Kaum noch Platz

Freie Betten auf Intensivstationen: So bedrohlich ist die Lage in Sachsen-Anhalt

Die vierte Corona-Welle sorgt auch in Sachsen-Anhalt für volle Kliniken. In mehreren Landkreisen gibt es keine fünf freien Intensiv-Betten mehr.

18.11.2021, 15:28 • Aktualisiert: 18.11.2021, 15:32
Mehrere Landkreise in Sachsen-Anhalt haben kaum noch freie Intensivbetten. 
Mehrere Landkreise in Sachsen-Anhalt haben kaum noch freie Intensivbetten.  Foto: dpa

Halle (Saale)/Magdeburg/DUR – Die Corona-Situation in Sachsen-Anhalt spitzt sich immer weiter zu. Größtes Problem: Mit der steigenden Zahl an Infektionen steigt auch die Zahl derjenigen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

Wie viele freie Intensiv-Betten gibt es noch?

Laut dem Intensivregister der Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) waren am Donnerstagnachmittag in Sachsen-Anhalt noch 12,5 Prozent aller Intensivbetten frei. Bei aktuell 721 nutzbaren Betten heißt das, 90 Intensiv-Patienten können noch zusätzlich versorgt werden.

Im bundesdeutschen Durchschnitt liegt Sachsen-Anhalt damit im Mittelfeld. Am bedrohlichsten ist die Lage in Bayern. Hier sind nur noch 9,4 Prozent der Kapazitäten frei.

Wie viele Intensiv-Plätze sind mit Corona-Patienten belegt?

Von den aktuell 631 belegten Intensivbetten in Sachsen-Anhalt sind laut DIVI 87 mit Covid-Patienten belegt. Davon müssen 38 Menschen künstlich beatmet werden. Der Anteil der Covid-Patienten liegt bei 12,1 Prozent.

Auch hier liegt Sachsen-Anhalt wieder im Mittelfeld. In Sachsen, Thüringen und Bayern belegen Corona-Patienten bereits mehr als jedes vierte Intensiv-Bett.

90 freie Betten in Sachsen-Anhalt – das klingt doch gut?

90 freie Betten klingen erst einmal beruhigend. Aber diese werden eben nicht nur für Corona-Patienten gebraucht. Ein schwerer Autounfall, ein Herzinfarkt: Und schon werden wieder Betten benötigt. Dazu steigt die Zahl der Corona-Patienten derzeit deutlich schneller als die Zahl derer, die von der Intensivstation entlassen werden können.

Wie ist die Situation in Sachsen-Anhalt regional?

In sechs Landkreisen in Sachsen-Anhalt sind laut DIVI bereits jetzt weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei. Im Jerichower Land sind bereits jetzt alle 18 verfügbaren Klinik-Betten belegt. In Magdeburg sind von 173 Beten noch sechs frei. In der Börde gibt es nur noch ein freies Bett, im Salzlandkreis und in Mansfeld-Südharz noch jeweils zwei,in Dessau drei und im Harz vier.

Vergleichsweise entspannt ist die Lage noch in der Altmark, in Anhalt-Bitterfeld, im Saalekreis und im Landkreis Wittenberg. Hier sind jeweils noch rund 30 Prozent der Intensivbetten frei. Im Landkreis Stendal bedeutet das in absoluten Zahlen jedoch sechs Betten, im Saalekreis ebenfalls sechs und im Altmarkkreis fünf. Die meisten freien Betten meldet derzeit Halle mit 27.

Warum lässt sich die Zahl der Betten nicht aufstocken?

Ein paar zusätzliche Betten hinstellen wäre für die meisten Kliniken wohl kein Problem. Was jedoch fehlt, sind Pfleger und Ärzte. Aufgrund der Überlastung seit Anfang 2020 ist die Zahl der Krankenschwestern und Krankenpfleger bundesweit deutlich gesunken. Die Kliniken haben schlicht kein Personal mehr, um zusätzliche Patienten zu versorgen, zumal für den Dienst auf Intensivstationen eine spezielle Ausbildung nötig ist.