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Architektur Dresdner Schloss erhält zwei Festsäle zurück

Seit 40 Jahren wird das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Dresdner Schloss wiederaufgebaut. Nun sind zwei Festräume der Residenz sächsischer Herrscher fertig. 2027 soll alles vollendet sein.

Von dpa Aktualisiert: 09.01.2026, 14:00
Der prächtige Saal im Dresdner Schloss ist bald wieder offen für Besucher.
Der prächtige Saal im Dresdner Schloss ist bald wieder offen für Besucher. Jörg Schurig/dpa-Zentralbild/dpa

Dresden - Beim Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dresdner Residenzschlosses ist ein weiteres Kapitel abgeschlossen. Mit dem Ballsaal und dem Propositionssaal bekommt das Schloss zwei prunkvolle Räume zurück. Am Freitag wurden sie den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zur Nutzung übergeben. Sie sollen ab April Teil der neuen Dauerausstellung mit dem Titel „Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof“ sein. 

Wiederaufbau des Schlosses soll gut 400 Millionen Euro kosten

Nach Angaben des sächsischen Finanzministers Christian Piwarz (CDU) kostete die Wiederherstellung der beiden Säle insgesamt rund 21 Millionen Euro. 4,6 Millionen davon stammten vom Bund, 16,4 Millionen Euro stellte der Freistaat Sachsen bereit. Bis zu Fertigstellung aller Bereiche des Residenzschlosses im Jahr 2027 würden voraussichtlich 407 Millionen Euro in die Rekonstruktion geflossen sein. Piwarz sprach von einem Bekenntnis zu Sachsens kulturellem Erbe. 

Schloss war vier Jahrzehnte lang offene Kriegswunde im Stadtbild

Gut 40 Jahre lang lag das Schloss als ausgebrannte Ruine im Herzen der Stadt - als offene Kriegswunde und gleichzeitig als Mahnung, sagte Piwarz. Noch zu DDR-Zeiten sei die Entscheidung getroffen worden, das Schloss wieder aufzubauen. „Der Wiederaufbau der benachbarten Semperoper gab schließlich den entscheidenden Anstoß und vor allem den Mut, auch das Schloss wieder auferstehen zu lassen.“ Damit habe man die Jahrhunderte alte Schloss- und Landesgeschichte weitergeschrieben und ihr ein eigenes Kapitel hinzugefügt. 

SKD-Chef: Wiederaufbau ist Vertrag für nächste Generationen

SKD-Generaldirektor Bernd Ebert bedankte sich bei den Bauherren und allen Geldgeber, bei den Architekten und allen Gewerken. „Es war ein Kraftakt über die letzten Jahrzehnte und letztlich ein Vertrag für die nächsten Generationen, denn für diese Generation gilt es, dieses Schloss zu erhalten und unsere Kunstwerke - das kulturelle Herbe des Freistaates - in bestmöglicher Weise auch zu präsentieren.“ Erstmals seit dem Krieg werde dem Publikum die Raumfolge im zweiten Obergeschoss wieder vollständig zugänglich sein.

Die Rekonstruktion der beiden Säle orientiert sich am historischen Umbau der Jahre 1838 bis 1854, der durch Archiv- und Bauunterlagen gut dokumentiert ist. Auf die Wiederherstellung der früheren Vergoldungen an Decken und Wänden sowie der monumentalen Gemälde wurde bewusst verzichtet. 

Historische Anmutung, aber keine Disneyland

SKD-Chef Ebert ging darauf ein, wie weit man heute bei einer Rekonstruktion gehen sollte. Das Schloss sei nicht auf einem Schlag entstanden, sondern in einem Prozess von vielen Jahren und Jahrhunderten. Immer wieder stehe man vor der Entscheidung: „Zu welcher Zeit geht man wo und wie weit zurück?“ In diesem Fall sei das gelungen. Man habe eine historische Anmutung, aber kein Disneyland.

Vorläufer des heutigen Landtages kam in einem der Säle zusammen

Der Propositionssaal galt im 19. Jahrhundert als ein zentraler Ort staatlicher Macht. Hier wurde 1831 die erste sächsische Verfassung überreicht. Später diente der Raum als Thronsaal und Versammlungsort des Vorläufers vom heutigen Sächsischen Landtag. Der Große Ballaal war einst Bühne höfischer Festkultur. Nach der Zerstörung blieben nur Außenwände und einige Teile der Wandverkleidungen und der Stuckdekoration erhalten - allerdings stark beschädigt. Bildhauer und Stuckateure formten Ornamente und Profile neu.

Mit dem Abschluss der Baumaßnahmen im Nordflügel wird in diesem Jahr die Neugestaltung des Großen Schlosshofes fortgesetzt. Als letzte Etappe steht dann der Ausbau der Räume im Erdgeschoss des Ostflügels - der sogenannten Gotischen Halle - an. Dort soll künftig eine Ausstellung über die Geschichte des Residenzschlosses zu sehen sein.