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Kahlschlag bei DB Cargo Stellenabbau beim Güterunternehmen der Deutschen Bahn wird auch Sachsen-Anhalt treffen

In Halle hat DB Cargo im vergangenen Jahr schon zahlreiche Jobs gestrichen, nun könnten es noch mehr werden. Die Gütertochter der Deutschen Bahn will bundesweit fast die Hälfte ihrer Arbeitsplätze streichen. Der Logistiker muss sich wegen schwacher Nachfrage neu aufstellen. Wie das Sachsen-Anhalt trifft.

Aktualisiert: 19.02.2026, 17:01
Güterwaggons stehen unter hunderten LED-Lichtern im Güterbahnhof in Halle/Saale. (zu dpa: «DB Cargo beschließt Umbau: 2.300 Stellen sollen wegfallen»)
Güterwaggons stehen unter hunderten LED-Lichtern im Güterbahnhof in Halle/Saale. (zu dpa: «DB Cargo beschließt Umbau: 2.300 Stellen sollen wegfallen») dpa

Halle/Berlin/DPA/MZ.  - Der neue Chef der seit Jahren kriselnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, Bernhard Osburg, hat den Abbau von fast der Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland angekündigt.

Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen hierzulande sollen 6.200 wegfallen, sagte Osburg. Das betreffe fast alle Bereiche, etwa Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT.

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2025 hat DB Cargo bereits 400 Jobs in Halle gestrichen

Auch für Sachsen-Anhalt werde das Konsequenzen haben, wie Ronald Kampe, der stellvertretende Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokführer in Mitteldeutschland, auf Anfrage mitteilte.

„Wir haben noch kein offizielles Statement von der Deutschen Bahn dazu erhalten“, sagte Kampe am Donnerstagnachmittag. Überraschend sei die Nachricht nicht gekommen. Er vermutet, dass der Osten Deutschlands stärker von dem Stellenabbau betroffen sein wird, da in der Region weniger Strecken des Güterverkehrs verlaufen.

Im vergangenen Jahr sind in Halle am großen Rangierbahnhof bereits 400 Jobs bei DB Cargo gestrichen worden. Ende Dezember 2024 waren es laut der Bahn noch 1.200 Mitarbeiter, die in der Stadt für die Gütersparte des Konzerns gearbeitet haben.

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DB Cargo liegt mit zweistelligem Millionenbetrag im Minusbereich

Der nun geplante Stellenabbau ist Teil eines Umstrukturierungsplans, mit dem Osburg das verlustreiche Unternehmen wieder in die Spur bringen will. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben. Sonst droht das Aus.

Das operative Minus belief sich Osburg zufolge im vergangenen Jahr noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Schon Osburgs Vorgängerin, Sigrid Nikutta, wollte den Konzern neu aufstellen, musste aber gehen, nachdem ihr Sanierungskonzept in einem externen Gutachten durchgefallen war.

Osburg betont nun, eine Strategie bis zum Jahr 2030 vorgelegt zu haben. Die gutachterliche Bestätigung wird für Ende Februar erwartet. In dieser Woche wurden die Beschäftigten sowie der Aufsichtsrat von DB Cargo informiert.

Neuer Chef von DB Cargo, Bernhard Osburg, will Fokus auf europäisches Ausland legen

Der Sanierungsplan des früheren Stahlmanagers besteht aus vier Säulen: Weil die Nachfrage im Güterverkehr in Deutschland bei den Hauptkunden aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl immer schwächer wird, will Osburg den Fokus aufs europäische Ausland legen. „Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus“, betonte er.

Die zweite Säule besteht aus Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Die Maßnahmen dafür umfassen unter anderem den Wegfall von 4.000 Arbeitsplätzen, einer schlankeren Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark.

Neuausrichtung des Einzelwagenverkehrs: Wie Rangieranlage in Halle weiter betrieben wird ist noch unklar

Weitere 2.000 Stellen fallen im sogenannten Einzelwagenverkehr weg, der neu aufgestellt werden soll. Das ist die dritte Säule im Konzept. Bei dieser Verkehrsart werden einzelne Wagen bei Industriekunden abgeholt und auf großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt.

Am Zielort werden sie wieder auseinandergenommen und die Waggons zum Endkunden weitertransportiert. Osburg will die sogenannte Zugbildung künftig an vier Hauptstandorten – Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg – konzentrieren.

Fünf weitere Rangieranlagen sollen als nachgelagerte Standorte betrieben werden mit einer flexibleren Auslastung. Dazu gehört laut Gewerkschaftsangaben auch Halle. Wie viele Stellen in Halle künftig benötigt werden, ist noch offen. Von derzeit 27 Instandhaltungswerken wiederum sollen zwölf geschlossen oder verkauft werden. Betroffen davon ist auch Magdeburg, wie bereits im Sommer 2025 bekannt wurde.

EVG will um jeden Arbeitsplatz kämpfen

Die vierte Säule betrifft die Unternehmenskultur. Der neue Chef will mehr Verantwortungsgefühl bei den zuständigen Entscheidern in der Fläche und verbindliche Pläne zur Umsetzung des neuen Konzepts. Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt und das Konzept nach und nach in die Umsetzung gehen, so Osburg.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die mit Nikutta bittere Kämpfe über deren Sanierungskonzept geführt hatte, befürwortet Osburgs Ausrichtung auf den europäischen Markt. „Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen“, teilte EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay mit.

Über den Weg dahin sei sich die Gewerkschaft aber nicht mit dem neuen Vorstand einig. Es werde um jeden Arbeitsplatz gekämpft.