Mit Kopfbedeckung im Gotteshaus

Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck sorgt mit Moschee-Besuch in Stendal für Kritik

Magdeburg - Mit einem Besuch in der Stendaler Moschee hat Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) eine Kontroverse ausgelöst.

Von Hagen Eichler

Mit einem Besuch in der Stendaler Moschee hat Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) eine Kontroverse ausgelöst.

Die Staatssekretärin traf sich am vergangenen Freitag mit Vertretern der islamischen Gemeinde in deren neuen Räumen. Für Ärger sorgt nun ein am Montag in der Altmark-Zeitung veröffentlichtes Foto.

Es zeigt die Besucherin in der Moschee, mit einem Schal auf ihrem Hinterkopf. „Staatssekretärin Möbbeck tritt offiziell mit Kopftuch bei Moslems in Stendal auf“, empörte sich daraufhin Bildungsminister Marco Tullner (CDU) via Twitter. „Ich bin nur noch sprachlos.“

Die Angesprochene kann die Kritik nicht verstehen. „Das ist kein Kopftuch, sondern mein Halstuch. Wenn ich ein Gotteshaus besuche, nehme ich Rücksicht auf die geltenden Bekleidungsregeln“, sagte sie der MZ. Sie erinnert an ähnliche Vorschriften in anderen Religionen: In Synagogen werde selbstverständlich erwartet, dass alle Männer ihren Kopf bedecken. Und die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sei dem Papst mit einem Kopftuch gegenübergetreten.

Tullner: „Die Integrationsbeauftragte ist nicht als Gläubige oder Touristin unterwegs“

Tullner hingegen verweist auf den Iran, wo derzeit Frauen die in der Öffentlichkeit vorgeschriebenen Verschleierung demonstrativ in die Höhe halten. Das Tuch werde als Unterdrückungsinstrument angesehen, so Tullner. „Wenn eine Vertreterin der Landesregierung dann selbst ein Kopftuch anlegt, finde ich das unsensibel.“

Eine Kippa für Männer hingegen hält Tullner für unproblematisch, ebenso die Verschleierung katholischer Frauen in Gegenwart des Papstes. „Die Integrationsbeauftragte ist nicht als Gläubige oder Touristin unterwegs, sondern in offizieller Mission der Landesregierung“, so Tullner. Er will nun im Kabinett für einen Konsens werben, dass sich Vertreter der Landesregierung bei künftigen Moschee-Besuchen nicht verschleiern.

Nach der Lehre des Koran sollen sich islamische Frauen sittsam kleiden. Die entsprechenden Passagen werden allerdings sehr unterschiedlich ausgelegt. Einige Islamgelehrte sehen die Verschleierung nicht als zwingend an. Besonders rigide Vorschriften gelten hingegen in Saudi-Arabien und im Iran. Möbbeck betont, ein Schleierzwang in der Öffentlichkeit und eine Kopfbedeckung als Zeichen des Respekts in einer Moschee seien verschiedene Dinge. „Ich unterstütze alle Frauen, die sich gegen den Zwang zu Kopftuch oder Burka wehren“, beteuert sie.

AfD-Landeschef André Poggenburg wirft Möbbeck „Unterwerfung“ vor

Nach Tullners Kritik reagierte auch die AfD. Landeschef André Poggenburg warf Möbbeck „Unterwerfung“ vor. Das Kopftuch stehe symbolisch für die Unterdrückung der Frau. „Eine Integrationsbeauftragte, die glaubt, man könne Integration durch Unterwerfung erreichen, ist völlig fehl am Platz“, kritisierte Poggenburg.

Größere islamische Gemeinden gibt es in Halle, Magdeburg, Dessau, Wittenberg, Merseburg und Stendal. Möbbeck will den Kontakt zu ihnen intensivieren - mit einer Gesprächsrunde, zu der sie für Ende des Monats eingeladen hat. Das von Tullners Vorgänger Stephan Dorgerloh (SPD) aufgebaute Islamforum sei nicht weitergeführt worden, bedauert Möbbeck. „Wir müssen aber miteinander sprechen, um Vorbehalte abzubauen.“ Gerade um der Radikalisierung einzelner Muslime vorzubeugen, seien die Gemeinden die richtigen Ansprechpartner. (mz)