Von Schleusen und BombenVon Schleusen und Bomben: Zwangspause für die MS Sanssouci

Mukrena - Eigner und Kapitän Peter Grunewald, sonst eher ein Gemütsmensch, geriet aus dem Häuschen, als man ihn über die Sperrung der Schleuse Hohensaaten informierte. Das bedeutete für seine Gäste eine vorzeitige Ausschiffung und für ihn herbe finanzielle ...

Von Peer Schmidt-Walther 15.11.2019, 12:56

Eigner und Kapitän Peter Grunewald, sonst eher ein Gemütsmensch, geriet aus dem Häuschen, als man ihn über die Sperrung der Schleuse Hohensaaten informierte. Das bedeutete für seine Gäste eine vorzeitige Ausschiffung und für ihn herbe finanzielle Verluste.

Fast drei Wochen lag die „Sanssouci“ in der Oderstadt Schwedt fest. Die Besatzung wurde bis auf eine Wachmannschaft in den Urlaub geschickt. Erst am vergangenen Dienstag konnten die Leinen wieder losgeworfen werden zur Weiterfahrt: durch das alte Schiffshebewerk Niederfinow - das nebenan neu gebaute wird voraussichtlich erst 2021 in Betrieb gehen - weiter nach Westen über den Oder-Havel-Kanal.

Über die Lebensader Berlins

Die Lebensader Berlins nach Stettin ist am 11. November bei Kilometer 25 in der Nähe von Oranienburg vollkommen gesperrt worden. Auf einem Satellitenbild wurde eine Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt. Um Vibrationen durch Schiffsschrauben zu vermeiden, wird Binnenschiffen die Passage untersagt. Aus früheren Entschärfungen von Blindgängern weiß man, dass das länger dauern kann als bei einer Bombenbeseitigung fernab vom Wasser.

Kapitän Grunewald ist schon froh, dass ihn dieses Ereignis nicht auch noch heimgesucht hat. In langsamer Fahrt wird die Fundstelle passiert und die Oberhavel im West-Berliner Stadtteil Heiligensee angesteuert.

Kurz vor der Einfahrt in den Niederneuendorfer See dreht die „Sanssouci“ nach Steuerbord in den 35 Kilometer langen Havel-Kanal ein, der Anfang der 1950er Jahre als „Kanal des Friedens“ von der DDR gebaut worden war, um West-Berlin und auch die damals zu kleine Schleuse Spandau zu umgehen. Jetzt ist sie vergrößert, doch für mehr als ein Jahr wegen Reparaturarbeiten gesperrt. Damit fällt das Bunkern von Treibstoff in West-Berlin aus.

„Wir hätten heute noch mit Radar und Scheinwerfern ein ganzes Stück weiterfahren können.“

Rote Lampen voraus! An den Pfählen vor der Schleuse Schönwalde, auf halber Strecke, wartet schon ein Binnenfrachter. Weiterfahrt heute nicht mehr möglich, weil es angeblich keinen Schleusenwärter für die Schicht ab 13 Uhr gibt. Grunewald sitzt vor seinem Laptop und kann nur noch den Kopf schütteln über diese lapidare Mitteilung. „Wir hätten heute noch mit Radar und Scheinwerfern ein ganzes Stück weiterfahren können“, meint er, muss sich aber zähneknirschend den Verhältnissen fügen.

Da helfen erst mal nur ein Bier und Geduld. Aber er nutzt auch die Zeit für eine Mitarbeiterbesprechung, um die kommende Reise zu planen. Schließlich soll am übernächsten Tag an Bord auch eine Hochzeit stattfinden, zu der das Schiff pünktlich in Magdeburg erwartet wird.

Am nächsten Morgen deckelt pottendicker Nebel den Kanal, so dass nicht mal mehr das Vorschiff zu sehen ist. Zum Glück geht der Frachter als erster in den Schleusentrog, denn schon eine halbe Stunde später hebt sich der Schleier allmählich. „So können wir die Brücken mit ihren störenden Mittelpfeilern, die mal wegen der Panzer gebaut wurden, besser anpeilen und passieren“, sagt Grunewald.

Das dann folgende Überholmanöver mit dem langsamen Frachter gerät zu einer Zitterpartie, denn wie leicht können sich zwei große Schiffe dabei ansaugen und kollidieren. Aber alles geht gut.

Stippvisite in Brandenburg

Am Nachmittag reicht die Zeit noch für die dreistündige Übernahme von 32 Kubikmetern Wasser im Stadthafen Brandenburg und für die Crew zum Ortsrundgang. Die Schleuse wird problemlos passiert. Glutrot versinkt die Sonne voraus im Plauer See. Doch dann naht am Beginn des Elbe-Havel-Kanals die Schleuse Wusterwitz. „Unglaublich“, sagt der Kapitän, „dass die neue Schleuse gleich nach der Eröffnung im vergangenen Jahr wieder geschlossen wurde - wegen Betonkrebs. 240 Millionen buchstäblich in den Sand gesetzt!“

Nach 250 Fluss- und Kanalkilometern erreicht das Motorschiff hinter der Mammutschleuse Hohenwarthe und der Fahrt über die dünn dahinplätschernde Elbe das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Am Nachmittag feiern dann die Hochzeitsgäste unbeschwert. Ein bisschen natürlich auch die Crew.

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Am 25 November wird die „Sanssouci“ von Hannover aus in ihr Winterlager in Mukrena starten. (mz)