Rekordzahl an Schulabbrechern

Rekordzahl an Schulabbrechern: Sachsen-Anhalt bleibt das Land des Scheiterns

Magdeburg - Mit Freude beobachten Bildungsforscher seit Jahren, dass in Deutschland der Anteil der Schulversager sinkt. Dazu zählt, wer nicht einmal den Hauptschulabschluss erreicht - bundesweit waren das im vergangenen Jahr 6,9 Prozent aller Jugendlichen. Sachsen-Anhalt hingegen spielt eine traurige Sonderrolle - und hat sie auch in diesem Jahr verteidigt. Der Anteil der Schüler ohne Abschluss verharrt auf dem Rekordniveau von 11,4 ...

Von Hagen Eichler
Die Zahl der Schulabbrecher in Sachsen-Anhalt ist unverändert hoch. dpa-Zentralbild

Mit Freude beobachten Bildungsforscher seit Jahren, dass in Deutschland der Anteil der Schulversager sinkt. Dazu zählt, wer nicht einmal den Hauptschulabschluss erreicht - bundesweit waren das im vergangenen Jahr 6,9 Prozent aller Jugendlichen. Sachsen-Anhalt hingegen spielt eine traurige Sonderrolle - und hat sie auch in diesem Jahr verteidigt. Der Anteil der Schüler ohne Abschluss verharrt auf dem Rekordniveau von 11,4 Prozent.

Besonders hoch ist der Anteil in der Altmark, in Halle, Mansfeld-Südharz und Anhalt-Bitterfeld. Nur vier Landkreise landen unterhalb der Zehn-Prozent-Marke. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) reagierte am Mittwoch ratlos.

Rekordzahl an Schulabbrechern: Jetzt soll eine Analyse her

Es gebe „Auffälligkeiten, für die es auf den ersten Blick keine nachvollziehbaren Erklärungen gibt“, sagte er auf MZ-Anfrage. Das gelte etwa für das unterschiedliche Abschneiden innerhalb des Landes. Tullner will nun mit einer wissenschaftlichen Analyse die Ursachen erforschen. Anschließend werde ein Maßnahmenpaket entwickelt, kündigte er an.

Zu den Ursachen des Problems gehört, dass Sachsen-Anhalt einen besonders hohen Anteil von Schülern außerhalb der Regelschulen unterrichtet, nämlich in Förderschulen. Dort gibt es in der Regel keinen anerkannten Schulabschluss.

Bildungsforscher: Mehr Schüler müssen von Sonder- auf Regelschulen

Der Bildungsforscher Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft rät daher, mehr Schülern den Besuch von Regelschulen zu ermöglichen. „Das heiß nicht, dass man Förderschulen völlig abschafft. Aber man könnte schon mehr für die Inklusion tun.“ Seine zweite Empfehlung nimmt die Schüler in schwierigen persönlichen Lagen in den Blick. „Möglicherweise sind in Sachsen-Anhalt als Folge der früher hohen Arbeitslosigkeit die sozialen Probleme größer“, sagte Plünnecke der MZ.

Das Land müsse daher mehr investieren, um Schüler aufzufangen, zum Beispiel Kinder mit Mobbingproblemen, mit Streit in der Familie und fehlender Förderung zuhause. „Wenn das Land aber nicht genug Lehrer hat, fehlen natürlich die Kapazitäten für die Arbeit mit den Eltern.“ Als weiteres Instrument nennt Plünnecke eine bessere Verzahnung von Schule und Hort. „In anderen Ländern funktioniert das mit Ganztagsschulen. In Sachsen-Anhalt kann das auch der Hort sein. Aber für eine gute Förderung müsste er sich mit der Schule sehr eng abstimmen.“

Nur noch 30 Prozent der Schüler machen Abitur

Sachsen-Anhalt setzt beim Kampf gegen Schulabbruch seit langem auf Schulsozialarbeiter. Aktuell sind 380 im Einsatz, bis zum Jahresende 2021 ist die Finanzierung gesichert. Ein neues Instrument ist der Praxislerntag, bei dem Sekundar- und Gemeinschaftsschüler alle zwei Wochen einen ganzen Tag in einem Betrieb verbringen. Das soll den Unterricht praxisnäher gestalten und Schulfrust verhindern. „Auch davon erhoffe ich mir eine positive Entwicklung“, sagte Bildungsminister Tullner.

Dabei sind die Schüler ohne Abschluss nicht das einzige Problem. Die aktuellen Zahlen belegen auch, dass im Abschlussjahrgang 2019 der Anteil der Abiturienten auf 30,1 Prozent gefallen ist, ein Rückgang von 1,2 Prozentpunkten. Bundesweit sieht der Trend ganz anders aus: Der Anteil der Schüler mit Studierbefähigung steigt. Im vergangenen Jahr schafften 40 Prozent aller deutschen Schüler das Abitur. (mz)