Serie von Wald- und Feldbränden

Was hat die Hitze mit den vielen Bränden zu tun?

Mehrfach täglich brennt es derzeit in Sachsen-Anhalt – meist sind Felder oder Wälder betroffen. Oft wird die Sommerhitze als Ursache genannt. Grundsätzlich ist das falsch – trotzdem spielt die Hitze bei den aktuellen Bränden oft eine entscheidende Rolle.

27.07.2022, 12:31
Immer wieder brennt es derzeit auf Feldern oder in Wäldern. Dabei spielt auch die Sommerhitze eine wichtige Rolle.  
Immer wieder brennt es derzeit auf Feldern oder in Wäldern. Dabei spielt auch die Sommerhitze eine wichtige Rolle.   Foto: Jan Woitas/dpa/Archivbild

Magdeburg/Halle (Saale)/DUR/dpa – Die Feuerwehren in Sachsen-Anhalt müssen derzeit meist mehrfach täglich ausrücken. Denn immer wieder brennt es auf Feldern oder in Wäldern. In Sachsen-Anhalt bleiben Großbrände wie derzeit an der Elster in Brandenburg oder in der sächsische-böhmischen Schweiz noch aus – die Gefahr dafür wächst aber auch hier immer weiter.

Oft heißt es dann, die Hitze hätte die Brände ausgelöst. Das ist jedoch grundsätzlich falsch. Selbst trockenes Heu bräuchte eine Temperatur von deutlich über 100 Grad, um sich selbst zu entzünden. Durch Druck und Feuchtigkeit kann sich Heu zwar theoretisch auch bei geringeren Temperaturen selbst entzünden, bei den aktuellen Bränden spielt das aber keine Rolle, erst Recht nicht in Wäldern.

Stattdessen gehen fast alle Wald- und Feldbrände auf eine menschliche Verursachung zurück. Bei brennenden Feldern sind es oft Defekte an Landmaschienen, in Wäldern fast immer Brandstiftung. „Das absichtliche Zündeln ist dabei nicht die häufigste Ursache, obwohl es das natürlich auch gibt“, so Rainer Städing, ehrenamtlicher Sprecher vom Bund Deutscher Forstleute.

Waldbrände – sehr oft sind es weggeworfene Zigaretten

Hauptgrund sei unachtsames Verhalten, wie die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe - auch aus dem Auto heraus. „Durch den Fahrtwind glüht die Zigarette nochmal richtig auf. Fällt diese dann in eine trockene Böschung an einem Waldrand, fängt es an zu brennen.“

Können Glasscherben einen Waldbrand auslösen?

Glasscherben hingegen gelten nicht als Brandauslöser. Selbst unter idealen Bedingungen konnte das in Versuchen nicht nachgewiesen werden. Ob mit Scherben oder Flaschenböden - es wurde nie die nötige Zündtemperatur erreicht. Es ist also ein Mythos, dass Scherben über einen angeblichen Brennglaseffekt einen Waldbrand auslösen können. Davon abgesehen haben Glasscherben im Wald nichts verloren.

Kann mein Auto einen Waldbrand verursachen?

Kurz: Ja. Mit seiner heißen Abgasanlage kann ein Auto Bodengewächse sehr einfach in Brand setzen. Zum Beispiel der Katalysator kann sich nach Angaben des Tüv Thüringen auf mehrere Hundert Grad Celsius erhitzen. Parkt man so ein heißes Auto auf trockenen Gräsern oder trockenem Waldboden, kann das einen Vegetationsbrand auslösen.

Was sorgt derzeit für die große Waldbrandgefahr?

„Eine sehr geringe Luftfeuchtigkeit bei hohen Temperaturen sowie eine Situation bei der Vegetation, wie sie jetzt beginnt“, sagt Rainer Städing vom Bund Deutscher Forstleute. Die frische grüne und auch feuerhemmende Vegetation fange durch die Sommertemperaturen an zu verwelken und zu vertrocknen. Oft braucht es dann nur einen Funken oder ein Stück Glut. Schon kann der Wald in Flammen stehen.

Welche Rolle spielt die Hitze bei den aktuellen Bränden?

Die Hitze trocknet die Böden und die Pflanzen aus. Dadurch wird aus einem kleinen Funken schnell ein großer Brand. Zudem tritt die Hitze in Deutschland fast immer in Verbindung mit wenig oder keinem Niederschlag auf, steht in dem Fall also symbolisch für den trockenen und heißen Sommer.

Was mache ich, wenn ich einen Feld- oder Waldbrand bemerke?

„Lieber einmal öfter die Feuerwehr rufen als einmal zu wenig“, sagt Ulrich Cimolino vom Deutschen Feuerwehrverband. Je besser die Standortangaben sind, umso schneller kann die Suche nach dem Feuer und die Brandbekämpfung beginnen. Angst vor Kosten müsse niemand haben. Wer in gutem Glauben einen Waldbrand meldet, erhält keine Rechnung oder Anzeige.

Oftmals können Waldbesucher aber nicht genau erklären, wo sie sich befinden, sagt Förster Rainer Städing. „Es gibt aber Apps, die auf den Wald und die Orientierung in Notfällen ausgerichtet sind“. Die App „Hilfe im Wald“ (Android/iOS) beispielsweise zeige einem den nächstgelegenen Rettungspunkt, der Referenzcode kann Einsatzkräften bei der Orientierung helfen.

Soll ich kleine Entstehungsbrände selbst löschen?

„Erst die Feuerwehr rufen, dann selbst löschen“, sagt Waldbrandexperte Ulrich Cimolino. Ist die Feuerwehr alarmiert, kann man auch selbst Löschversuche unternehmen. „Das kann ich mit Wasser machen, wenn ich Wasser habe.“ Oder man nimmt Äste mit Blättern und versucht, das Feuer auszustreichen, oder trampelt es mit festen Schuhen nieder.

Dabei immer auf die eigene Sicherheit achten. Sind die Flammen oder die brennende Fläche zu groß, bringt man sich besser in Sicherheit. „Richtig und nachhaltig löschen ist schwierig ohne ausreichend Wasser und Werkzeug“, sagt Cimolino.

Wie verhalte ich mich allgemein bei Brandgefahr?

Der Deutsche Wetterdienst bewertet das Waldbrandrisiko in Stufen. Ist das Waldbrandrisiko stark erhöht, darf die Forstbehörde sogar ein Betretungsverbot verhängen. Die Verbote sind oft durch eine entsprechende Beschilderung gekennzeichnet und sollten befolgt werden.

Grundlegende Verbote wie ein Rauchverbot im Wald oder für das Entfachen eines Feuers etwa zum Grillen, können unabhängig von der jeweils geltenden Waldbrandstufe bestehen. „Dann lieber mit der Zigarette warten, bis man wieder an dem Parkplatz angekommen ist“, empfiehlt Förster Rainer Städing. Und diese dann auf dem Schotter mit genug Abstand zur Vegetation ausdrücken.

Ist Grillen im Sommer überhaupt eine gute Idee?

Wichtig ist, bei Ausflügen nicht direkt im Wald und auch nicht auf benachbarten Wiesen zu grillen oder ein Lagerfeuer zu entzünden. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Feuerstelle an einem See befindet. Denn ein Funkenflug kann in der näheren Umgebung Schaden anrichten. Daher rät die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, auf an Wälder grenzende Flächen eine Mindestentfernung von 100 Metern zwischen der Feuerstelle und dem Waldrand einzuhalten.

In einigen Bundesländern ist das entweder ganzjährig oder für die Zeit von Frühjahr bis circa Ende Oktober gesetzlich vorgeschrieben. Gleiches gilt fürs Rauchen im Wald.