Brand in Ludwigshafen

Brand in Ludwigshafen: Türkische Jugendliche schlagen Feuerwehrmann zusammen

Ludwigshafen/ddp. - Und nun das: Am Dienstagabendwurde einer von Friedrichs Einsatzleuten von mehreren türkischenJugendlichen zusammengeschlagen. Türkische Medien hatten zuvorwiederholt den Vorwurf erhoben, die Feuerwehr sei zu spät am Brandortangerückt. Dafür werden die Medien inzwischen auch von türkischenVerbänden scharf ...

Von Stefan Säemann 06.02.2008, 06:29
Passanten befestigen an einer Absperrung an einem abgebrannten Mehrfamilienhauses im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen, in dem am 3. Februar 2008 neun Menschen ums Leben gekommen sind, Trauerbekundungen. (Foto: ddp)
Passanten befestigen an einer Absperrung an einem abgebrannten Mehrfamilienhauses im rheinland-pfälzischen Ludwigshafen, in dem am 3. Februar 2008 neun Menschen ums Leben gekommen sind, Trauerbekundungen. (Foto: ddp) ddp

Und nun das: Am Dienstagabendwurde einer von Friedrichs Einsatzleuten von mehreren türkischenJugendlichen zusammengeschlagen. Türkische Medien hatten zuvorwiederholt den Vorwurf erhoben, die Feuerwehr sei zu spät am Brandortangerückt. Dafür werden die Medien inzwischen auch von türkischenVerbänden scharf kritisiert.

Die Bundesbeauftragte für Integration, Maria Böhmer (CDU), zeigtesich am Mittwoch «schockiert» über den Überfall. Spontan ging dieStaatssekretärin auf den Feuerwehrchef zu und umarmte ihn tröstend.Wenige Minuten zuvor hatte sie im Auftrag von Bundeskanzlerin AngelaMerkel (CDU) vor der Brandruine einen Kranz niedergelegt, Hand inHand mit dem eigens angereisten türkischen Staatsminister für die imAusland lebenden Türken, Mustafa Said Yazicioglu.

Vor dem Hintergrund der Attacke vom Vorabend wurde so aus derBeileidsbekundung für die Opfer ein Appell an die türkischstämmigeBevölkerung, Ruhe zu bewahren und sich nicht von Gerüchtenaufstacheln zu lassen. Der türkische Minister wollte sich trotzdemauf ddp-Nachfrage nicht explizit zu dem Überfall äußern: «Ichkommentiere nur den Gesamtkomplex», ließ er seine Dolmetscherinübersetzen.

Staatssekretärin Böhmer erklärte, sie werde sich an denSpekulationen über die Brandursache nicht beteiligen. «Wir sehen,dass diese Spekulationen zu Taten führen, die wir nicht duldenkönnen.» Dazu zähle auch, dass der türkische Premierminister RecepTayyip Erdogan einen Vergleich mit dem rechtsextremen Brandanschlagin Solingen im Jahr 1993 gezogen habe. Damals waren fünf türkischeFrauen und Kinder verbrannt.

Böhmer versicherte zugleich, die Bundesregierung werde dieErmittlungen «sehr genau verfolgen». Seit Tagen kursieren inLudwigshafen Spekulationen, dass es sich möglicherweise um einenfremdenfeindlichen Brandanschlag handeln könnte. Genährt werden diesedurch einen Vorfall im Sommer 2006. Damals hatten Unbekannte einenBrandsatz in das Gebäude geworfen, in dessen Erdgeschoss eintürkischer Kulturverein sein Domizil hatte.

An die türkischen Medien appellierte Böhmer, angemessen über den«hohen Einsatz» von Polizei, Feuerwehr und Hilfskräften zu berichten.Insbesondere der Feuerwehr stärkte sie den Rücken. Diese seikeineswegs erst - wie von Zeugen behauptet und manchen Medienkolportiert - nach 20 Minuten am Brandort eingetroffen, sondern nachweniger als fünf Minuten. Die Rechtsanwältin der betroffenen Familie,Emel Ipbüken, betonte am Rande der Kranzniederlegung: «Die Familiendistanzieren sich von dem Überfall. Das ist eine Entwicklung, die wirnicht gutheißen.»

Auch der Präsident der Türkischen Gemeinde in Rheinland-Pfalz,Bayram Türkoglu, hatte sich an die türkischstämmigen Mitbürgergewandt: «Wir sind dabei unsere Vereine und Medien zu beruhigen. Siesollen sich nicht auf Angriff einstellen», wird er in der Zeitung«Rheinpfalz» (Mittwochausgabe) zitiert.

Auch die Alevitische Gemeinde in Deutschland zeigte sich amMittwoch besorgt über die Stimmungsmache in den türkischen Medien.Ihr Präsident Ali Ertan Toprak sagte in Köln: «Der tragische Tod vonMenschen eignet sich nicht für hetzerische Spekulationen durch dietürkischen Medien.» Eine Spaltung der Gesellschaft in Täter- undOpfergemeinschaften müsse verhindert werden. Die Medien seien gutberaten, die Ermittlungsergebnisse der Polizei abzuwarten.

Unterdessen setzte die Polizei ihre Ermittlungen fort. AmMittwochmorgen waren zwei Brandmittel-Spürhunde in demeinsturzgefährdeten Haus im Einsatz. Die vom Landeskriminalamt undBundeskriminalamt entsendeten Brandermittler zum jetzigen Zeitpunktin das Haus zu schicken sei noch zu gefährlich, sagte PolizeisprecherMartin Lindner. Der Chef der Staatskanzlei, Martin Stadelmaier, hattein Ludwigshafen nochmals bekräftigt, dass bislang «keine Belege» füreinen fremdenfeindlichen Anschlag vorlägen.