Arnold Schwarzenegger im Interview

Arnold Schwarzenegger im Interview: „Beim Rechnen denke ich auf Deutsch“

Noch in der Tür schluckt Arnold Schwarzenegger den letzten Bissen seines Croissants herunter und scherzt: „Ich weiß gar nicht, ob das mein Frühstück ist oder mein Abendessen. Ich funktioniere immer noch nach australischer Zeit.“ Auch dort war er auf Promotion-Tour für seinen neuen Film „Terminator: Genisys“. Jetzt gibt er im Berliner Hotel Adlon gut gelaunt Interviews. Man merkt ihm an, wie stolz er auf sein Comeback als Terminator ist. Schwarzenegger besteht darauf, dass wir uns auf Englisch unterhalten. Liebend gern, denn es gibt fast nichts Schöneres als Arnies Englisch, mit schnitzeldickem österreichischem ...

03.07.2015, 17:40

Noch in der Tür schluckt Arnold Schwarzenegger den letzten Bissen seines Croissants herunter und scherzt: „Ich weiß gar nicht, ob das mein Frühstück ist oder mein Abendessen. Ich funktioniere immer noch nach australischer Zeit.“ Auch dort war er auf Promotion-Tour für seinen neuen Film „Terminator: Genisys“. Jetzt gibt er im Berliner Hotel Adlon gut gelaunt Interviews. Man merkt ihm an, wie stolz er auf sein Comeback als Terminator ist. Schwarzenegger besteht darauf, dass wir uns auf Englisch unterhalten. Liebend gern, denn es gibt fast nichts Schöneres als Arnies Englisch, mit schnitzeldickem österreichischem Akzent.

Arnold Alois Schwarzenegger, geboren 1947 in der Nähe von Graz, lebt seit 1968 in den Vereinigten Staaten. Einen US-Pass hat er seit 1983.

Als Bodybuilder gewann Schwarzenegger fünfmal den Titel des „Mr. Universum“ und war siebenmal „Mr. Olympia“. Seinen Durchbruch im Kino hatte er 1982 als „Conan, der Barbar“ – muskelbepackt und wortkarg. 1984 wurde er durch die Hauptrolle in James Camerons „Der Terminator“ zum Weltstar.

Nach dem dritten Terminator-Streifen „Rise of the Machines“ verabschiedete sich Schwarzenegger für fast zehn Jahre vom Kino und wurde im November 2003 Gouverneur von Kalifornien (bis Januar 2011). „Terminator: Genisys“ kommt am 9. Juli ins Kino. (ksta)

Waren Sie tatsächlich verwundert darüber, dass man Sie für „Terminator: Genisys“ zurückhaben wollte?

Ich war nicht wirklich verwundert, nur etwas überrascht. Und natürlich habe ich mich sehr darüber gefreut. Die große Frage war doch, wie schreibt man die Terminator-Geschichte sinnvoll weiter? Und wie vermeidet man es, so zu tun, als ob ich noch derselbe wäre wie 1984. Denn natürlich bin ich seitdem älter geworden und sehe dementsprechend aus. Aber die Drehbuchschreiber und der Regisseur haben das Problem clever gelöst, indem sie klargemacht haben, dass die Haut des Original-Terminators altert, da sie ja aus menschlichem Gewebe besteht. Und dass ich die Zeitreisen im Film eben auf die langsame Tour durchziehen muss, weil sonst meine Terminator-Metall-Struktur auseinanderfliegen würde.

Rückkehr nach zehn Jahren Pause

Hatten Sie keine Sorge, wie das heutige Publikum Sie in dieser Rolle aufnehmen würde?

Ich habe mir schon ein paar Gedanken darüber gemacht, ob mich auch das jüngere Publikum akzeptieren wird. Aber ich bin mir sicher, dass auch die alten Terminator-Filme bekannt sind, da sie oft im Fernsehen gezeigt werden oder auf DVD zu haben sind. Dieser Film kam für mich genau zur richtigen Zeit. Das Angebot, im „Terminator“ wieder mit dabei zu sein, kam ein paar Monate, nachdem ich mit der Politik aufgehört hatte. Und das hat mich natürlich sehr motiviert. Wie Sie sicher wissen, habe ich als ich Gouverneur von Kalifornien keine Filme gemacht. Also musste ich nach zehn Jahren Pause wieder langsam anfangen.

Sie mussten erst wieder in Form kommen?

Ja, das ist wie bei einem Sportler, der länger pausiert hat. Aber ich mag diese Herausforderungen. Ich finde es immer schöner, auf den Berg hinaufzusteigen, als oben zu sein. Denn von dort kann es doch eigentlich nur noch bergab gehen.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Arnold Schwarzenegger über Roboter, Politik und Schauspielerei

Der Terminator ist ein hocheffizienter Cyborg, wie es ihn in der Wirklichkeit – noch – nicht gibt. Was halten Sie von Robotern und intelligenten Maschinen? Werden die in Zukunft unser Leben dominieren?

Das tun sie doch schon heute. Vielleicht noch nicht in diesem Ausmaß, aber das wird sicher noch kommen. Und es gibt da – wie meistens im Leben – eine positive und eine negative Seite. Das Positive an der technischen Entwicklung ist zum Beispiel, dass wir viel schneller und effizienter miteinander kommunizieren können. Und wenn wir skypen, sehen wir uns dabei sogar über alle Ozeane hinweg. Ich finde auch die sogenannten „sozialen Medien“ wie SnapChat, Facebook oder Twitter gut.

Als ich noch Gouverneur war, haben wir in Kalifornien viele dieser Dinge auf den Weg gebracht. Wir haben die Informationspolitik im Gesundheitswesen reformiert. Jetzt kann jeder, wenn er beim Arzt oder im Krankenhaus ist, seine Krankenakte einsehen, wo auch die Medikamente verzeichnet sind, die er einnehmen muss. Sie glauben gar nicht, wie viele Leute durch falsch verabreichte Medikamente sterben. Jährlich über 1000 allein in Kalifornien. Und natürlich wurden auch unsere Bank- und Geldgeschäfte schneller und einfacher gemacht.

So weit das Positive, aber …

Aber man muss mit diesen Dingen eben auch verantwortungsvoll umgehen. Wenn man die modernen Kommunikationsmöglichkeiten vorsätzlich missbraucht, kann man ein furchtbares Desaster anrichten. Darum geht es ja auch in den „Terminator“-Filmen. Da sieht man sehr deutlich die katastrophalen Folgen, wenn Maschinen sich ihrer selbst bewusst werden und aus dem Ruder laufen.

Schwarzenegger will Erderwärmung stoppen

Haben Sie die Schauspielerei vermisst, als Sie Gouverneur waren? Und vermissen Sie jetzt die Politik?

Als Politiker wurde ich ja auch fast jeden Tag gefilmt. Und auch da habe ich Pressekonferenzen gegeben und bin interviewt worden. Der Wahnsinn ging also weiter (lacht). Dass ich nicht mehr in fremde Charaktere schlüpfen konnte, das habe ich überhaupt nicht vermisst. Mein ganzes Leben hat sich damals nur um die Politik gedreht. Das war Herausforderung genug.

Und heute dreht sich alles wieder ums Filmemachen?

Nein. Sicher nimmt die Schauspielerei wieder mehr Platz in meinem Leben ein. Aber ich verbringe auch viel Zeit im USC Schwarzenegger Institute – eine Art Thinktank an der Universität von Kalifornien –, das sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erderwärmung zu stoppen. Außerdem engagiere ich mich bei der österreichischen Umweltschutz-Initiative R 20, kümmere mich um Schulbetreuungs-Programme und natürlich auch um meine eigenen Geschäfte.

Im nächsten Abschnitt spricht Arnold Schwarzenegger über eine mögliche Rückkehr in die Politik und den amerikanischen Traum.

Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal in die Politik zurückzugehen?

Nein, denn das Amt, das mich da noch reizt, darf ich nicht ausüben.

Präsident der Vereinigten Staaten?

Ja, man muss leider in den USA geboren sein, um Präsident zu werden. Und Senator oder Bürgermeister zu sein, das fände ich total uninteressant.

Aufregendste Zeit als Politiker

Was war denn Ihre aufregendste Zeit: die als Bodybuilder, Filmschauspieler oder Politiker?

Ganz eindeutig meine Zeit als Politiker. Da hatte ich ja die Macht, Dinge wirklich bewegen zu können und für die Menschen da sein zu können. Ich habe nämlich mein Gouverneurs-Amt so verstanden, dass ich Diener der Menschen im Staate Kalifornien sein sollte. Aus diesem Grund mag ich auch das Wort „Politiker“ überhaupt nicht. Denn viele Politiker haben nur ihre eigenen Interessen oder die ihrer Partei und ihre eigene Karriere im Sinn. Und tun nichts für die, die sie gewählt haben.

Und Sie haben das anders gemacht?

Ja, ich habe immer versucht, ein guter Chef zu sein, dessen Ziel es war, beide Parteien für das Wohl des Volkes zusammenzubringen.

Sehen Sie sich eigentlich als die Verkörperung des amerikanischen Traums?

Ja, ohne den geringsten Zweifel. Aber das war nie mein Ziel.

Was denn dann?

Meinen Träumen zu folgen – und sie zu verwirklichen. Als ich Ende der 60er Jahre nach Amerika ging, habe ich sehr schnell gesehen, dass das wirklich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist. Wenn man bereit ist, hart zu arbeiten, kann man dort wirklich seine Ziele erreichen. Und da ich damals die fixe Idee hatte, „Mr. Universum“ zu werden, war Kalifornien genau das Richtige für mich. Ich wollte ein Bodybuilding-Champion werden, und ich wollte zum Film. Das Mekka der Filmindustrie ist Hollywood und das liegt in Los Angeles. „Muscle Beach“ ist am Strand von Venice – in Los Angeles. Mein Ziel war also klar. Dort gab es die besten Fitness-Trainer und die besten Leute, die Filme machten. Und mit viel Blut, Schweiß und Tränen habe ich es dort geschafft.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Arnold Schwarzenegger über Ruhm, Geld und sein Alter

Sind die USA immer noch das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“?

Ohne Zweifel. Jeder, der sich dort richtig ins Zeug legt, kann es immer noch zu etwas bringen. Und es gibt in den USA kaum jemanden, der einem den Erfolg neidet. Wenn Sie in Amerika zu jemandem sagen: „Ich habe gerade meine erste Million gemacht“, dann geht er nicht los und zerkratzt ihr Auto. Was, wie ich höre, in Deutschland durchaus vorkommen kann. In den USA feiern sie diejenigen, die Erfolg haben, mit Champagner!

Ist Ihnen das tatsächlich passiert?

Ja, als ich meine erste Million gemacht habe, wurde ich in meinem Fitness-Studio mit Champagner und Kuchen gefeiert. Damals war das Haus, das ich für 200 000 Dollar gekauft hatte, plötzlich 1,4 Millionen Dollar wert. Da war ich gerade mal 25 – und schon Millionär.

Da war wirklich niemand, der darauf neidisch reagiert hat?

Nicht, dass ich wüsste. Im Gegenteil. Das hat die Leute eher angespornt, mit mir gleichzuziehen. In Deutschland hingegen ist es doch völlig uncool, es an die große Glocke zu hängen, wenn du erfolgreich bist. Oder deine Luxus-Autos zu zeigen. Ein Freund von mir hat vor kurzem eine Schwedin geheiratet und will mit ihr nach Schweden ziehen. Und er wollte natürlich auch seinen großen BMW dorthin mitnehmen – wovon ihm seine Frau dringend abgeraten hat. Sie riet ihm eher zu einem Gebrauchtwagen, damit würden sie sich besser in die Gemeinschaft einfügen. Verrückt, nicht?

Fahren Sie immer noch mit Ihrem Hummer durch Los Angeles?

Ja, natürlich. Und ich habe vier Hummer.

Womit betanken Sie Ihre Hummer?

Einen mit Wasserstoff, der ist extrem umweltfreundlich. Und die anderen laufen mit Biodiesel.

Als Terminator haben Sie den schönen Einzeiler „I’m old, but not obsolete“ (Ich bin alt, gehöre aber noch nicht zum alten Eisen). Wie kommt Arnold Schwarzenegger damit klar, in zwei Jahren 70 zu werden?

Das ist für mich überhaupt kein Problem. Ich muss mir körperlich nichts mehr beweisen. Ich versuche nur, so gut ich kann, in Form zu bleiben. Ich mache jeden Tag Work-out. Ich stemme Gewichte, mache Cardio-Muskel-Training, laufe, schwimme, ich fahre zusammen mit meiner Freundin Fahrrad, ich bin also immer aktiv. Wenn man seinen Körper in Schuss hält, heißt das zwar nicht unbedingt, dass man länger lebt. Aber man ist eben fitter und kann das Leben auch noch im hohen Alter genießen. Ich kann mich noch gut an meine Kindheit in Österreich erinnern. Da saßen die Leute schon mit 65 nur noch auf der Bank oder gingen am Stock. Heute fahren sie mit 80 noch Ski.

Ist das nur der Wille zur Fitness, oder spielt da auch die moderne Medizin eine Rolle?

Aber natürlich. Ganz klar. Als meine Hüfte kaputt war, habe ich mir einfach eine neue einsetzen lassen. Und sollten meine Knie mal nicht mehr mitmachen, dann lasse ich sie mir eben auswechseln. Als ich mir die Schulter verletzt hatte, ließ ich mich operieren, und jetzt ist sie wieder wie neu. Und auch nach meiner Herzoperation konnte ich wieder all das machen, was ich mit 40 gemacht habe.

Im nächsten Abschnitt spricht Arnold Schwarzenegger über seine Sprachgewohnheiten

Warum geben Sie eigentlich – auch hier in Deutschland – Ihre Interviews in englischer Sprache?

Weil ich mir das so angewöhnt habe und weil ich Deutsch nur privat spreche.

Träumen Sie in Englisch oder auf Deutsch?

Meist spreche ich in meinen Träumen Englisch. Wenn es aber um Zahlen geht, denke ich auf Deutsch. Addieren, multiplizieren, teilen – das geht auf Deutsch viel schneller. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich von meinen Eltern immer zum Kopfrechnen angehalten wurde. Sie haben mich damit regelrecht getriezt. Und als wir zu meiner Zeit als Gouverneur den Haushaltsplan durchgerechnet haben, konnten die mir mit ihren Taschenrechner nichts vormachen. Ich habe jeden Fehler sofort gefunden.

Das Gespräch führte Ulrich Lössl