1. MZ.de
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Kriminalität: Drogenlabore ausgehoben - darunter eins in Brandenburg

Kriminalität Drogenlabore ausgehoben - darunter eins in Brandenburg

Ermittler gehen gegen einen Chemikalien-Großhandel vor. Unter sechs Drogenlaboren in Deutschland war auch eins in Brandenburg. Die Polizei weiß inzwischen mehr über die Zusammenhänge.

Von dpa 21.01.2026, 15:09
Auch im brandenburgischen Nauen haben Ermittler ein Drogenlabor ausgehoben.
Auch im brandenburgischen Nauen haben Ermittler ein Drogenlabor ausgehoben. Rolf Vennenbernd/dpa

Den Haag - Im bisher größten Schlag gegen die Hersteller synthetischer Drogen haben Ermittler in Deutschland sechs Labore ausgehoben und 45 Verdächtige festgenommen - eine Anlage befand sich in Brandenburg. In ganz Europa wurden 24 Labore entdeckt und 85 Menschen festgenommen, wie Europol in Den Haag mitteilte. 

Die deutschen Drogenlabore befanden sich nach Angaben von Polizei und Zoll in Nauen in Brandenburg, in Kerpen, Hagen und Neunkirchen-Seelscheid in Nordrhein-Westfalen, in Wolfenbüttel in Niedersachsen und in Quickborn/Kummerfeld in Schleswig-Holstein. In Nauen im Havelland hatten Fahnder bereits Ende Oktober eine riesige Anlage ausgehoben, in der illegale chemische Partydrogen hergestellt wurden.

Bundesweit wurden über 800 Kilogramm synthetische Drogen und etwa 160.000 Liter hochgiftige Chemikalienabfälle sichergestellt. Bei zwei abschließenden Durchsuchungen am vergangenen Freitag wurden in Papenburg in Niedersachsen 15.000 Liter Chemikalienabfälle sichergestellt und eine professionelle Cannabisplantage mit etwa 1.350 Pflanzen im Kreis Borken entdeckt. In Papenburg kam es zu einer weiteren Festnahme. Die europaweiten Fahndungsmaßnahmen wurden von Europol koordiniert.

Bisher einmaliger Schlag

„Dieser Schlag europäischer Sicherheitsbehörden im Kampf gegen synthetische Drogen ist in dieser Dimension bislang einmalig“, sagte Friedo de Vries, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück. 

Eine Osnabrücker Ermittlungsgruppe habe dabei eine zentrale Rolle gespielt. Die Ermittlungsergebnisse zeigten, dass Kinder und Jugendliche besser vor dem Konsum von synthetischen Drogen geschützt werden müssten: „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ 

Der Leiter des Zollkriminalamtes, Tino Igelmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Ermittlungen hätten ihren Ausgang genommen von einem Unternehmen in Polen, das die Chemikalien für die synthetischen Drogen verkauft habe. 

Produziert worden seien die Chemikalien überwiegend außerhalb der Europäischen Union, etwa in China. „Dieses Unternehmen in Polen hat die Chemikalien vertrieben.“ Die Stoffe seien von dort entweder in Zwischenlager oder direkt in die Drogenlabore gebracht worden. 

In Laboren werden Drogen zusammengemixt

In den Laboren seien aus den Chemikalien die Drogen hergestellt worden. Dabei handele es sich um „komplexe chemische Prozesse“, sagte Igelmann. „Da muss man sich schon auskennen.“ Bei den Arbeiten in den „Drogenküchen“ besteht nach Angaben der Ermittler durchaus auch die Gefahr von Explosionen. 

Die verschiedenen Labore hätten miteinander in Kontakt gestanden, sagte Igelmann. „Es ist aber nicht so, dass quasi eine Bande oder eine Organisation das gesamte Verfahren von der Produktion über den Vertrieb der Chemikalien bis zur Herstellung der synthetischen Drogen betreibt.“ Man teile sich den Markt vielmehr ein Stück weit auf.

Bei dem Einsatz in Nauen im Oktober hatten Zollfahndung und Polizei die illegale Anlage nach vorheriger Observation gestürmt und Drogen im Millionenwert entdeckt. Die Auflösung des riesigen kriminellen Drogenlabors dauerte gut eine Woche. In dem Zusammenhang wurden allein zwölf große Container mit Chemikalien und Müll aus den Hallen der Drogenbande in einem Industriegebiet abtransportiert. Ermittler sprachen von „beeindruckenden Dimensionen“.