Kliniken in roten Zahlen

Krankenhaussystem in Sachsen-Anhalt: CDU und FDP fordern Umorganisation

Viele Kliniken in Sachsen-Anhalt sind in die roten Zahlen gerutscht. CDU und FDP fordern nun eine stärkere Schwerpunktsetzung unter den Krankenhäusern: Nicht jedes Haus müsse jede Behandlung anbieten. Ende 2022 soll ein entscheidendes Gutachten kommen.

Von Jan Schumann 25.01.2022, 07:00
Umorganisation nötig? CDU und FDP machen Druck für eine stärkere Schwerpunktsetzung in Sachsen-Anhalts Krankenhäusern.
Umorganisation nötig? CDU und FDP machen Druck für eine stärkere Schwerpunktsetzung in Sachsen-Anhalts Krankenhäusern. Foto: imago

Magdeburg/MZ - In Sachsen-Anhalt erhöhen CDU und FDP den Druck für eine Umorganisation der Krankenhauslandschaft. Geht es nach den zwei Parteien, die zusammen mit der SPD in einer Koalition regieren, sollen sich Sachsen-Anhalts Kliniken in Zukunft stärker auf einzelne Schwerpunkte konzentrieren. Es sei nicht sinnvoll, wenn jedes Krankenhaus ein Leistungsspektrum anbiete, „das von der Behandlung einer Erkältung bis zum komplexen Eingriff am offenen Herzen geht“, betont der FDP-Abgeordnete Konstantin Pott auf MZ-Anfrage.

Ein Grund der Debatte ist die finanzielle Schieflage einiger Kliniken in Sachsen-Anhalt. Zudem kritisieren FDP und CDU ein Ungleichgewicht in der Gesundheitsversorgung der großen Städte und des ländlichen Raums. Die Versorgung auf dem Land müsse deutlich besser werden.

In der Frage, ob und wie das Krankenhaussystem in Sachsen-Anhalt umstrukturiert werden muss, soll es schon Ende des Jahres erste Antworten geben. Das bestätigte das Gesundheitsministerium in Magdeburg nun der MZ: Derzeit bereite das Ressort von Petra Grimm-Benne (SPD) die Ausschreibung für ein externes Gutachten vor. Es soll nicht nur klären, welche Versorgungsstrukturen landesweit bis 2035 nötig sind, sondern auch, wie viel Fachpersonal konkret gebraucht wird.

Das Gutachten soll somit auch aufzeigen, wie viel Geld das Land künftig in die Gesundheitsversorgung investieren muss. Entscheidend dabei: Das Gutachten soll nicht von der Landesregierung, sondern von externen Experten erstellt werden.

CDU: Investitionen müssen auch „zukunftsfähig“ sein

„Die Finanzierung der Krankenhäuser beschäftigt uns ganz massiv“, bekräftigt CDU-Gesundheitspolitiker Tobias Krull gegenüber der MZ. „Investitionen müssen auch zukunftsfähig sein.“ Nach Ansicht des Magdeburger Christdemokraten gibt es in dieser Frage aber zumindest Fragezeichen. Denn für das Kalenderjahr 2021 gehen 60 Prozent der deutschen Krankenhäuser aktuell von negativen Geschäftsbilanzen aus - auch für Sachsen-Anhalt dürfte diese Größenordnung „repräsentativ“ sein, erklärt die Krankenhausgesellschaft auf MZ-Anfrage. Zugleich pumpt Sachsen-Anhalt in kommenden Jahren 975 Millionen Euro ins Gesundheitswesen, es kommt aus dem Corona-Sondervermögen.

Als Grund für die aktuellen roten Zahlen nennen viele Krankenhäuser zwar die derzeitige Pandemie-Lage, etwa aufgrund ausfallender Operationen. CDU und FDP sehen aber auch strukturelle Probleme über Corona hinaus.

„Es gibt bestimmte chirurgische Leistungen, die werden in vier verschiedenen Krankenhäusern in Halle angeboten“, kritisiert CDU-Politiker Krull. Nicht nur die Saale-Stadt, auch Magdeburg habe eine eher üppige Krankenhaus-Versorgung, heißt es zudem in der FDP. „Wir werden uns jede Region einzeln angucken müssen“, glaubt Krull. Denn im Gegensatz zu den großen Städten sehe er unter anderem im Landkreis Mansfeld-Südharz und in der Altmark bereits Probleme in der Gesundheitsversorgung.

Personalknappheit auf dem Land

Für Krull sei entscheidend, dass jeder Sachsen-Anhalter innerhalb von 30 Minuten eine Klinik mit Notfallversorgung erreichen könne. „Da muss man auch länderübergreifend schauen.“

Mit einer stärkeren Schwerpunktsetzung in Sachsen-Anhalts Krankenhäusern wollen CDU und FDP auch das Fachpersonal an weniger Standorten konzentrieren. „Denn die Angebote in den Krankenhäusern müssen auch qualitativ gut sein“, sagte FDP-Politiker Pott. „Im ländlichen Raum fehlt das Personal bereits.“

Vor allem die SPD will indes Krankenhaus-Schließungen verhindern. Im Koalitionsvertrag heißt es auch: „Eine Diskussion über die Schließung einzelner Krankenhäuser wird von Seiten des Landes nicht geführt.“ Dass es nun überhaupt zum externen Gutachten kommt, soll maßgeblich auf den Druck der CDU innerhalb der Koalition zurückgehen.

Die SPD-Abgeordnete Heide Richter-Airijoki betonte gegenüber der MZ: „Wir haben eine gut aufgestellte Krankenhauslandschaft im Land.“ Sie beobachte aber auch einen Wandel in der Gesundheitsversorgung: Hin zu mehr ambulanten Behandlungen, modernen medizinischen Methoden und die zunehmende Digitalisierung. „Den Wandel gestalten wir nur gemeinsam in der Trägervielfalt. Besonders die regionale Versorgung im ländlichen Raum wollen wir mit innovativen Modellen, wie in Havelberg geplant, stärken.“

Die Schwierigkeit bei der von CDU und FDP ins Auge gefassten Umorganisierung der Kliniklandschaft: Nur ein kleiner Teil der gut 40 Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt liegt in der Hand des Landes. „Es ist wichtig, dass man da in den Dialog mit den Krankenhäusern kommt, auch mit der Krankenhausgesellschaft“, sagt Pott. Auch CDU-Politiker Krull fordert, dass das Land die Krankenhäuser an einen Tisch hole und eine „aktive Moderatorenrolle“ einnehme. Der Gesundheitspolitiker sagt: „Das werden keine ganz einfachen Gespräche. Da wird man auch schauen müssen, dass es ein Gleichgewicht zwischen den Krankenhäusern gibt.“