Vereinen fehlt sicherer Geldzufluss

Ehemaliger HFC-Präsident Michael Schädlich ist zu Gast in Alsleben

Die Vereine machen Sozialarbeit. Warum deshalb die Politik in der Pflicht steht.

Von Andreas Braun 19.09.2021, 15:00
Michael Schädlich (links) und Dieter Käferhaus diskutierten in Alsleben auf dem Sportplatz über die Bedeutung der Vereine.
Michael Schädlich (links) und Dieter Käferhaus diskutierten in Alsleben auf dem Sportplatz über die Bedeutung der Vereine. Foto: Andreas Braun

Alsleben/MZ - Welche Bedeutung haben Vereine? Zu dieser Frage war Michael Schädlich nach Alsleben gekommen, um mit Vereinsvertretern und Mitgliedern aus dem Stadtrat und der Verwaltung auf dem Sportplatz des FSV Rot-Weiß Alsleben zu diskutieren.

Michael Schädlich war von 2002 bis zu seinem Rücktritt im Dezember 2018 Präsident des Halleschen FC, führte den Club 2011 in die neue Heimstätte Erdgas-Sportpark und 2012 in die 3. Liga. Eingeladen hatte der CDU-Bundestagskandidat Frank Wyszkowski zu einem Talk „Sport trifft Politik“.

Ein Treff für Menschen aus der ganzen Gesellschaft

Schädlich nimmt gerade die Politik in die Pflicht. „Vereine machen Sozialarbeit. In Sportvereinen sind aus der ganzen Gesellschaft Menschen, die sich hier treffen“, sagt Schädlich, der 1954 im Vogtland geboren wurde, aber seit 1976 in Halle lebt. Er weiß, wovon er redet, kennt nicht nur die Seiten des Profifußballs, sondern auch, wie die Arbeit in den Vereinen aussieht. Das ist Arbeit mit Menschen, meist jungen Menschen, die hier eine Heimat finden. Denn bei weitem sind es nicht nur junge Menschen aus einem intakten Elternhaus.

Das konnte Anja Twietmeyer, Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion und der Geschäftsführung der Saalemühle bestätigen. „Ich kenne einen Fall, bei dem ein Junge, der echt Schwierigkeiten hatte sich einzuordnen, hier im Fußballverein einen guten Weg eingeschlagen hat.“ Doch wie ist es um die Sicherheit der Vereine bestellt, fragte Wyszkowski in die Runde. Und hier stellte sich ein nicht gerade rosiges Bild dar. In Alsleben gibt es zwischen Fußballverein und Stadt keinen Vertrag zur Nutzung der Sportstätte. „Ich kann das nicht unterschreiben“, sagt Markus Güldenpfennig, Vereinsvorsitzender des FSV Rot-Weiß Alsleben, Trainer und Spieler. Teile des Gebäudes seien marode. Da könne er keine Verantwortung übernehmen.

Fördertöpfe helfen allerdings nur bedingt

Doch die Stadt als Eigentümer des Geländes und des Gebäudes hat kein Geld. Die Stadt, sagt Alexander Siersleben (CDU), Alslebens Bürgermeister, sei in der Konsolidierung und jede Ausgabe werde genauestens geprüft. Hoffnung setze man auf Förderprogramme. Doch auch hier müsse man einen Eigenanteil erbringen, sagt Siersleben.

Fördertöpfe, das könne nicht die alleinige Lösung sein, so Wyszkowski. Was den Vereinen fehle, sei eine sichere und kontinuierliche Finanzausstattung. In der Runde war man sich einig, dass das nur gehe, wenn die Kommunen so mit Geldmitteln ausgestattet würden, dass sie von sich aus Vereine - nicht nur aus dem Sport - unterstützen können. Zudem müsse die gesellschaftliche Verantwortung, die Vereine übernehmen, honoriert werden.

Für Anja Twietmeyer beginnt das aber schon, wenn man diejenigen, die sich in den Vereinen einbringen, mehr Wertschätzung entgegenbringt. „Es könnte über Steuerentlastungen nachgedacht werden für Menschen, die arbeiten und sich dann noch in Vereinen engagieren“, sagt die Stadträtin. Für Dieter Käferhaus, der Jahrzehnte die Geschicke von Serum Bernburg mitgestaltet hat, ist das ein wesentlicher Punkt. Es sei wichtig, die Leute bei der Stange zu halten. Wenn da etwas einbreche, wie bei Corona, könne man das schwer wieder aufbauen. Serum Bernburg habe über 100 Mitglieder verloren, da man in der Vereinsarbeit eingeschränkt war, so der 84-jährige Bernburger.