Praxiserfahrungen

Sachsen-Anhalt: Bedingungen für Schülerpraktika in Corona-Zeiten erschwert

Bei der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium hilft vielen Jugendlichen Praxiserfahrung. Doch die Bedingungen für Praktika sind in Corona-Zeiten nicht optimal.

10.02.2022, 06:57
Für viele junge Menschen sind berufsbildende Angebote der Schlüssel für ihre Jobwahl. Viele Praxisangebote sind in der Pandemie aber weggefallen.
Für viele junge Menschen sind berufsbildende Angebote der Schlüssel für ihre Jobwahl. Viele Praxisangebote sind in der Pandemie aber weggefallen. Foto: dpa/Symbol/Franziska Gabbert

Magdeburg/Halle (Saale)/dpa - Für viele junge Menschen sind berufsbildende Angebote der Schlüssel für ihre Jobwahl. Viele Praxisangebote sind in der Pandemie aber weggefallen. Für Schülerinnen und Schüler seien Praktika eine Möglichkeit, in einen Beruf reinzuschauen und ihn zu testen, sagte der Vorsitzende des Landesschülerrats, Moritz Eichelmann, der Deutschen Presse-Agentur. Auch bei dem 17-Jährigen sind Praktika ausgefallen. Digitale Berufsbildungsangebote seien zwar gut, aber kein Ersatz, so Eichelmann weiter. Es sei wünschenswert, wenn Schülerinnen und Schüler die Praktika wenigstens teilweise nachholen könnten.

Grundsätzlich sind diese Praxiserfahrungen jetzt wieder erlaubt. Aber in einigen Branchen, allen voran im Gesundheitsbereich, sei es schwer, einen Praktikumsplatz zu finden, sagte Eichelmann. Gerade die Hausregeln und die eigenen Hygienebedingungen machten es manchen Einrichtungen und Unternehmen unmöglich, Externe für ein paar Wochen bei sich aufzunehmen.

Die Lage sei während der Pandemie erschwert, sagte Simone Danek, Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau. «Das betrifft nicht nur den Aufenthalt im Betrieb selbst, sondern vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Vorfeld.» Wer aber Praktika anbieten könne, tue dies auch, betonte die Geschäftsführerin für Berufsbildung der IHK Magdeburg, Stefanie Klemmt. «Das praktische Erleben ist unerlässlich.»

Die ganzen Auflagen hätten sich negativ sowohl beim Betrieb als auch bei den Jugendlichen auf die Bereitschaft ausgewirkt, ein Praktikum zu absolvieren, sagte Burghard Grupe, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg. In den vergangenen zwei Jahren seien Jugendliche und Betriebe sehr zurückhaltend bei der Inanspruchnahme von Praktika gewesen. «Es besteht die Gefahr, dass sich aufgrund der fehlenden Praktika weniger Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden», so Grupe.

Jugendliche können außerdem feststellen, ob die Ausbildung überhaupt zu ihnen passt. «Ein Praktikum ist für die spätere Berufswahl ein wesentliches Entscheidungsmerkmal», ergänzte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle, Dirk Neumann. «Denn: Die hohe Zahl der Ausbildungsabbrüche, gerade im 1. Halbjahr der Ausbildung, ist ein Spiegelbild nicht durchgeführter Praktika vor Beginn einer Ausbildung.»

Eine landesweite Plattform für Plätze für Schülerpraktika gibt es anders als im Nachbarland Thüringen laut der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit aktuell nicht. Über die Jugendberufsagenturen, in denen Kommunen, Jobcenter, Arbeitsagenturen oder auch Jugendämter zusammenarbeiten, um jungen Menschen Praktika zu ermöglichen, könnten Interessierte an einen Platz gelangen, sagte ein Sprecher. Diese Jugendberufsagenturen gebe es zum Beispiel in Halle und Magdeburg.