Sturm über Sachsen-Anhalt Sturm über Sachsen-Anhalt: Ein Toter und hoher Sachschaden

Halle/Magdeburg/dpa. - Ein Toter, blockierte Straßen undmehrere 100 000 Euro Sachschaden sind die Bilanz des Orkantiefs«Emma», das am Wochenende über Sachsen-Anhalt hinweggefegt ist. WegenSeitenwindes, Hagelschauern und einer Sichtweite von unter 50 Meternhabe ein 48-jähriger Berliner am Samstagmorgen auf der Autobahn 9 dieKontrolle über sein Fahrzeug verloren, sagte ein Polizeisprecher amSonntag. Der Mann war mit seinem Transporter Richtung Berlinunterwegs, als sich der Unfall nahe der Anschlussstelle Leipzig-Westereignete.
Der Wagen prallte mehrmals auf die Mittelschutzplanke und einweiteres Auto. Durch den Aufprall wurde der Fahrer desKleintransporters aus dem Fahrzeug geschleudert und schwer verletzt.Er starb wenig später im Krankenhaus. Der andere Fahrer bliebunverletzt.
Am Sonntag tobte «Emma» mit 159 Stundenkilometern am heftigstenauf dem Brocken im Harz. Bereits am Samstag hatte KrisenstabsleiterFrank Henning im Landesverwaltungsamt in Halle aber Entwarnunggegeben: «"Emma" ist noch lange nicht so kraftvoll wie "Kyrill"gewesen.»
Die Polizeisprecher meldeten umgeknickte Bäume, umgerisseneTelefon-, Licht- und Ampelmasten sowie Schäden an Hausdächern undAutos. In Magdeburg überstand eine hochschwangere Beifahrerin denAufprall ihres Autos auf einen plötzlich umgestürzten Baumunverletzt. Die 25-Jährige Schwangere aus dem Landkreis Börde kam zurVorsorge in eine Klinik. Die Schwangere und das Kind im Mutterleibseien wohlauf. In Möser (Landkreis Jerichower Land) begrub einumgestürzter Baum ein Auto unter sich. Dort wurde auch eine RotteWildschweine durch den Orkansturm aufgeschreckt und lief plötzlichüber die Bundesstraße 1. Zwei Autofahrer konnten einen Zusammenprallmit mehreren Tieren nicht verhindern.
Vielerorts wurden Verkehrsschilder umgeworfen oder verdreht undStraßenabschnitte wegen loser oder herabhängender Dachteile gesperrt.Das Orkantief «Emma» hat auch die Planungen der ZDF-Sendung «Wetten,dass..?» in Halle durcheinandergewirbelt. Das Gelände der Messe Hallewar laut Stadtsprecher nur über eine Umleitung zu erreichen.
Tausende Sachsen-Anhalter waren zeitweise vom Strom abgeschnitten.Beim Stromanbieter E.on-Avacon sind nach Sprecherangaben insgesamtsieben Mittelspannungsleitungen gestört gewesen. «Das waren alleskleinere Störungen, nichts fleckendeckendes, sehr lokal begrenzt»,sagte E.on-Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel. Nach maximal anderthalbStunden sei die Störung wieder behoben gewesen. Wie viele Kunden ohneStrom gewesen seien, konnte sie nicht sagen. In Sachsen-Anhalt warenOrte in den Landkreisen Mansfeld-Südharz, Stendal, Salzwedel undJerichower Land betroffen. Bei der Envia Mitteldeutsche Energie AG(EnviaM) Chemnitz waren 4074 Haushalte von einer kurzfristigenStromunterbrechung betroffen.
Im Januar 2007 hinterließ der Orkan «Kyrill» eine Schneise derVerwüstung. Ein Mann starb. Auf dem Brocken im Harz wurden damalsWindgeschwindigkeiten von fast 200 Stundenkilometern gemessen.Versicherer schätzen die Schäden auf europaweit 3,5 Milliarden Euro.
Nach Messungen des Wetterdienstes Meteomedia erreichte der Orkan«Emma» auch im Flachland Windspitzen von fast 120 Stundenkilometern.In Mücheln waren es 119 Stundenkilometer, im Kabelsketal 117. Dortstürzte die Giebelwand eines Hauses ein. Der Stromanschluss wurdedadurch auf die Straße geschleudert. «Durch die Gewitterfront miteinem Fallwind sind die Windstärken regional sehr unterschiedlichverteilt, fast schon wie bei einem Sommergewitter, wo es solcheSchneisen gibt», sagte Meteorologe Michael Beisenherz. Am stärkstensei «Emma» mit 222 Stundenkilometern auf dem Wendelstein in den Alpengewesen. Mit Sturmböen müsse weiter gerechnet werden. Ab Mittwochdreht die Wetterlage laut Meteomedia-Prognose von Herbst auf Winter:Schnee bis in die Tieflagen.