Gesundheit DAK-Report: Mehr Essstörungen bei Teenagern
Essstörungen bei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren haben sich in Sachsen-Anhalt seit 2019 mehr als verdoppelt. Auch Angststörungen und Depressionen nehmen weiter zu.

Magdeburg - Junge Menschen in Sachsen-Anhalt haben zunehmend psychische Probleme. Darauf hatte kürzlich die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer hingewiesen, nun belegt auch der Kinder- und Jugendreport der DAK Gesundheit den Trend. Die Studie fand bei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren einen besonders starken Anstieg von Essstörungen. Die Behandlungszahlen hätten sich 2024 im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 mehr als verdoppelt. Hochgerechnet rund 600 junge Frauen der Altersgruppe 15 bis 17 seien mit einer Essstörung bei Ärzten, Therapeutinnen oder im Krankenhaus behandelt worden.
Auch bei Angststörungen und Depressionen seien in Sachsen-Anhalt hohe Behandlungszahlen zu verzeichnen. Insgesamt mussten 2024 in Sachsen-Anhalt hochgerechnet rund 1.700 jugendliche Mädchen mit einer Angststörung wie sozialen Phobien und Panikstörungen behandelt werden, hieß es. Im Falle von Depressionen seien es rund 2.100 junge Frauen gewesen.
Für die Analyse untersuchten Wissenschaftler die Abrechnungsdaten von knapp 18.000 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Sachsen-Anhalt versichert sind, wie es hieß. Untersucht wurde das Zeitfenster von 2019 bis 2024 mit insgesamt rund 945.000 ambulanten Arzt- und Therapeutenbesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneimittelverschreibungen.
Offensive für mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
„Der starke Anstieg von Essstörungen im Jahr 2024 muss uns als Gesellschaft wachrütteln“, erklärte DAK-Landeschef Steffen Meyrich. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht einen Teil dieser Generation verlieren. Jugendliche leiden oft auch später als Erwachsene an den Folgen ihrer psychischen Erkrankungen, was ihre Familien oder ihr Arbeitsleben belastet.“ Nötig sei eine Offensive für die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Der Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Sachsen-Anhalt, Roland Achtzehn, erklärte: „Diese datenbasierten Befunde unterstreichen, wie wichtig präventive Ansätze, frühe Aufklärung und eine verbesserte Versorgung sind.“
Bei der DAK Gesundheit sind den Angaben zufolge rund 114.000 Menschen in Sachsen-Anhalt versichert.
Kürzlich hatte die Ostdeutsche Psychotherapeutenkammer auf die zunehmend schlechte psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hingewiesen. Der Behandlungsbedarf steige kontinuierlich, die Praxen seien voll bis unters Dach. Die Kinder und Jugendlichen seien mit zahlreichen Krisen konfrontiert. Die Pandemie sei für sie schwer zu verkraften, die Nutzung digitaler Medien stelle ebenfalls ein Problem dar.