„Heimattour“

„Heimattour“ : MDR beendet Zusammenarbeit mit umstrittenen Veranstalter

Helbra/Leipzig - Der MDR wollte am Wochenende eine große Party feiern, setzte sich damit in die Nesseln - und hat jetzt die Konsequenzen gezogen: Der Sender hat sich vom Veranstalter der Sputnik-„Heimattour“ getrennt.

Von Anja Förtsch

Der MDR wollte am Wochenende eine große Party feiern, setzte sich damit in die Nesseln - und hat jetzt die Konsequenzen gezogen: Der Sender hat sich vom Veranstalter der Sputnik-„Heimattour“ getrennt.

Das teilte der MDR am Montag auf MZ-Nachfrage mit. Allerdings begründete der Sender die Entscheidung lediglich mit dem Hausverbot, das der Veranstalter der MZ ausgesprochen hatte, nicht mit der rechtsextremen Gesinnung des Eigentümers der Veranstaltungshalle.

Damit hat der MDR jetzt reagiert - wenn auch wegen des Hausverbots, nicht der Verbindung zu einem Rechtsextremisten, und erst nach Tagen. Anfang der vergangenen Woche hatte das antifaschistische Bündnis „No Halgida“ aus Halle in einem offenen Brief an den MDR kritisiert, dass dieser - wenn auch „über Bande“ - mit einem  ortsbekannten Rechtsextremisten   zusammenarbeite. 

Bürgermeister: Positionen des Hallen-Eigentümers sind bekannt

Denn der MDR bewirbt und begleitet die „Heimattour“, die Organisation und Durchführung war an einen externen Veranstalter ausgelagert. Dieser Veranstalter wiederum hatte die „Alte Schachthalle“ in Helbra (Landkreis Mansfeld-Südharz) gemietet - vom Eigentümer der Halle, der öffentlich im Internet etwa Bilder von Wehrmachtssoldaten mitsamt Hakenkreuz sowie antisemitische und rassistische Karikaturen und Artikel teilt, die erklären sollen, warum die Bundesrepublik kein souveräner Staat sei. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra, Bernd Skrypek (CDU), sagte gegenüber der MZ, man wisse vor Ort um die Einstellungen und Positionen des Hallen-Eigentümers. „Wir sehen das schon kritisch“, sagte Skrypek.

Am Dienstag erklärte der MDR auf MZ-Nachfrage, er distanziere sich „von jedwedem extremistischen Gedankengut“. An der Veranstaltung hielt der Sender aber trotz der Kritik fest und rief so noch mehr Proteste hervor.

Veranstalter erteilt  MZ-Reporterin Hausverbot

Die „Heimattour“-Affäre erreichte ihren Höhepunkt, als der Veranstalter der MZ-Reporterin am Samstagabend Hausverbot erteilte und sie des Saales verwies. Das Verbot begründete der Mitarbeiter des Eventmanagements mit der Berichterstattung. Sie sei fatal für die Veranstaltung gewesen, es könnten weniger Gäste kommen oder „Linksradikale, die Ärger machen“.

Die Meldung machte auf dem Online-Nachrichtendienst Twitter in kurzer Zeit die Runde, wurde dutzendfach geteilt und kommentiert und steigerte so den Druck auf den MDR. Nutzer forderten die Absage der Heimattour und warfen dem Sender vor, indirekt gegen die Pressefreiheit zu verstoßen.

MDR-Rundfunkrat und -Hörfunkausschuss wollen sich mit der Affäre befassen

Der MDR blieb zunächst stumm - bis auf eine kurze Mitteilung, dass man das Hausverbot gegen die MZ bedaure. Erst am Montagmittag erklärte der Sender, Konsequenzen gezogen zu haben: „Das Hausverbot des Veranstalters ist völlig inakzeptabel. Der MDR bedauert dies ausdrücklich und distanziert sich vom Verhalten des Veranstalters. Die Zusammenarbeit mit ihm wurde bereits beendet.“

Dem Bündnis „No Halgida“ geht diese Erklärung nicht weit genug. Man begrüße zwar, dass der MDR die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter beendet hat. „Es ist aber bezeichnend, dass erst das Hausverbot als Feigenblatt genutzt wird, um die Verbindung zu einem Reichsbürger zu beenden“, sagte ein „No Halgida“-Sprecher der MZ. „Das zeigt, dass sich der MDR nicht wirklich mit dem Problem auseinandergesetzt und es nicht vollständig verstanden hat.“ Für das Bündnis sei die Nachbereitung des Vorfalls damit längst nicht beendet.

Das Ende der Affäre ist damit tatsächlich nicht erreicht. In ihren nächsten Sitzungen werden sich der MDR-Rundfunkrat und -Hörfunkausschuss mit dem Thema befassen, sagten Ratsmitglieder Stefan Gebhardt und René Lindenberg. (mz)