Hundehaltung in Könnern

Hundehaltung in Könnern: Gefährlichkeit wird jetzt richtig teuer

Könnern - Wer hierzulande einen Hund hält, muss nicht nur für Futter, Unterkunft und Auslauf sorgen, sondern ist auch steuerpflichtig. Es ist das einzige Haustier, für das Städte und Gemeinden in Deutschland Geld verlangen dürfen. Allein im ersten Halbjahr 2019 kassierten die Kommunen in Sachsen-Anhalt laut Daten des Statistischen Bundesamtes rund fünf Millionen ...

Von Torsten Adam 14.10.2019, 06:48

Wer hierzulande einen Hund hält, muss nicht nur für Futter, Unterkunft und Auslauf sorgen, sondern ist auch steuerpflichtig. Es ist das einzige Haustier, für das Städte und Gemeinden in Deutschland Geld verlangen dürfen. Allein im ersten Halbjahr 2019 kassierten die Kommunen in Sachsen-Anhalt laut Daten des Statistischen Bundesamtes rund fünf Millionen Euro.

Wie tief Hundehaltern in die Tasche gegriffen wird, ist abhängig von Wohnort und Rasse ihres Lieblings. Auch innerhalb des Altkreises Bernburg variiert die Hundesteuer zum Teil erheblich.

Stadt will von der Haltung bestimmter Hunderassen abschrecken

Die chronisch klamme Stadt Könnern will nun, sofern der Stadtrat das Konsolidierungskonzept beschließt, die Abgaben ab nächstem Jahr verteuern: von 36 auf 50 Euro pro Tier. Sogenannte gefährliche Hunde - zu ihnen zählen in Sachsen-Anhalt die vier Rassen Pit-Bullterrier, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier sowie Vierbeiner mit Beißvorfall - sollen künftig statt 72 Euro satte 500 Euro kosten. Die Stadt will damit wie anderenorts auch bewusst von der Haltung dieser Hunde abschrecken.

Derartige Strafsteuern sind in der Region indes kein Novum. Im Gegenteil. Plötzkau und Alsleben verlangen 550 Euro für gefährliche Hunde. Die Stadt Nienburg nimmt für den ersten 440 Euro, für jeden weiteren sogar 770 Euro und hat die Liste gefährlicher Hunde gleich auf zwölf Rassen und deren Kreuzungen ausgedehnt.

„Wir haben uns bewusst für dieses Modell entschieden, weil sonst zu befürchten ist, dass manche Leute ihre Hunde gar nicht erst anmelden“, sagte Wolfgang Knopf, Sprecher der Stadtverwaltung, zum Einheitspreis

Die Stadt Bernburg geht als einzige einen anderen Weg. Hier kostet jeder Vierbeiner, unabhängig von Rasse oder früheren Beißvorfällen 60 Euro im Jahr. „Wir haben uns bewusst für dieses Modell entschieden, weil sonst zu befürchten ist, dass manche Leute ihre Hunde gar nicht erst anmelden“, sagte Wolfgang Knopf, Sprecher der Stadtverwaltung, auf MZ-Nachfrage. 60 Euro aber könne sich jeder leisten. Angesichts von rund 2.300 angemeldeten Hunden kommt auch so ein hübsches Sümmchen zusammen.

Der finanzielle Effekt in Könnern ist überschaubar. Laut Verwaltung sind bisher lediglich zehn gefährliche Hunde gemeldet. Mit den höheren Steuern würden der Stadtkasse jährlich 4.280 Euro mehr zufließen. Vorausgesetzt, die bisherigen Halter geben ihre Tiere nicht ab. SPD-Stadtrat Martin Zbyszewski ist nicht ganz überzeugt: „Wir sind uns in der Fraktion uneins über die hohe Summe“, sagte er im Finanzausschuss.

Gleichwohl ist Könnern aufgrund der angespannten finanziellen Situation gezwungen, jegliche Einnahmemöglichkeit auszuschöpfen, erklärte Bürgermeister Mario Braumann (parteilos). Ansonsten könne sich die Kommune Fördermittel vom Land abschminken. (mz)