Schadelebener Bärenpraxis gerettet

Schadelebener Bärenpraxis am Friedhofsweg ist gerettet: Stamm-Patienten können wieder aufatmen

Schadeleben - Die Schadelebener Bärenpraxis ist gerettet. Warum die Kassenärztliche Vereinigung sie nun in Eigenregie betreibt.

Von Regine Lotzmann
Die Schadelebener Arztpraxis gibt es seit 50 Jahren. Und sie wird auch weiterhin ihre Pforten für Patienten öffnen. Denn die Kassenärztliche Vereinigung betreibt sie nun in Eigenregie.

A_Schadeleben Wer übernimmt die Arztpraxis?Michael Volta ist mehr als erleichtert. Dass die Schadelebener Bärenpraxis weitergeführt werde, sei alles andere als selbstverständlich, sagt der Sohn des ehemaligen Inhabers Frank Volta, der vor einem Jahr überraschend starb und gleich mehrere Orte ohne Hausarzt hinterlassen hat.

Der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KV), die sich seit vergangenem Juni intensiv um einen Nachfolger bemühte und die Praxis nun seit Montag in Eigenregie betreibt, ist er deshalb dankbar. „Uns ist es wichtig, dass die Leute aufatmen und sagen können: Wir haben einen Arzt. Das ist viel wert.“

Schadelebener Bärenpraxis gerettet: Eigeneinrichtung ist etwas Seltenes

Die Kassenärztliche Vereinigung sieht diese Lösung als „ultima ratio“, als letztes mögliches Mittel, um ihre Versicherten medizinisch zu versorgen.

Dass diese Eigeneinrichtungen etwas wirklich Seltenes, also die Ausnahme sind, zeigen die Zahlen. Nur zwölf solcher Praxen gibt es in ganz Sachsen-Anhalt. In Mansfeld-Südharz, dem Bördekreis, in Magdeburg, der Altmark und im Harz.

Freiberufliche Ärzte oder Medizinische Versorgungszentren seien immer die erste Wahl, sagt KV-Sprecher Bernd Franke. „Erst wenn die nicht vorhanden oder in der Lage sind, die Versorgung sicherzustellen, kommen Eigeneinrichtungen in Betracht.“

Und leicht hat es sich die Kassenärztliche Vereinigung wirklich nicht gemacht. „Nach dem tragischen Tod des Praxisinhabers ist es weder den Erben noch uns durch zahlreiche Maßnahmen gelungen, Interessenten zu finden“, gibt Franke zu und spricht von bundesweiten Ausschreibungen und einer Mindestumsatzgarantie. Auch ein Vertretungsarzt, den die KV gefunden hatte, wollte nicht für immer bleiben. Den Erben gelang es ebenfalls nicht, einen jungen Mediziner für Schadeleben zu begeistern.

Schadelebener Bärenpraxis gerettet: Deutschlandweit Ärztemangel, aber Mediziner helfen

„Das verwundert freilich kaum, angesichts eines deutschlandweit mittlerweile dramatischen Ärztemangels, dem auf politischer Ebene erst seit Kurzem und noch recht zögerlich begegnet wird“, findet Michael Volta, der dafür das engagierte Praxisteam und den treuen Patientenstamm lobt.

Wie es mit der Praxis in Schadeleben, die es nun schon seit 50 Jahren gibt, weitergeht? „Zunächst helfen verschiedene Ärzte, zu unterschiedlichen Zeiten, die hausärztliche Versorgung für die Patienten zu übernehmen“, so der KV-Sprecher.

Das bedeutet, dass es die Kranken mit verschiedenen Ärzten zu tun haben werden. „Wir hoffen jedoch, dass unsere nach wie vor stattfindenden Anwerbungsversuche mittelfristig auch in einer personellen Kontinuität münden.“ Das Wichtigste sei aber, dass die Praxis nicht geschlossen werden müsse.

Schadelebener Bärenpraxis gerettet: Ärzte in umliegenden Orten sind ausgelastet

„Wir sind deshalb sehr froh, dass es Ärztinnen und Ärzte gibt, die sich aus Verantwortungsbewusstsein und vor dem Hintergrund einer angespannten Versorgungslage zur Verfügung stellen“, sagt Bernd Franke.

Denn die Ärzte in den umliegenden Seeland-Orten, die selbst stark ausgelastet sind, hätten den Ansturm der arztlosen Patienten nicht bewältigen können. Seien doch nicht nur Schadelebener in der Bärenpraxis behandelt worden, sondern auch Froser und Friedrichsauer.

„Und die Leute haben uns die Treue gehalten. So schwer dieses Jahr auch war - und das war es -, aber es ist eine wohltuende Erfahrung“, findet Michael Volta.

Auch Schadelebens Ortsbürgermeister Alfred Malecki spricht von einer positiven Überraschung, zumal viele kleine Orte in den vergangenen Jahren ihre Arztpraxen verloren hätten. Nachfolger würden sich für diese Regionen einfach nicht finden.

„Ich bin froh, dass es hier weitergeht“, sagt er und dankt allen, die daran ihren Anteil hatten. Ebenso wie Seeland-Bürgermeisterin Heidrun Meyer. „Ich finde das toll, dass das so unheimlich reibungslos passiert ist“, sagt sie. Den Einsatz der Kassenärztlichen Vereinigung könne man nicht hoch genug einschätzen.

Schadelebener Bärenpraxis gerettet: Ein Stück Lebensqualität ist wieder eingezogen

Die Bürgermeisterin sieht die ärztliche Versorgung als ein Stück Lebensqualität für die Bürger - vor allem auf dem Land. „Mit der Bärenpraxis verfügt Schadeleben auch in Zukunft über einen Standortvorteil, der im ländlichen Raum zunehmend weniger selbstverständlich wird“, pflichtet Michael Volta ihr bei. „Das ist kein Glück, das vom Himmel fällt, da haben viele Leute hart daran gearbeitet.“ (mz)