Blockade-Aktion in Schkeuditz

Klimaaktivisten blockieren DHL-Frachtzentrum am Flughafen Leipzig/Halle

Von Steffen Höhne
Aktivisten blockieren die Zufahrt zum DHL-Frachtzentrum
Aktivisten blockieren die Zufahrt zum DHL-Frachtzentrum (Quelle: CancelLEJ)

Schkeuditz/MZ - Gegner des Flughafenausbaus haben in der Nacht zum Samstag die Zufahrt des DHL-Frachtzentrums am Airport Leipzig/Halle blockiert. In ihrer Aktion forderten sie „den sofortigen Ausbaustopp des Frachtflughafens“. 54 Demonstranten versperrten durch eine Sitzblockade die Haupteinfahrt auf das Gelände, teilte die Polizei mit. Politisch schlägt die Aktion in Sachsen Wellen.

Am Sonntagnachmittag waren noch immer 20 Demonstranten in Polizeigewahrsam, weil sie ihre Identität nicht preisgeben wollten.
Die Blockade war der bisher radikalste Protest gegen den Ausbau des Flughafens. Die Aktion begann am späten Freitagabend. Innerhalb weniger Minuten habe sich ein Stau von etwa 70 Lkw gebildet, teilte die Polizei mit. Dieser habe sich bis zum Schkeuditzer Bahnhof erstreckt. Nach etwa einer Stunde leitete DHL die Fahrzeuge über ein anderes Tor auf das Gelände.

Protest in Schkeudizt: Lag Anmeldung vor?

Die Organisatoren treten unter dem Namen „CancelLEJ“ auf. LEJ ist der Luftfahrt-Code für den Airport Leipzig/Halle, cancel das englische Wort für aufheben. Sie erklären sich „solidarisch mit den Protesten der Anwohner:innen“ und gehen nach eigenen Worten einen Schritt weiter, „um den Forderungen mehr Gehör zu verschaffen“.

Seit Jahren protestieren Bürgerinitiativen (BI) wie die „IG Nachtflugverbot“ und das „Bündnis gegen den Ausbau des Frachtflughafens“ gegen den nächtlichen Lärm und den geplanten Ausbau des Flughafens. Die Bürgerinitiativen waren offenbar nicht an der Blockade beteiligt, zeigen sich aber „solidarisch mit den Klimaaktivisten“. Matthias Zimmermann, Sprecher der BI „Gegen die neue Flugroute“ teilte mit: „Friedliche Proteste, Dialoge, Stadtratsbeschlüsse, aktive Unterstützung seitens der Basis eines Großteils der Parteien - alles hat bisher nichts genutzt.“

Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde die Aktion zu Beginn nicht rechtzeitig angezeigt. Die Behörden ermitteln daher wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Nötigung, da der Verkehr behindert wurde. Der stellvertretender Fraktionsvorsitzende der Linken im sächsischen Landtag, Marco Böhme, teilte dagegen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, er habe die Aktion in der Nacht bei der Polizei angemeldet.

Die Polizei nahm noch in der Nacht 51 Flughafengegner in Gewahrsam, um deren Identität festzustellen. Die Aktivisten wollten ihre Personalien nicht angeben. Bis Sonntagnachmittag wurden noch 20 Personen festgehalten.  

DHL hat laut Polizei noch in der Nacht Anzeige erstattet und bezifferte den entstandenen Schaden zunächst auf 1,5 Millionen Euro. In einem offiziellen Statement des Logistikkonzerns am Sonntag heißt es nun lediglich: „Die nächtliche Sperrung der Zufahrt zum DHL Express Drehkreuz hat zu Verzögerungen im Betriebsablauf mit lokal überschaubaren Auswirkungen geführt. Der entstandene Schaden und mögliche Effekte auf das weltweite Netzwerk lassen sich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau benennen.“

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) kritisiert den Protest und schrieb auf Twitter: „Der Zweck heiligt nicht alle Mittel! Die Demo nachts am DHL-Frachtdrehkreuz am LEJ-Airport ist inakzeptabel.“

Leipzig/Halle: Mehr Flugverkehr geplant

DHL betreibt am Flughafen Leipzig/Halle sein europäisches Luftfrachtdrehkreuz, jede Nacht landen und starten etwa 60 Flugzeuge, die vor allem Expresspäckchen innerhalb Europas transportieren. Der Flughafen will in den kommenden Jahren die sogenannten Vorfeldflächen für die Flugzeuge ausbauen, so dass 90 bis 100 Maschinen pro Nacht abgefertigt werden könnten. Am Standort arbeiten 6.000 Mitarbeiter, ein Teil der Fracht wird auch über Lkw an- und abgefahren.