt gleichzeitig in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu. Die vier Verdächtigen hatten womöglich einen Anschlag in Berlin geplant.

Juni 2016: Spezialkräfte der Polizei nehmen drei mutmaßliche Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Brandenburg fest. Sie sollen einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben. (dpa)

Zunächst war über einen möglicherweise in der Stadt an der polnischen Grenze geplanten Terroranschlag spekuliert worden. Erste Informationen, wonach der Mann einen Anschlag auf das Stadtfest Ende August geplant haben soll, wurden aber nicht bestätigt. Auch für Hinweise eines salafistischen Hintergrundes gab es keine Quelle.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Mann deutscher Staatsbürger. Mit dem Einsatz sei Hinweisen nachgegangen worden, wonach der Festgenommene Sprengmaterialien in seiner Wohnung gelagert haben sollte.

Anschlag in Eisenhüttestadt vermutet

Die Polizei durchsuchte die Wohnung mit Sprengstoffhunden. Vor dem dreigeschossigen Gebäude in der Wohnsiedlung der Stahlarbeiterstadt waren mehrere Polizeifahrzeuge zu sehen. Spezialkräfte in Schutzanzügen waren in dem Haus aktiv. Großräumige Absperrungen gab es aber nicht, zudem konnten Nachbarn das Geschehen vom Balkon aus beobachteten.

Das Stadtfest in Eisenhüttenstadt ist an drei Tagen vom 26. bis zum 28. August geplant. Die Verwaltung will am Stadtfest festhalten. „Die Planung läuft erst einmal weiter“, hieß es noch während des Einsatzes. „Wir stehen derzeit in engem Kontakt mit der Polizei.“

In der Stadt mit rund 30 000 Einwohnern sitzt auch die zentrale Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Brandenburg.

Im Juli hatte eine Serie von Gewalttaten innerhalb einer Woche Deutschland erschüttert: In Würzburg ging am 18. Juli ein 17-Jähriger mit Axt und Messer auf Fahrgäste einer Regionalbahn los - fünf Menschen wurden verletzt.

Drei Tage später tötete ein 18-Jähriger in München mit einer Waffe neun Menschen und anschließend sich selbst.

Am 24. Juli sprengte sich in Ansbach auf einem Platz vor einem Konzert ein 27-Jähriger in die Luft, 15 Menschen wurden verletzt.